Kunsterlebnis jenseits des reinen Konsums

Ute Eickenbusch
Gut besucht: die Auftaktveranstaltung von „Essen Trinken Sehen Tun“ (ETST)  in den Flottmann-Hallen - ein Abend in der noch nicht komplett aufgebauten Skulpturen-Schau, die am 2. Februar eröffnet wird.
Gut besucht: die Auftaktveranstaltung von „Essen Trinken Sehen Tun“ (ETST) in den Flottmann-Hallen - ein Abend in der noch nicht komplett aufgebauten Skulpturen-Schau, die am 2. Februar eröffnet wird.
Foto: Haenisch / waz fotopool
In den Flottmann-Hallen wurde mit Essen - Trinken - Sehen - Tun ein neues Format geboren, das die Kommunikation zwischen Kunstinteressierten in zwanglosem Rahmen ankurbeln will. Kunst-Acts, Aktionen und Gespräche. Mario Jewanski und Werner Meurer machten den Anfang.

Herne.  Es heult und pfeift und kracht, schwarze Luftballons zischen durch den Ausstellungsraum, mit Alufolie gefüllt oder umhüllt. In den Flottmann-Hallen ist der Abend bei T wie Tun angekommen. „Essen - Trinken - Sehen - Tun“, kurz ETST, ist die Losung dieses ersten „Kunst im Aufbau“-Events, mit dem Jutta Laurinat, die Ausstellungskuratorin des Hauses, und der Herner Künstler Erich Füllgrabe am Donnerstag Neuland betraten. Um die 80 Gäste ließen sich darauf ein, Kunst nicht nur zu konsumieren, sondern sich auch als Teil einer Aktion zu erleben, die - mit dem Material Luft und Metall - neun Tage vor der Eröffnung auf Ewerdt Hilgemanns Skulpturenschau „Der Luftschmied“ verwies.

Ein wenig konspirativ hatten Füllgrabe und Laurinat zu dem neuen Format für 25+ eingeladen: Nur die Herner Adressaten des Flottmann-Kunst-Verteilers waren angeschrieben worden, eine Presse-Ankündigung war nicht erwünscht. Allerdings nicht um Publikum auszuschließen, wie beide betonen („Jeder kann sich auf die Liste setzen lassen“) - wohl eher um die Premiere mit der Aura des „Geheimtipps“ zu umgeben, oder wie Erich Füllgrabe es ironisch formulierte: „Verknapptes Angebot erhöht den Preis“. Das funktionierte dann auch.

In provisorisch gehaltener Werkstattatmosphäre, zwischen Leitern und Plastikplanen, die die erst tags zuvor angelieferten Skulpturen noch verhüllten, positionierten sich unerwartet viele Besucher mit Vorspeisenteller und Getränk ( E und T ) an Stehtischen, neugierig gemacht auf die Hilgemann-Ausstellung, am 2. Februar mit einer „Implosion“ beginnt, aber auch gespannt auf die künstlerische Mixtur des Abends, in die Erich Füllgrabe, im weißen Kittel und mit professoralem Sprachduktus einführte, an seine Theorie vom „Künstler als Forscher“ anknüpfend. Witz und Wissen, so erklärte er später, seien durchaus verwandt. Witz und Sprachgewalt paarten sich in Mario Jewanskis Lesung: Der Herner Autor las aus „Affenabschaffen“, einem noch unveröffentlichten satirischen Roman über einen Zoosüchtigen. Kurzfristig für eine verletzte Musikerin eingesprungen war Werner Meurer aus Essen. Seine Rhythmus-Performance „Experimentelle Archaik“ fügte sich in den im besten Sinne merkwürdigen Abend. Fortsetzung folgt.