Interkultureller Brückenschlag

Am Donnerstag, 20.01.2011, übergibt die Bildungsdezernentin der Stadt Herne, Gudrun Thierhoff, Zertifikate an 11 Frauen, die die Qualifizierung zur interkulturellen Bildungsbotin durchlaufen haben. Foto: Ute Gabriel
Am Donnerstag, 20.01.2011, übergibt die Bildungsdezernentin der Stadt Herne, Gudrun Thierhoff, Zertifikate an 11 Frauen, die die Qualifizierung zur interkulturellen Bildungsbotin durchlaufen haben. Foto: Ute Gabriel
Foto: WAZ FotoPool
Elf Frauen aus der Türkei, Bosnien-Herzegowina, Kasachstan und Marokko geben Bildung an Landsfrauen weiter. Das soll Hürden abbauen.

Herne.. Ab Februar geht es richtig los. Manche Institutionen – die Stadtbibliothek, eine soziale Beratungsstelle, Kindertagesstätten – warten schon. Sie sind an der Zusammenarbeit mit den interkulturellen Bildungsbotinnen interessiert.

Elf Frauen aus Herne und Wanne-Eickel haben im letzten Jahr den Sprung ins kalte Wasser gewagt. Sie haben sich im Rahmen von „Lernen vor Ort“ für das Bildungsnetzwerk der Stadt Herne qualifizieren lassen. Radojka Mühlenkamp und Claudia Mai von der Regionalen Arbeitsstelle zur Förderung von Kindern und Jugendlichen aus Zuwanderungsfamilien (RAA) begleiteten die Bildungsbotinnen. Sie brachten ihnen die Kenntnisse näher, die sie für ihre zukünftige Arbeit benötigen. Nun erhielten die elf Frauen, deren Wurzeln in der Türkei, in Bosnien-Herzegowina, Kasachstan und Marokko liegen, ihre Zertifikate.

Die Idee, die hinter der Qualifizierung steckt, erläutert Bildungsdezernentin Gudrun Thierhoff: „Schlechte Startchancen in der Schullaufbahn und niedrige Abschlüsse lassen sich bei Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund leider häufig beobachten.“ Erfolgreiche Bildungsbiografien seien aber die Grundlage für eine erfolgreiche Integration. Sowohl die Bildungsinstitutionen als auch die Eltern seien gefragt. Verständigungsprobleme und Unkenntnisse über die fremde Bildungsstruktur seien Hindernisse, die es zu überwinden gelte. „Die Bildungsbotinnen können Türen öffnen, eine Schlüsselfunktion einnehmen, Brücken bauen“, so Thierhoff.

Die Frauen verstehen sich als Vermittler in zwei Richtungen. Sowohl Bildungseinrichtungen wie Kindertagesstätten, Schulen oder Bildungsberatungsstellen können die Hilfe der Bildungsbotinnen in Anspruch nehmen. Andersherum ist es ebenso möglich, dass Familien mit Zuwanderungsgeschichte an die Frauen herantreten. Hilfestellungen wollen sie unter anderem bei Elterngesprächen, bei Terminen auf Ämtern und bei Anträgen leisten. Bestens geeignet seien die Frauen laut Thierhoff, „weil sie Verständnis für die Probleme haben, weil sie sich selbst mit dem deutschen Bildungssystem auseinandersetzen mussten, weil sie hier Fuß gefasst haben und nun auch über die nötigen Informationen verfügen.“

Radojka Mühlenkamp von der RAA ist stolz auf die ersten Bildungsbotinnen der Stadt. „Die Frauen haben eine Menge Disziplin, Ausdauer und Kraft bewiesen“, lobt sie. „Salopp gesagt: Dies war eine super Truppe.“

Wenn für die erste Gruppe die Praxis startet, beginnt für die nächsten Bildungsboten in spe die Theorie. Ende 2011 wird die Qualifizierungsphase abgeschlossen sein. 2012 stehen damit etwa 20 Bildungsboten zur Verfügung. Besonders freut sich Mühlenkamp, dass sie zwei Frauen mit tamilischen Wurzeln gewinnen konnte. „Bisher haben wir leider kaum Kontakt in diese kulturelle Gruppe“, bedauert sie. Erstmalig wird außerdem ein Mann dabei sein. „Wir haben ihn vorgewarnt ob der geballten Frauenkraft, aber er ließ sich von nichts abschrecken“, scherzt Mühlenkamp.

Das Projekt ist auf drei Jahre angelegt. 60 000 Euro stehen zur Verfügung. Bis Ende 2012 können Bildungseinrichtungen die Hilfe der Bildungsboten kostenlos in Anspruch nehmen. Thierhoff: „Wenn sich das Projekt bewährt, werden wir schauen, dass wir das Angebot auch im Anschluss an die Projektlaufzeit aufrechterhalten können.“

 
 

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