Kooperation soll Basis für Spitzenforschung in Herne legen

Freuen sich über einen erfolgreichen Start: Prof. Thomas Happe (Ruhr-Universität), Projektleiterin Dr. Christina Marx sowie WfG-Chef Joachim Grollmann
Freuen sich über einen erfolgreichen Start: Prof. Thomas Happe (Ruhr-Universität), Projektleiterin Dr. Christina Marx sowie WfG-Chef Joachim Grollmann
Foto: FUNKE Foto Services
Mit einer Kooperation der Ruhr-Uni Bochum und der Wirtschaftsförderung soll die Basis gelegt werden, um Spitzenforschung in Herne zu etablieren.

Herne..  Herne ist bislang nicht als Forschungsstandort in Erscheinung getreten. Doch dies könnte sich in Zukunft ändern. Professor Thomas Happe von der Ruhr-Universität Bochum, weltweit anerkannter Wissenschaftler im Bereich der Algenforschung, möchte mittelfristig ein forschungsbezogenes wissenschaftliches Zentrum in der Stadt aufbauen. In einer Kooperation mit der Wirtschaftsförderungsgesellschaft (WfG) sollen entsprechende Grundlagen dafür geschaffen werden. Start des Projekts mit dem Namen „SolarBioproducts Ruhr“ war am 1. Juli. Projektleiterin Dr. Christina Marx, Professor Thomas Happe und WfG-Chef Dr. Joachim Grollmann erläutern im Gespräch mit WAZ-Redakteur Tobias Bolsmann die Forschungsansätze und die Ziele des Projekts.

Jeder Mensch kennt Algen. Worauf richten Sie Ihr Augenmerk?

Happe: Richtig, Algen kennt man vom Gartenteich oder vom Strand. In unserem Team beschäftigen wir uns mit mikroskopisch kleinen, einzelligen Algen.

Was macht diese Algen so interessant?

Happe: Algen können zum Beispiel Wasserstoff produzieren, das könnte eine Grundlage sein, um vielleicht Brennstoffzellen für Smartphones zu entwickeln. Aber Algen produzieren auch viele Stoffe, die für verschiedene medizinische und chemische Anwendungen interessant sein könnten, vielleicht für die Entwicklung von Impfstoffen. Besonders Feinchemikalien werden heutzutage hauptsächlich auf der Basis von fossilen Rohstoffen hergestellt. Wir wollen verschiedene alternative Ansätze erarbeiten und erforschen dazu die entsprechend notwendigen Grundlagen. Man kann sich das wie einen Legobaukasten vorstellen. Wir untersuchen, welche Steine man benötigt, um den Eiffelturm zu bauen. In wissenschaftlicher Hinsicht sind wir sicherlich weltweit mit an der Spitze.

Was macht die Kooperation für Herne so reizvoll?

Grollmann: Herne ist in Hinsicht auf wissenschaftliche Institute noch ein weißer Fleck. Ziel ist es, Herne in Sachen Forschung zu platzieren. Die ersten Bausteine gibt es inzwischen mit der Talentakademie und der privaten Fachhochschule des Mittelstands in Bielefeld, die mit dem Mulvany-Berufskolleg kooperiert. Die WfG finanziert „SolarBioproducts Ruhr“ über einen Zeitraum von drei Jahren. Mittelfristiges Ziel ist es, ein Institut aufzubauen, das mit seinem Alleinstellungsmerkmal dazu beitragen kann, das Image Hernes zu verbessern.

Das ist noch Zukunftsmusik. Doch wie sehen die ersten Schritte aus?

Marx: Zunächst gilt es, ein Konzept zu entwerfen, was in dem Institut erforscht und weiterentwickelt werden soll. Außerdem wollen wir ein Netzwerk aus Unternehmen aufbauen, denn es soll ja nicht nur geforscht werden, die Ergebnisse sollen auch in konkrete Anwendungen umgesetzt werden. Deshalb stellt sich auch die Frage: Welche Themen könnten für die regionalen Firmen interessant sein. Außerdem recherchiere ich Themen, die im Institut an der Ruhr-Uni erforscht werden können, um so weitere Grundlagen zu schaffen.

Und wie läuft die Startphase?

Marx: Überraschend gut. Wir können sogar schon den ersten Erfolg vorweisen. Bei einer Messe hat sich ein Kontakt zu einem deutschen Unternehmen ergeben und nach weiteren Gesprächen haben wir nun eine Absichtserklärung für weitere Forschungsprojekte vereinbart. Darüber hinaus hatten wir auch schon Forscher aus Japan im Projektbüro in Herne zu Gast. Dabei ging es um die Frage, welche Forschungsprojekte man zusammen entwickeln kann.

Wie sieht der Fahrplan für die Zukunft aus?

Grollmann: In den kommenden drei Jahren sollen zunächst die Grundlagen geschaffen werden. Dazu gehört auch ein Finanzierungskonzept. Selbstverständlich werden wir auch auf der politischen Ebene Gespräche für die notwendige Unterstützung führen. Nicht nur auf lokaler Ebene, auch in Düsseldorf, Berlin und sogar in Brüssel. Nur wenn wir das entsprechende Interesse von Unternehmen vorweisen können, können wir den Bau des Instituts begründen. Dieser Bau wäre die nächste Phase.

...aber am Ende werden wir in Herne womöglich eine Art Technopark haben mit Firmen, die sich um das Institut scharen?

Happe: Wenn das wissenschaftliche Forschungszentrum als Keimzelle sichtbar wird, kann ich mir vorstellen, dass es Firmengründungen um das Institut herum geben könnte. Aber das wird dauern. Klar ist, dass wir bei der Umsetzung Durchhaltevermögen brauchen.

 
 

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