In Crange wächst in den nächsten Tagen die Roncalli-Stadt

Gabriele Heimeier
Gestern Mittag waren die Zeltplanen noch dicke Bündel, am Abend sollte das Zelt bereits stehen.
Gestern Mittag waren die Zeltplanen noch dicke Bündel, am Abend sollte das Zelt bereits stehen.
Foto: Ralph Bodemer
Auf dem Cranger Kirmesplatz wächst die kleine Roncalli-Stadt. 50 Männer bauen das große Zelt für das einzige Gastspiel des Circus’ im Ruhrgebiet auf.

Herne.  Der Presslufthammer, mit dem die 1,50 Meter langen, stählernen Ankernägel für das Zelt in den Boden getrieben werden, ist von weitem zu hören; die Lichterketten leuchten schon mal zur Probe und zwischen den vier Hauptmasten schwebt in Mannshöhe die Haube der Zirkuskuppel: Auf dem Cranger Kirmesplatz, neben dem Schwing-Gelände, haben die Aufbauarbeiten für den Circus Roncalli begonnen, der vom 19. bis zum 29. März erstmals in Herne gastiert.

„Wir sind am Sonntag schon angefangen“, erzählt Tourneeleiter Harald Ortlepp. „Vom Wetter her hätten wir uns nach der Winterpause keinen besseren Saisonauftakt wünschen können.“ Auch wenn gestern Mittag noch viel Fantasie dazugehörte, sich die fertige kleine Roncalli-Stadt vorzustellen: Bis zum Abend sollte bereits das 1499 Besucher fassende Zelt stehen. Zu dicken Bündeln geschnürt liegen die Planen bereits an Ort und Stelle - selbst die kleineren sind so schwer, dass drei kräftige Männer ordentlich daran zu schleppen haben.

Jeder Handgriff muss sitzen

Den Zeitplan etwas durcheinander gebracht hatte die Infrastruktur des Platzes. „Wir wollten den Haupteingang eigentlich direkt zur Kreuzung Heerstraße/Rathausstraße ausrichten“, sagt Pressesprecherin Meike Schütte. „Das ließ sich aber wegen der vielen Versorgungsleitungen im Boden nicht machen.“ Jetzt liegt der Haupteingang gegenüber von VW Tiemann.

50 Leute sind auf dem Gelände zurzeit mit dem Aufbau beschäftigt. „Wir arbeiten immer mit den selben Kräften zusammen“, sagt Harald Ortlepp. „Hier muss jeder Handgriff sitzen, die Männer sind aufeinander eingespielt.“ 16 Mann werden allein gebraucht, um von allen Seiten zugleich die schwere Zeltkuppel nach oben zu hieven.

Alles, was später im und außen am Zelt oben schwebt, ob Scheinwerfer, Lautsprecher, die notwendigen Kabelbäume oder auch draußen die zwölf Lichterketten mit den echten Glühlampen und das beleuchtete Roncalli-Schild, müssen als erstes in Position gebracht werden. „Da geht später keiner mehr dran“, lacht Meike Schütte. Wenn oben in der Kuppel zum Beispiel Scheinwerfer anders ausgerichtet werden müssten, würden die Trapezkünstler schon mal gebeten, ob sie das vielleicht übernehmen: „Da oben zu arbeiten, ist nicht jedermanns Sache.“

In den nächsten Tagen werden nach und nach auch die Artisten, Jongleure, Musiker und Clowns eintreffen, eine Gruppe aus Ungarn, das Trio Csàszàr, ist bereits angekommen. International besetzt ist auch die Aufbautruppe, die Männer kommen aus Deutschland und Polen, eine auf den Zeltaufbau spezialisierte Gruppe aus Rumänien, der langjährige Platzchef und sein Nachfolger sind Italiener. „Multikulti, das hat beim Zirkus immer schon funktioniert“, sagt Harald Ortlepp. „Hier fragt keiner: ,Wo kommst du her?’, sondern: ,Was machst du und was kannst du?’“