Kein Geld für Frauen aus der EU

Ein sicherer Ort für Frauen und Kinder, unabhängig von Kultur, Religion und Herkunft: So versteht sich das Herner Frauenhaus auch 33 Jahren nach seiner Gründung. Doch zwischen Anspruch und Wirklichkeit klafft eine Lücke. „Wir haben vermehrt Anfragen von Frauen aus Ländern der Europäischen Union“, erklärt Frauenhaus-Mitarbeiterin Beate Kaupen. „Das Problem ist: Wir bekommen für sie keine finanzielle Unterstützung.“

Während die Unterkunftskosten für bestimmte Gruppen unproblematisch erstattet werden - nämlich wenn die Frauen Arbeitslosengeld II („Hartz IV“) oder Leistungen nach dem Asylbewerberleistungsgesetz bekommen - fallen Schutzsuchende z.B. aus Rumänien oder Bulgarien durch alle Raster. „Sie sind in der Regel mittellos bis auf Kindergeld“, weiß Beate Kaupen.

Für das Frauenhaus heißt das: Die Mitarbeiterinnen müssen im Einzelfall entscheiden, ob sie es sich „leisten“ können, eine Frau und gegebenenfalls Kinder aufzunehmen, für deren Unterkunft niemand aufkommt. Angesichts der oft „psychisch und materiell desolaten Situation“ eine Entscheidung, die die Mitarbeiterinnen nicht treffen wollen. „Wir finden, dass die Frauen hier richtig sind“, sagt Beate Kaupen für das Team, das aber zugleich die wirtschaftliche Lage des Hauses im Blick behalten muss: „2004 haben wir eine vierstellige Summe nicht ersetzt bekommen.“ Die Frauen kamen aus Rumänien, Polen und Spanien (siehe Zweittext). In solchen Fällen werden die Kosten durch Spenden bestritten. Selten gelingt es, dass eine Bewohnerin einen Job über mindestens 15 Stunden findet, so dass sie aufstockende Hilfe in Anspruch nehmen kann.

Pauschalfinanzierung gefordert

Langfristig könne das keine Lösung sein, sagen die Herner Frauenhaus-Frauen in Übereinstimmung mit Kolleginnen aus anderen Städten. „Wir kämpfen immer noch darum, dass wir pauschal finanziert werden.“ Angestrebt wird ein Landesfinanzierungsgesetz, das eine verlässliche und bedarfsgerechte Finanzierung garantiert.

In die Bredouille kommt das Frauenhaus nämlich nicht nur im Fall von Frauen aus EU-Ländern. Eine Schülerin (20) etwa, die ihren Freund verlassen hatte, der sie schlug, konnte mit ihren 200 Euro Bafög und 180 Euro Kindergeld die 240 Euro Miete im Frauenhaus nicht stemmen. Sie hätte dann nur 140 Euro übrig behalten. Das Frauenhaus verzichtete auch in diesem Fall auf 370 Euro. Die junge Frau zog nach einigen Wochen zu ihrer Mutter. „Viele Frauen gehen dann auch zurück zu ihren Männern“, weiß Beate Kaupen. „Das ist schwer auszuhalten.“

 
 

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