Kreativquartier in der Wanner City wartet auf Investitionen

Das ehemalige Karstadt-Haus auf der Hauptstraße 272-274 in  Wanne-Eickel.
Das ehemalige Karstadt-Haus auf der Hauptstraße 272-274 in Wanne-Eickel.
Foto: WAZ FotoPool

Herne.  Neben dem Herner Musikproduzenten Sebastian Maier ist erst ein weiterer junger Künstler in die Hauptstraße 272-274 eingezogen, wo in den oberen Etagen 2000 Quadratmeter auf ihre Wiederbelebung warten. Der Hausbesitzer, eine internationale Immobiliengesellschaft mit Sitz in Berlin, hat bisher nichts investiert, was eine weitere Nutzung blockiert. Anfangs hatte es acht Interessenten gegeben, die sich ob der Verzögerung zum Teil anderweitig orientiert haben. Ein Wasserschaden hat in letzter Zeit dem Gebäude zusätzlich zugesetzt, Rattenfallen im Hausflur deuten auf unerwünschte Mitbewohner hin.

„Versprechen nicht erfüllt“

„Der Eigentümer hat seine Versprechungen nicht erfüllt“, teilte am Donnerstag Kulturdezernentin Gudrun Thierhoff dem Kulturausschuss mit. Deshalb hätten jetzt unabhängig voneinander Oberbürgermeister Horst Schiereck und Joachim Grollmann als Geschäftsführer der Herner Wirtschaftsförderungsgesellschaft (WFG) die AFI Germany GmbH angeschrieben. Diese hatte vor einem Jahr durch ihren Immobilienverwalter Kissel eine Unterstützung des KHauses ankündigen lassen. Bis Anfang Dezember soll sich die Immobiliengesellschaft nun äußern. Ein Gespräch mit einer AFI-Verantwortlichen am Rande der Münchner Immobilienmesse Expo Real Anfang Oktober war folgenlos geblieben.

Die Stadt Herne wie die WFG dringen auf eine Stellungnahme. „Wir benötigen eine klare Aussage, ob der Eigentümer bereit ist, in das Haus zu investieren. Wenn dies nicht der Fall sein sollte, werden wir uns um eine Alternativimmobilie für das KHaus bemühen“, sagt Evelyn Stober als Sprecherin der WFG. Neben der Instandsetzung vor allem der Sanitäranlagen geht es auch um ein noch nicht vorgelegtes Brandschutzkonzept.

Die Herner Kulturverwaltung wolle den Standort nicht einfach aufgeben, sagt Klaus-Peter Gülck als stellvertretender Leiter des Fachbereichs, zumal für die Entwicklung des Kreativquartiers weitere Fördermittel aus zwei „Töpfen“ des Landes in Aussicht gestellt worden seien. Bedingung sei aber, dass die Eigentümerin sich klar positioniere. Sollte das nicht geschehen, werde die Idee KHaus aber auf jeden Fall weiterverfolgt. Lockere Überlegungen zu anderen in Frage kommenden Objekten gebe es schon. Oder wie Gülck es ausdrückt: „Es geht nicht um die Hülle.“

„Wenn die Hauseigentümer nicht mitziehen, heißt das nicht, dass das Konzept gestorben ist“, sagt auch Zekai Fenerci, von dem die Initiative zur Gründung des KHauses ausgegangen ist. Der künstlerische Leiter des Vereins Pottporus (Tanz.Bild. Klang) spricht von „Verpflichtungen, die egal welcher Vermieter eingehen muss“. Und das längerfristig, wenn öffentliche Mittel fließen sollen. „Das funktioniert nur, wenn alle sagen, wir wollen den Weg gemeinsam gehen.“ Für ihn bleibt Wanne-Eickel der beste Ort für ein Kreativquartier, das aber auch andernorts realisiert werden könnte.

Als erster Mieter hat Sebastian Maier inzwischen schon zwei namhafte Düsseldorfer Experimental-Musiker wieder abziehen sehen. Sie hatten sich probeweise für einen Monat eingemietet, verließen aber das Haus, weil das „Ambiente nicht passend“ gewesen sei. Was Sebastian Maier bedauert: „Die waren gut etabliert in der Szene, das hätte ein Leuchtturm sein können.“

 
 

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