Kulturzentrum erlebt musikalischen Dialog zum Europatag

Beim Konzert zum Europatag spielten die Herner Symphoniker.
Beim Konzert zum Europatag spielten die Herner Symphoniker.
Foto: WAZ FotoPool
„Vom Orient zum Okzident“ lautete der Titel des Konzertes zum Europatag, das die Herner Symphoniker unter Leitung von Elmar Witt am Montagabend im Kulturzentrum zusammen mit dem Baglama-Spieler und Komponisten Erdal Akkaya gestalteten.

Herne..  Auf dem Programm standen Werke von Wolfgang Amadeus Mozart, Carl Maria von Weber, Franz Schubert und Erdal Akkaya. Rund um die Türkei geht es in diesem musikalischen Dialog zwischen Europa und dem Orient: Nach dem Thema aus Beethovens „Ode an die Freude“, der „Hymne des Europatages“, präsentierten die Herner Symphoniker ihrem Publikum im nahezu ausverkauften KuZ mit der Ouvertüre von Mozarts Singspiel „Die Entführung aus dem Serail“ das musikalische Türkenbild der Klassik. „Turqueries“ - Schauspiele oder Opern, die in der Türkei spielen -, waren im 18. Jahrhundert nach den Türkenkriegen und der Rückeroberung des Balkans durch Prinz Eugen von Savoyen an den europäischen Fürstenhöfen in Mode gekommen. Allerdings stand dabei nicht originale türkische Musik im Vordergrund, sondern das Bild des fremden exotischen Landes aus europäischer Sicht. Auch die Musik war europäisch, erhielt aber durch die Instrumente Trommel, Becken und Triangel einen für europäische Ohren „türkischen“ Klang und damit exotisches Lokalkolorit.

Federnde Eleganz

Schwungvoll und spritzig kontrastieren die Ecksätze der Ouvertüre mit dem liedhaften, gemütvollen Mittelteil, der ganz in der deutschen Singspieltradition steht und die Frühromantik stellenweise vorwegnimmt. Federnde Eleganz und ungemein präzise Tempi und Rhythmen zeichnen dabei das Spiel der Herner Symphoniker aus, ebenso in der Ouvertüre von Carl Maria von Webers romantischem Singspiel „Abu Hassan“.

Eine musikalische Gegenwelt dazu bilden die Lieder, die Erdal Akkaya auf der Baglama vorträgt, einer Kurzhalslaute. Wehmütig-verhangen klingen die vierteltönigen Melodien, nach Makam-Tonleitern gebildet, in für europäische Ohren ganz ungewohnten 5- und 9-Achteltakten; spannend gestaltet sich das Wechselspiel mit den Herner Symphonikern, die die Lieder an Stelle der in der kleinasiatischen Musik üblichen Begleitinstrumente mit einem webenden Klangteppich unterlegen. Gefühle und Landschaften sind die Themen dieser volkstümlichen Balladen, die durch den Dialog mit dem europäischen Sinfonieorchester und seinen Harmonien einen ganz eigenen Klangcharakter erhalten. Präzise Rhythmen, frühromantische Harmonien und groß angelegte, spannend ausgestaltete Entwicklungsprozesse mit dramatischen Steigerungen charakterisieren die Interpretation der Sinfonie Nr. 9 C-Dur D 944, auch „die Große“ genannt, von Franz Schubert, die ebenfalls begeisterten Applaus hervorrief.

EURE FAVORITEN