Klimaschutzsiedlung in Herne muss neu geplant werden

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Rot und Grün in Herne haben die geplante Klimaschutzsiedlung im Stadtteil Sodingen mit ihrem Deal beim Haushalt gekippt. Nun soll das Bauprojekt in Herne-Süd realisiert werden. Die bisherigen Planungskosten nur für Sodingen liegen in fünfstelliger Höhe.

Herne. Nachdem sich die Grünen ihr Ja zum Haushalt 2014 bei der SPD „erkauft“ haben, müssen nun zwei wichtige Projekte umgeplant beziehungsweise korrigiert werden: die Klimaschutzsiedlung und der Radweg Bochumer Straße.

Schon gut auf dem Weg war die Klimaschutzsiedlung in Sodingen. Auf einer Fläche von 14 000 Quadratmetern sollten westlich der Straße An der Linde auf einem Teil der landwirtschaftlich genutzten Fläche 36 Wohneinheiten – ein Mix aus Eigenheimen und Mehrfamilienhäusern – etwa mit Flachdächern und Photovoltaikanlagen entstehen. Architekten hatten erste Pläne ausgearbeitet, die Öffentlichkeit wurde beteiligt. Achim Wixforth, Chef im Stadtplanungsamt, warb für den Bau der Siedlung: „Das wäre ein Vorzeigeprojekt für Herne.“

Daraus wird nichts. Die Klimaschutzsiedlung, so der Deal zwischen Grün und Rot, kommt nicht. Zumindest nicht in Sodingen: Sie soll nun auf dem Areal des ehemaligen Bauhofs an der Wiescherstraße errichtet werden. Die Planungen allein für Sodingen hätten bislang einen fünfstelligen Betrag gekostet, schätzt Wixforth auf Anfrage der WAZ. Auch die Pläne für die Wiescherstraße – dort sollte ein „normales“ Baugebiet entstehen – müssten nun „überarbeitet“ werden.

SPD-Fraktionschef Frank Dudda kann mit einer neuen Planung gut leben. Eine Klimaschutzsiedlung komme ja in jedem Fall, sagt er, nur eben nicht in Sodingen. Er spricht vom „Landschaftsschutz vor Finanz-Interessen der Stadt“.

Über den Landschaftsschutz freuen sich die Grünen, die ihn durchgesetzt haben. An der Castroper Straße, am anderen Ende des Ackers, soll ebenfalls ein Baugebiet entstehen, angedacht sind laut Stadt bis zu 25 Wohneinheiten. Da sei es wichtig, dass die übrige Fläche frei bleibe, auch als Luftschneise, sagt Fraktionschefin Dorothea Schulte. Dagegen sei eine Klimaschutzsiedlung an der Wiescherstraße sinnvoll. „Sie würde Stabilität für Herne-Süd bedeuten“, begründet sie.

Keine „Klimalastsiedlung“

„Bravo“, wirklich eine ,grüne’ Entscheidung“, sagt auch Hiltrud Buddemeier, Chefin des BUND in Herne. Für Klimaschützer und Naturfreunde wäre eine „Klimalastsiedlung“ An der Linde „völlig unvorstellbar und absurd“. Sie hätte Boden versiegelt und Luftbewegungen negativ beeinflusst. Wenig amüsiert zeigt sich CDU-Fraktionschef Markus Schlüter. Es sei nicht irgendein Projekt, das nun begraben werden solle, sondern immerhin eines, das Düsseldorf zum Katalog der „100 Klimaschutzsiedlungen in NRW“ hinzugefügt habe. „Das kann man nicht einfach mal wegwischen“, meint Schlüter.

Möglicherweise, sagt Achim Wixforth, der Chef im Stadtplanungsamt, müssten nun auch die Pläne für das Ackerland An der Linde überarbeitet werden. Dort soll – auch als Ausgleich für ehemals zwei Baugebiete – ein Park entstehen.

Korrektur beim Radweg

Gegen die Stimmen der Grünen hatten SPD, CDU und FDP vor einem dreiviertel Jahr den Weg freigemacht für den vierspurigen so genannten Zwischenausbau. Zwischenausbau heißt: Erst, wenn die vierspurige Straße komplett überarbeitet ist, will die Stadt prüfen, ob und wie ein Radweg auf der Bochumer Straße möglich ist. Dabei, so hieß es zuletzt, könne ein weiterer Bauabschnitt möglich sein. Zurzeit sind die Asphaltarbeiten beendet, sobald es das Wetter zulässt, sollen nun mit gelb provisorisch Fahrbahnen und ein Radweg aufgemalt werden.

Und nach dem Zwischenausbau? Rot und Grün haben sich nun geeinigt, dass auch dann ein Radweg kommt. Dieser, sagt Fraktionschefin Dorothea Schulte, solle von der Straße abtrassiert werden. Ob anschließend auch noch Platz ist für jeweils zwei Spuren in beide Fahrtrichtungen? Schulte glaubt nicht: „Ich gehe davon aus, dass dann nur noch eine Einspurigkeit möglich ist.“ Also muss dann ein neuer politischer Beschluss her?

SPD-Fraktionschef Frank Dudda plädiert für eine „Testphase“. Und die sieht so aus: Mit Hilfe der Gelb-Markierung werde zunächst ein „Radfahrangebotsstreifen“ aufgemalt. Pkw – laut Stadt zunächst einspurig in jede Richtung unterwegs – dürften aber über den Bereich drüber fahren, wenn kein Radfahrer unterwegs sei. Nach einigen Wochen sollten die Beteiligten ein Resümee ziehen.

 
 

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