Jürgen Marcus aus Herne sang 1976 beim Eurovision Song Contest für Luxemburg

Der Herner Jürgen Marcus, hier bei einem Auftritt in der Grugahalle in Essen, nahm 1976 am Eurovision Song Contest  teil - für Luxemburg. Foto: Lukas
Der Herner Jürgen Marcus, hier bei einem Auftritt in der Grugahalle in Essen, nahm 1976 am Eurovision Song Contest teil - für Luxemburg. Foto: Lukas
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Am Samstag steigt in Düsseldorf der Eurovision Song Contest. Auch Herne war schon mal bei einem Finale vertreten. Genauer gesagt: der Schlagersänger Jürgen Marcus. 1976 ging er beim Grand Prix in Den Haag für Luxemburg ins Rennen und belegte Rang 14.

Herne.. Seit 1956 gibt es den Eurovision Song Contest. In der 55-jährigen bewegten Geschichte dieses europäischen Musikwettbewerbs hat auch Herne ein (kleines) Kapitel geschrieben. Genauer gesagt: der Herner Sänger Jürgen Marcus.

1975 scheiterte der damals 26-jährige Star in der deutschen Vorausscheidung für den Grand Prix (so die damalige Bezeichnung) an der Kritiker-Jury mit „Ein Lied zieht hinaus in die Welt“. Daraufhin trat der bei Radio Luxemburg beschäftigte Frank Elstner auf den Plan. „Er hat gesagt: Ich will diese Stimme haben. Die ist so gut, die muss zum Grand Prix“, erzählt Jürgen Marcus (63) im WAZ-Gespräch.

Gesagt, getan. 1976 ging der Herner beim Grand Prix in Den Haag für Luxemburg ins Rennen. Mit mäßigem Erfolg: Marcus’ „Chansons pour ceux qui s’aiment“ landete nur auf Rang 14. „Das war eine große Enttäuschung“, bekennt der heute in München lebende Sänger. Und von der deutschen Jury gab es für den „Fremdgänger“ nicht mal einen Trostpunkt. Einen Sieg konnte Jürgen Marcus dann doch noch erringen: Der deutsche Beitrag der Les Humphries Singers („Sing, Sang, Song“) landete direkt hinter ihm auf Platz 15. Den Wettbewerb gewann die britische Band Brotherhood of Men mit „Save Your Kisses For Me“.

Jürgen Marcus’ Erinnerung an den Grand Prix ist allerdings durch ein ganz anderes, sehr negatives Ereignis geprägt worden: „Kurz vor meinem Auftritt hat ein Aufnahmeleiter zu mir gesagt: ,So, du Nazi, du bist jetzt dran.’ “ Da seien ihm 1000 Dinge durch den Kopf gegangen. „Das war in dem Moment so, als wenn mir jemand mit dem Hammer auf den Kopf gehauen hätte. Das musste ich erst einmal wegstecken.“

„Lena ist auch nicht die grandiose Sängerin“

Zurück in die Gegenwart. Ist auch Jürgen Marcus im Song-Contest-Fieber? „Nein, so bekloppt bin ich nicht“, sagt er lachend. Er werde sich die Übertragung aus Düsseldorf aber trotzdem im Fernsehen anschauen, auch aus beruflichem Interesse. Aber: „Das ist für mich nicht mehr als eine Unterhaltungssendung.“

Der Reiz des Eurovision Song Contest sei für ihn früher größer gewesen: „Ich fand es immer faszinierend, wenn die Sänger in ihren Muttersprachen gesungen haben und die Musik einen Bezug zur Landestradition hatte.“ Das gebe es aber kaum noch: „Jetzt ist es mehr ein Pop-Festival.“

Unvermeidliche Frage: Welche Chancen räumt er Lena ein? „Ich finde es verdammt mutig, ein zweites Mal anzutreten. Ich hätte das auf keinen Fall gemacht.“ Es gebe auch keinen Grund für eine Titelverteidigung. „Man hätte einem anderen jungen Künstler eine Chance geben sollen.“ Das diesjährige Verfahren zur Auswahl von Lenas Songs sei zudem sehr langweilig gewesen: „Lena ist auch nicht die grandiose Sängerin. Dagegen hat zum Beispiel die österreichische Sängerin eine unglaublich tolle Stimme.“

 
 

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