Hohe Hürden für Herne

Barrierefreie Wohnungen sind bereits jetzt in Herne und Wanne-Eickel Mangelware, beklagte die Politik im Sozialausschuss. Foto: Dirk Bauer / WAZ
Barrierefreie Wohnungen sind bereits jetzt in Herne und Wanne-Eickel Mangelware, beklagte die Politik im Sozialausschuss. Foto: Dirk Bauer / WAZ
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Die Stadt schrumpft und wird älter: Neue Zahlen über den Bevölkerungsrückgang alarmieren die Politik.

Herne..  Das ist nicht neu: Herne schrumpft, Herne wird älter. Wie groß die Herausforderung für Politik und Stadt wirklich ist, das wird in einer aktuellen Bestandsaufnahme des städtischen Fachbereichs Soziales deutlich. Oder um es mit dem Sozialausschussvorsitzenden Volker Bleck (SPD) zu sagen: „Es ist fünf vor zwölf.“

Zum 1. Mai 2012 lebten noch 158 322 Menschen in Herne (1992: 178 708 Einwohner). Nach den neuesten Prognosen des NRW-Landesbetriebs Information und Technik (IT.NRW) wird Herne im Jahr 2030 noch genau 146 829 Einwohner haben. Das entspräche einem Rückgang von 11 940 Menschen beziehungsweise 7,5 Prozent. Man kann aber davon ausgehen, dass die Prognose der NRW-Statistiker auch künftig weiter nach unten korrigiert werden müsste – liegt die reale Bevölkerungszahl doch schon jetzt unter der Landesprognose für 2015.

Der Anteil älterer Menschen (60 Jahre und älter) an der Herner Gesamtbevölkerung lag Ende 2011 bei 27,92 Prozent (44 326). Damit ist Herne deutlich „älter“ als Bund und Land – lag der Schnitt dort doch bei 26,3 (Deutschland) beziehungsweise 25,9 Prozent (NRW). „Die stetige Zunahme der Altenpopulation in Herne setzt sich somit unverändert fort“, so der Fachbereich Soziales. In seiner (bereits überholten) Prognose geht das Land davon aus, dass im Jahr 2030 in Herne mehr als jeder Dritte 60 Jahre und älter sein wird.

Ein weiterer Trend: Der Anteil der Männer an der älteren Bevölkerung steigt stetig, befindet sich aber wegen der noch immer niedrigeren Lebenserwartung nach wie vor deutlich unterm Frauenanteil. In Zahlen: Ende 2011 waren von den 44 326 in Herne lebenden Menschen über 60 Jahre genau 18 910 männlichen Geschlechts (42,7 %).

Stadt soll Konzept erstellen

„Wir haben nun 17 Jahre, um gegenzusteuern“, sagt SPD-Stadtverordneter (und ASB-Chef) Albert Okoniewski. Erhebliche Anstrengungen seien nötig, um den Anforderungen gerecht zu werden. Die Anpassung der Pflegestrukturen dürfte dabei für die Kommune sogar noch das „geringste Problem“ sein. Die Altersarmut werde künftig deutlich zunehmen, so der Sozialdemokrat. Sehr problematisch stelle sich zudem die Wohnsituation für ältere Menschen dar.

Auch die Stadt sieht hier Handlungsbedarf. Zwar sei zum Thema „Wohnen im Alter“ bereits viel passiert, betont Jürgen Auf’m Kamp, Leiter des Fachbereich Soziales. Aber: Schon heute übersteige die Nachfrage nach barrierefreien Wohnungen das Angebot. Hier sei vor allem das Land in der Pflicht, sagt SPD-Mann Okoniewski. Die bisherige Förderung sei unzureichend.

Ein Mosaikstein der künftigen Planung soll in Herne das „Handlungskonzept Wohnen“ werden. Der Planungsausschuss hat die Verwaltung bereits im Mai mit der Erarbeitung eines entsprechenden Konzepts beauftragt.

 
 

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