Lars von der Gönna überzeugt mit komödiantischem Talent

In der Alten Druckerei an der Bebelstraße: Lars von der Gönna liest aus „Der Spott der kleinen Dinge".
In der Alten Druckerei an der Bebelstraße: Lars von der Gönna liest aus „Der Spott der kleinen Dinge".
Foto: Haenisch / Funke Foto Services
Der Kulturjournalist ist seit September 2014 mit seinen Glossen auf Lesetour. In Herne erlebte sein Publikum in der Alten Druckerei einen kurzweiligen Abend.

Herne..  Seit Lars von der Gönna mit seinem Büchlein durchs Land zieht, hat die Einsamkeit des Kulturjournalisten ein Ende. 15 Mal hat er aus „Der Spott der kleinen Dinge“ im letzten halben Jahr gelesen und es ist zu vermuten, dass das Publikum ihn andernorts ähnlich gut gelaunt erlebte wie in Herne. Hier genoss der in Herten aufgewachsene Redakteur der WAZ und Autor am Donnerstag in der Alten Druckerei so etwas wie ein Heimspiel. Die einen kannten ihn von seinem Opernkurs bei der Herner Volkshochschule, andere aus dem Volontariat in der Lokalredaktion, obendrein saßen neben seiner Frau sowohl Mutter als auch Schwiegermutter im ausverkauften Zuschauersaal.

Mit großem komödiantischem Talent verwandelt Lars von der Gönna seine verdichteten Alltagsbeobachtungen in kleine Szenen von Loriotschem Format. Wenn sich in den „Ehegesprächen“ Mann und Frau über die Übergangsjacke in der Kleidersammlung streiten, ist das „Frühstücksei“ ganz nah. Von der Gönna beobachtet seine Mitmenschen an der Bushaltestelle und im Kaufhaus, beim Bäcker und im Fernsehen, spöttisch, aber mit Wohlwollen und macht sich, scheinbar harmlos, so seine Gedanken. Diese trudeln in den Geschichten dann eine Weile herum, bevor sie in elegantem Schwung zum Ausgangspunkt zurückführen. Oder ganz woanders landen.

Mit kleinen Gemeinheiten stichelt er gegen Rentnerinnen mit Häkelmützen und Kunstlederbeuteln, die mit Hunden sprechen. Doch wer wollte es ihm übelnehmen, macht er sich doch genauso gerne über sich selbst lustig. Wie sagte doch die Verkäuferin in der Karnevalsabteilung? „Superman in Ihrer Größe gibt es nicht“.

Absolutes Novum in der Druckerei: Am Ende bekamen alle noch ein Buch, signiert vom Autor und vom Karikaturisten Heiko Sakurai mit einer Maus versehen. Und hätte Elisabeth Röttsches nicht auf die Uhr gesehen: Das hingerissene Publikum hätte das abschließende Gespräch mit beiden bestimmt noch ausgedehnt.

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