Keine Angst vor der grünen Wiese

Jens Reiter und seine Schwester Nehle Reiter Gies haben ein Modegeschäft in der Fußgängerzone eröffnet.                                Foto: Thomas Schild / WAZ FotoPool
Jens Reiter und seine Schwester Nehle Reiter Gies haben ein Modegeschäft in der Fußgängerzone eröffnet. Foto: Thomas Schild / WAZ FotoPool
Foto: WAZ FotoPool
Jens Reiter (41) will nicht auf die grüne Wiese. Warum er sein Modegeschäft in der vermeintlich kriselnden Herner Innenstadt eröffnet hat, erklärt er im WAZ-Interview.

Herne. Er ist ziemlich neu in Herne: Anfang September eröffnete Jens Reiter zusammen mit seiner Schwester Nehle Reiter Gies (37) auf der Herner Bahnhofstraße das Modegeschäft „reiter fashion“. Der 41-Jährige führt ein weiteres Geschäft in Castrop-Rauxel. Doch warum geht ein Unternehmer angesichts der starken Konkurrenz allerorten solch ein Risiko ein? Ist Herne ein guter Standort? Mit Reiter sprach WAZ-Mitarbeiter Klas Libuda.

Herr Reiter, warum Herne?

Reiter: Das ist sehr interessant, jeder Herner stellt mir diese Frage. Ich glaube, als Außenstehender hat man einen ganzen anderen Blick auf die Stadt. Ich sehe die Innenstadt positiver als viele Herner.

Was gefällt Ihnen?

Zum einen ist die Einkaufsstraße in den letzten Jahren viel schöner geworden, zum anderen gibt es nichts, was fehlt.

Nichts?

Vielleicht haben wir da doch noch eine Lücke geschlossen, unser Markenangebot gab es nicht. Würde es in Herne schon zehn Läden dieser Art geben, hätten wir bestimmt keinen elften aufgemacht.

Was verkaufen Sie? Jugendmode?

Das sehen viele so, ich würde das so nicht sagen. Bei uns kaufen Jüngere und Ältere. Jugendliche kaufen eher sportiv, T-Shirts oder enge Tops, Ältere klassisch sportiv. Sie greifen zum Hemd oder zur raffinierten Bluse. Es kommt ja auch weniger auf das Alter an, sondern darauf, was zu dem Typ passt.

Das kriegen Sie doch aber auch in den Einkaufszentren, die in der Nachbarschaft überall aus dem Boden schießen . . .

. . .von denen ich immer noch kein Fan bin. Die Innenstädte sind mit der Zeit gewachsen, diese Center sehen doch alle gleich aus. Und meistens ist es auch einfach zu stressig. Die Kunden freuen sich dann, bei uns guten und schnellen Service zu bekommen.

Und der wird auch angenommen?

Dafür, dass wir erst so kurze Zeit hier sind, bin ich positiv überrascht. Am Anfang gab es eine gewisse Hemmnis, den Laden zu betreten, aber das hat sich gelegt.

Aber machen Einkaufszentren und Modeketten einem inhabergeführten Geschäft wie Ihrem keine Schwierigkeiten?

Nein, viele Kunden wollen genau dieses Persönliche, zum Beispiel auch, dass man persönlich im Laden ist. Ich selbst stehe auch lieber auf der Fläche. . .

Sie meinen den Verkaufsraum. . .

Den Bürokram erledige ich nach Feierabend oder am Wochenende.

Und der Online-Handel, auch keine Gefahr?

Natürlich nimmt der uns auch was weg, aber das würden andere Mitbewerber auch. Online fehlt aber auch wieder das Emotionale, auch Kleidung anzuprobieren und zu tragen.

Zurück zur Innenstadt: In vielen Städten stehen gerade die verkaufsoffenen Sonntage zur Diskussion. Ein Problem für Sie?

Als Unternehmer fühle ich mich auch dem Personal gegenüber verantwortlich, außerdem trägt eine Vielzahl von offenen Sonntagen sicher nicht zur Kundenfreundlichkeit bei. Ein, zwei oder drei Sonntage sind in Ordnung, solange es sozial verträglich bleibt. Dieses Rund-um-die-Uhr-Shopping aber finde ich unmöglich, dafür gibt es dann eben den Online-Handel.

 
 

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