Lastenräder in Herner Firmen meistern die erste Etappe

Eva-Maria Maylahn kann sich vorstellen, auch nach dem Forschungsprojekt mit einem Lastenrad zu fahren.
Eva-Maria Maylahn kann sich vorstellen, auch nach dem Forschungsprojekt mit einem Lastenrad zu fahren.
Foto: FUNKE Foto Services
Die Teilnehmer des Forschungsprojekts zu Lastenrädern ziehen nach einem Monat eine positive Bilanz: Auf kurzen Strecken ist das Auto ersetzbar.

Herne.. Bei der Tour de France treten die Radprofis zurzeit für Bestzeiten und das Gelbe Trikot in die Pedale. In Herne hat vor einem Monat ein halbes Dutzend Unternehmen „aufgesattelt“ und testet den Einsatz von Lastenrädern. Nach der ersten Etappe ist die Resonanz sehr positiv - mit einem kleinen „aber“.

Zum Hintergrund: Die Zeppelin-Universität Bodensee untersucht mit dem auf zwei Jahre angelegten Forschungsprojekt zum „klimafreundlichen Wirtschaftsverkehr“, ob ein Beitrag zum Klimaschutz geleistet werden kann, wenn auf dem letzten Kilometer statt Lieferwagen Lastenfahrräder eingesetzt werden. Die ersten Erfahrungen deuten darauf hin, dass die Räder Autos durchaus ersetzen können.

Eva-Maria Maylahn, Geschäftsführerin des Blumen- und Floristikgeschäfts an der Jauerstraße, hat ihren Wagen teilweise komplett stehen gelassen, um Blumen mit dem Rad auszuliefern. „Gerade bei schönem Wetter macht es Spaß“, so Maylahn. Über 200 Kilometer hat der Kilometerzähler bereits registriert. Sie schildert, dass sich eine Erwartungshaltung realisiert hat: Die lästige Parkplatzsuche entfällt, man könne mit dem Rad bis vor die Tür der Kunden fahren.

Räder haben technische Probleme

Allerdings: Sie habe sich an das Rad und dessen Fahreigenschaften erst gewöhnen müssen. Das ist kein Wunder, denn der Lasten-Draht-Esel misst mehr als zwei Meter, ist also längst nicht so handlich zu manövrieren wie ein herkömmliches Fahrrad. Bereits jetzt kann sich Eva Maylahn vorstellen, dauerhaft ein Lastenrad in den Fuhrpark aufzunehmen, allerdings habe sie sich bereits vor dem Forschungsprojekt für diese Alternative interessiert.

„Bis zu einem Radius von sieben Kilometern ist das Lastenrad sehr gut einsetzbar“, sagt auch Georg Wilk, Inhaber der Tischlerei Molzahn. Es habe das Auto ersetzt. Und da sich das Rad leicht fahre - dank elektrischer Unterstützung -, komme man auch entspannt beim Kunden an.

„Man ist so schnell wie mit dem Auto“, sagt auch Manfred Lieder, Inhaber des Elektronik-Fachmarkts in Eickel. Auf Kurzstrecken, wenn bei Kunden kleine Servicearbeiten anstehen, klappe es bestens. Auch Sabine Pachtmann, Managerin des City Centers, und Dr. Johan van Oppen, Inhaber der Neumarkt-Apotheke, sehen das Rad vor dem Auto. Während Pachtmann - auf Grund der Ausmaße und des Gewichts - von einer Gewöhnungsphase berichtet, hat van Oppen sogar den Elektro-Antrieb abgeschaltet und setzt auf reine Muskelkraft. Mehrmals in der Woche liefert er Medikamente mit dem Rad aus. Sein Fazit. „Das Lastenrad ist eine tolle Idee.“

Aber: Die Technik rollt nicht ganz rund. Das neue entwickelte Rad hat nach Auskunft der Teilnehmer einige Kinderkrankheiten, etwa bei der Lenkung oder der Schaltung. Die Folge: Es sind bereits einige Reparaturen angefallen. Allerdings herrscht unter den Teilnehmern auch weitgehend Einigkeit darüber, dass diese Probleme nichts daran ändern, dass die Grundidee sehr gut ist.

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