Kita Löwenzahn organisierte eine Aktionswoche zur Inklusion

Fabio, Josy, Lina, Ami und Charlotte (v.l.) hatten gestern viel Spaß beim Maifest in der  Lebenshilfe-Kita Löwenzahn. Die hatte eine ganze Aktionswoche zum Thema Inklusion organisiert.
Fabio, Josy, Lina, Ami und Charlotte (v.l.) hatten gestern viel Spaß beim Maifest in der Lebenshilfe-Kita Löwenzahn. Die hatte eine ganze Aktionswoche zum Thema Inklusion organisiert.
Foto: FUNKE Foto Services
Die Kita Löwenzahn organisierte eine Aktionswoche zur Inklusion. Bei der Lebenshilfe registriert man sinkende Anmeldezahlen von Kindern mit Handicap.

Herne..  „Es ist normal verschieden zu sein.“ Dieser Satz gilt in der Kindertagesstätte Löwenzahn 365 Tage im Jahr. Normal, nicht sehen oder nicht gut laufen zu können. Normal, nicht so weit zu sein in der Entwicklung wie Gleichaltrige oder aus einem Elternhaus zu kommen, das wenig zu einem glücklichen Aufwachsen beizutragen hat. Trotzdem hat die Lebenshilfe-Kita an der Grabenstraße den Satz als Motto für eine „Inklusionswoche“ gewählt, die am Freitag mit einem Fest zu Ende gegangen ist.

Rund um den 5. Mai ist in Holsterhausen in diesem Jahr einiges passiert. Der „Europäischen Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung“ sei in der Kita jahrelang zu kurz gekommen, sagt Leiterin Lisa Kraudszun. Warum also nicht das Maifest einbetten in eine ganze Aktionswoche? Und so malten die Kinder mit Händen und Füßen, Eltern lernten eine wortlose Sprache kennen, und beim Sponsorenlauf am Dienstag schafften alle Kinder ihre Runden - auch Helena mit ihrem Gehtrainer.

Heilpädagoginnen in allen Gruppen

Darüber freut sich besonders Angela W., denn ihre fünfjährige Tochter hat eine Muskelschwäche, die sie am selbstständigen Gehen hindert. Dass Helena, die auch nicht spricht, von den anderen Kindern akzeptiert wird, ist für die Mutter eine große Erleichterung. Schon mit zwei Jahren kam das Mädchen in die Einrichtung, als eines der ersten U3-Kinder mit Behinderung. „Was sie hier gelernt hat, hätte ich ihr zu Hause nicht beibringen können“, sagt Angela W.. Helena lernte schnell sitzen und aß auf einmal alleine. „Nach einem halben Jahr wusste ich, das war die richtige Entscheidung.“

Auch in einem „normalen“ Kindergarten hätte sie Helena unterbringen können. „Aber da wäre sie das einzige Kind mit einer Einschränkung gewesen“, weiß die Mutter. Motopädin und Heilpädagogin hätten stundenweise angefordert werden müssen. Das wollte sie nicht. In der Kita „Löwenzahn“, die zudem noch ganz in der Nähe lag, ist man auf Kinder mit Behinderungen eingestellt. „Als Lebenshilfe-Kita haben wir eine Heilpädagogin in allen integrativen Gruppen“, erklärt Lisa Kraudszun. Von 26 pädagogischen Mitarbeiterinnen haben sechs eine heilpädagogische oder motopädische Ausbildung. Dank dieser Kolleginnen wird in der Kita z.B. auch die „Unterstützte Kommunikation“ erprobt. Über eine Zeichensprache und Bildkarten, aber auch mit Hilfe elektronischer Geräte lernen Kinder, die nicht sprechen, sich auszudrücken.

Was die Leiterin bedauert: Die „besondere Fachkenntnis“ der fünf Herner Lebenshilfe-Kitas werde weniger wahrgenommen als früher: Die Anmeldezahlen von Kindern mit Handicaps sinken, seit viele Kindergärten Kinder mit Behinderungen aufnehmen.

Angela W. wird die Betreuung in der Lebenshilfe-Kita und den selbstverständlichen Umgang der Kinder miteinander vermissen. Helena geht demnächst auf die Schule am Schwalbenweg, die nur Kinder mit Förderbedarf aufnimmt. In einer Grundschule sieht sie Helena nicht. Dort seien Kind wie Lehrer überfordert. „Ich glaube, die Inklusion ist noch nicht ausgegoren.“

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