IG Metall-Chefin: Kein Grund zum Jubel beim Blick auf Herne

Für den Betonpumpenbauer Schwing wird 2015 nach Ansicht von Eva Kerkemeier das entscheidende Jahr.
Für den Betonpumpenbauer Schwing wird 2015 nach Ansicht von Eva Kerkemeier das entscheidende Jahr.
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Beim Blick auf Herne kommt bei IG Metall-Chefin Eva Kerkemeier kein großer Jubel auf. Beim Neujahrsempfang stimmte sich auch auf die Tarifrunde ein.

Herne..  Neujahrsempfänge werden in aller Regel dazu genutzt, um sich für das anstehende Jahr „alles Gute“ zu wünschen. Auch bei der IG Metall. Diese Wünsche kann das eine oder andere Herner Unternehmen in der Metallbranche offenbar auch gebrauchen. Beim Blick auf Herne komme bei ihr „kein großer Jubel“ auf, sagte IG-Metall-Chefin Eva-Maria Kerkemeier.

Damit war in erster Linie der Betonpumpenhersteller Schwing genannt. Nach dem Geschäftsführerwechsel und weiterem Stellenabbau im vergangenen Jahr werde 2015 das entscheidende Jahr für das Unternehmen, so Kerkemeier. Sie gibt sich verhalten optimistisch. „Schwing ist noch nicht über den Berg, aber auf einem guten Weg.“ Sie geht davon aus, dass die vielen guten Maßnahmen und Ideen dazu beitragen, dass in Zukunft wieder schwarze Zahlen in der Bilanz stehen.

Als zweites Sorgenkind sieht Kerkemeier die Sinterwerke (ehemals BTMT). Zwar sei mit der neuen Geschäftsführung viel Bewegung ins Unternehmen gekommen, doch die Sinterwerke würden es nicht einfach haben. Dennoch sieht Kerkemeier Chancen, dass die Sinterwerke mit guten Produkten am Markt bestehen können.

Noch eine große Unbekannte ist der Finanzinvestor Triton, der die Wärmetauschersparte des GEA-Konzerns übernommen hat. Man könne nicht abschätzen, wie sich Triton in Zukunft verhalten werde. Kerkemeier: „Wir werden jetzt mit anderen Unternehmen Kontakt aufnehmen, die von Triton übernommen worden sind, und uns austauschen.“

Ein gutes Gespür für das richtige Timing hatten die Metaller mit der Terminwahl des Empfangs - pünktlich zum Beginn der Tarifverhandlungen! Kerkemeier verteidigte die Forderungen der Gewerkschaft.

5,5 Prozent mehr Lohn seien mehr als legitim, doch es scheint, als ob die beiden anderen Forderungen deutlich mehr Konfliktpotenzial für die Gespräche bergen. So fordert die IG Metall ein neues Altersteilzeitmodell. Es müssten anständige Lösungen gefunden werden, damit Beschäftigte, die früher ausscheiden wollen, eine Rente bekommen, von der sie auch leben können. Noch ungemütlicher dürfte es bei der Forderung auf das Recht auf berufliche Weiterbildung werden. Kerkemeier verwies in diesem Zusammenhang auf eine bundesweite Befragung der IG Metall aus dem Jahr 2013: Damals habe eine überwältigende Mehrheit der Mitglieder angegeben, dass die Qualifizierung für sie an erster Stelle stehe, doch 60 Prozent hätten mitgeteilt, dass sie noch nie ein Weiterbildungsangebot von ihrem Arbeitgeber bekommen hätten. Kerkemeier. „Weiterbildung ist das wichtigste, was wir in der Zukunft benötigen.“

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