Improvisiertes Konzert mit wechselnden Dirigenten

Das Wuppertaler Improvisationsorchester  in der Künstlerzeche Unser Fritz.
Das Wuppertaler Improvisationsorchester in der Künstlerzeche Unser Fritz.
Foto: WAZ FotoPool
Das Wuppertaler Improvisationsorchester spielte beim „Salon Fritz“ in der Maschinenhalle der Künstlerzeche Stücke eigener Art.

Wanne-Eickel..  Rund 20 Musiker aus dem Pool des Improvisationsorchesters NRW fanden sich am Donnerstagabend auf der Bühne der Fördermaschinenhalle in der Künstlerzeche Unser-Fritz ein, um sich selbst zu dirigieren. Es sind professionelle Musiker aus den Bereichen Klassik, Jazz und freie Improvisation. Sie musizieren nach dem Konzept des Improvisationsorchesters, das sich in den letzten 25 Jahren in London entwickelt hat: Einen festen Dirigenten gibt es nicht, wenn einer der Musiker die Regie übernehmen will, stellt er sich vor das Orchester und zeigt mit Handzeichen an, welche Instrumente und wie laut oder schnell sie spielen sollen.

Abstrakte Malerei zur Musik

Los geht es mit einer Kakophonie. Geigen, Celli, Percussions, Kontrabass, Sänger, Trompete, Tuba, Saxophon, Gitarren; sie alle jaulen, brüllen und krächzen wild durcheinander. Doch dann breitet der Dirigent des Stücks die Arme aus und führt sie langsam zusammen, dabei verstummen alle Instrumente außerhalb des Bogens, den er mit seinen Händen spannt, bis nur noch der Percussionist spielt. Mit einem Fingerzeig werden nacheinander Gitarre, Trompete, Celli und Geige angewiesen, sich leise anzuschließen.

Neues Stück, neuer Dirigent: Eine Sängerin wird mit einem Zeichen aktiviert, sie schreit gepresst und rasselnd, ruft dann laut, die restlichen vier Sänger steigen mit Schmatzlauten und Winseln ein.

Je höher der jeweilige Dirigent die Arme hebt, desto lauter wird das Getöse auf der Bühne. Dabei machen die Musiker, was ihnen gerade in den Sinn kommt: Hier ein schrilles Lachen vom Chor, dort zieht eine Cellistin den Bogen über den Dorn statt über die Saiten ihres Instruments.

So willkürlich und zufällig wie die musikalischen Strukturen entwickelt sich im zweiten Teil auch die Malerei der belgischen Performance-Künstlerin Sigrid Tanghe. Sie setzt die Töne mit Pigmenten, Wasser und Aquarellfarbe auf einem Blatt Papier um. Mit Hilfe einer Kamera wird der Schaffensprozess, beleuchtet auf einem Stativ mit vier Lampen, auf die Leinwand über dem Orchester projiziert. Abstrakte Formen wachsen mit der Musik oder werden mit einer Wasser-Spritzflasche in kleinen Bächlein fortgespült.

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