Kritik an Umbau der Bochumer Straße in Herne

Michael Muscheid
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Zwischen Süd- und Gräffstraße sind in Herne die Bagger angerückt: Die Bochumer Straße wird jetzt nach jahrelanger Planung umgebaut. Die Grünen fürchten das Aus für den geplanten Radweg. Sie sind nicht die einzigen.

Nach jahrelanger Planung, hitzigen Diskussionen und mehreren Verzögerungen hat nun der Umbau der Bochumer Straße begonnen. Von einem allgemeinen Aufatmen kann aber keine Rede sein: Die Gegner der vierspurigen Variante melden sich zu Wort und fordern eine Korrektur der Pläne.

Zur Erinnerung: Gegen die Stimmen der Grünen hatten SPD, CDU und FDP vor einem halben Jahr den Weg freigemacht für den vierspurigen so genannten Zwischenausbau. Seit dieser Woche nun werden zwischen Südstraße und Gräffstraße auf den linken Fahrspuren Kopfsteinpflaster und Schienen entfernt, anschließend wird dort Asphalt aufgetragen; im neuen Jahr folgt der Bau eines Kreisverkehrs an der Südstraße in Höhe Baumarkt Hornbach. Erst, wenn die vierspurige Straße überarbeitet ist, will die Stadt prüfen, ob und wie ein Radweg auf der Bochumer Straße möglich ist. Dabei, so hieß es zuletzt, könne ein weiterer Bauabschnitt möglich sein.

Die Grünen fürchten nun, dass die Stadt mit diesem Vorgehen den Radweg frühzeitig beerdigt. Der Querschnitt der Bochumer Straße sei hinlänglich bekannt, deshalb hätte die Verwaltung längst einen Radweg planen können, sagt Fraktionsgeschäftsführer Rolf Ahrens. Seien die Bürger erst einmal vor vollendete Tatsachen gestellt, sprich: sei der vierspurige Umbau abgeschlossen, sei es nur schwer möglich, noch einen Radweg zu realisieren – wenn überhaupt. Einmal mehr wirbt Ahrens deshalb für eine zweispurige Bochumer Straße plus Radweg auf beiden Seiten.

Das tun auch Ingo Heidinger, Anwohner und Ratsherr der Alternativen Liste, sowie Bürger Günter Leistner, Mitglied im ADFC. Heidinger erinnert daran, dass ein Gutachter aufgezeigt hat, dass die zweispurige Variante für das Verkehrsaufkommen ausreicht. Er fürchtet, dass die Straße nach dem Umbau zur Rennstrecke wird, dass nicht nur 70/80 gefahren, sondern nach dem Abschied von Gleisen und Kopfsteinpflaster künftig auch „noch flotter überholt“ werde.

Brief an SPD Fraktionschef

Günter Leistner macht sich seit langem für einen Radweg stark. Der Bürger sieht die Situation nach der Einrichtung der Baustelle als Beleg dafür, dass die kleine Lösung ausreicht. „Seit einer Woche läuft der Autoverkehr auf der Bochumer Straße einspurig in beide Richtungen flüssig und ohne jeden Stau“, schreibt er in einem Brief an SPD-Fraktionschef Frank Dudda.

Diese „eindeutige Situation“, fordert Leistner den SPD-Fraktionsvorsitzenden zum Umdenken auf, biete jetzt „eine gute Chance, Kosten zu sparen“. Und zwar so: nach dem Ausbau von Gleisen und Kopfsteinpflaster weniger Asphalt auftragen, nämlich nur so viel, wie nötig ist, um eine Fahrspur und einen Radweg in jede Richtung zu realisieren.