Launige Lesestunde unter der Glaskuppel der Akademie in Herne

Sie spachen ein „MachtWort“: Klaus Märkert und Mario Siegesmund (v.l.) in der Fortbildungsakademie.
Sie spachen ein „MachtWort“: Klaus Märkert und Mario Siegesmund (v.l.) in der Fortbildungsakademie.
Foto: FUNKE Foto Services

Herne..  Von einem Geheimtipp zu sprechen wäre vielleicht verfrüht. Doch was sich neuerdings montags abends in der Fortbildungsakademie unter der Glaskuppel tut, hat Potenzial. Nach zwei musikalischen Abenden öffnete am dritten der Hammer Wortkünstler Mario Siegesmund seine Lesewundertüte, und das Publikum in den Cocktailsesseln warf amüsierte Blicke hinein.

In Hamm mehrfach mit verschiedenen Gästen erprobt, funktionierte das Format „MachtWort“ auch in Herne. Klaus Märkert hieß der Gast des Abends, gereiften Szenegängern noch als Betreiber des Bochumer Dark-Wave-Diskothek „Zwischenfall“ in Erinnerung. Märkerts Spezialität sei der „Nachthumor“, führte Siegesmund den Autor ein, der in früheren Leben auch schon Taxifahrer und Sozialarbeiter war und der mit lakonischem Witz u.a. in „Requiem für Pac-Man“ seine Vergangenheit literarisch verarbeitet hat.

Auch Hernes Nachtschwärmern wollte er in den 90er Jahren „die dunkle Seite“ nahebringen. „Cure“ hieß die Nachfolge-Disco des „Club Okay“, ein Projekt, das allerdings wegen baulicher Auflagen schon endete, bevor es richtig begann. Zurück blieb bei Märkert die Erinnerung an Typen wie Mr. Minipli, einen Ordnungsamtsmitarbeiter mit Brustbehaarung und Goldkettchen, und die ältere Clubbesucherin, die sich von ein paar Blutstropfen nicht das Tanzen vermiesen ließ.

Während Märkert also aus diversen Büchern las, hatte sich Mario Siegesmund mit dem Laptop zurückgezogen, um schnell mal eine Geschichte zu schreiben. Worte wie „Heimat“, „Einkommenssteuer“ und „Brausebrocken“ sollten darin vorkommen, hatte das Publikum ihm aufgetragen, und tatsächlich bastelte der Autor eine witzige Supermarktgeschichte daraus.

Lesetipps wurden in der nächsten Runde weitergegeben. Märkert empfahl u.a. „Unterwerfung“ von Michel Houellebecq, Siegesmund Woody Allens „Pure Anarchie“.

Ach ja, und ein Wort wurde auch noch erfunden: „Reifenrummel“ lag bei den gesuchten Synonymen für „Parkplatz“ klar vorn.

 
 

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