Immer weniger Wohngeldempfänger in Herne

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Die vereinfachte Überprüfung von Missbrauch und die Streichungdes Heizkostenzuschusses lassen Zahl um ein Drittel sinken.

Herne..  Die Zahl der Empfänger von Wohngeld ist in Herne und darüber hinaus auch in ganz NRW rapide zurückgegangen. Bezogen vor fünf Jahren noch 2294 Haushalte Wohngeld, waren es im vergangenen Jahr nur noch 1476, also rund ein Drittel weniger. Allein von 2013 auf 2014 sank die Zahl der Bezieher um 14,9 Prozent. Sie lag damit leicht über dem Landesdurchschnitt. Stadtverwaltung und Mieterverein führen den Trend auf eine Gesetzesänderung und mehr Maßnahmen gegen Missbrauch zurück.

„Die verringerten Zahlen der Wohngeldhaushalte lassen sich u.a. auf eine Gesetzesänderung im Wohngeldrecht zurückführen. Ab dem 1. Januar 2011 schaffte der Bund die Heizkostenkomponente wieder ab. Sie war 2010 wegen der enorm gestiegenen Energiekosten zunächst aufgenommen worden“, erläutert Stadtpressesprecher Horst Martens.

Darüber hinaus habe das im Wohngeldrecht verankerte Recht auf Abgleich von Daten zur Verhinderung missbräuchlicher Inanspruchnahme von Wohngeld dazu geführt, dass sich die Zahl der Wohngeldhaushalte verringert habe. Die Daten seien beispielsweise mit dem Einwohnermeldeamt, der Minijobzentrale und den Rententrägern abgeglichen worden. Auch Tanja Falke, Beraterin beim Herner Mieterverein, führt die rückläufige Zahl der Wohngeldempfänger auf bessere Kontrollmechanismen zurück: „Früher fanden doch gar keine effektiven Überprüfungen der Wohngeldanträge statt, jetzt ist das durch die Vernetzung verschiedener Behörden via Internet viel leichter geworden“, sagt die Juristin.

„Hinzu kommen die Haushalte, die Ihren Lebensunterhalt trotz Wohngeld nicht mehr sicherstellen können und deswegen auf das Arbeitslosengeld II angewiesen sind“, fügt Martens hinzu. Eine Anpassung der Mietober- und Einkommensgrenzen habe der Bund zuletzt 2009 durchgeführt. Seit dem seien die Wohnkosten erheblich gestiegen. Auch in der Arbeitslandschaft habe sich viel verändert, zunehmend mehr Personen mit nicht bedarfsdeckendem Einkommen hätten Anspruch auf aufstockende Sozialhilfe für die Kosten der Unterkunft, so Martens. Somit fallen sie entsprechend aus der Gruppe der Wohngeldempfänger heraus.

Ab 2016 seien allerdings wieder Änderungen im Wohngeldrecht zu erwarten. „Sollten die geplanten Änderungen tatsächlich wirksam werden, hätte dies positive Folgen für eine Vielzahl von Familien und Rentnern“, bewertet Martens die Gesetzesnovelle.

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