Hilfe war Grundstein für Städtepartnerschaft

Eintreffen der „Retter von Courrières“, mit dabei auch Bergmänner der Herner Zeche Shamrock.
Eintreffen der „Retter von Courrières“, mit dabei auch Bergmänner der Herner Zeche Shamrock.

Herne.. Vor 105 Jahren wurde der Grundstein für die Städtepartnerschaft zwischen Herne und Hénin-Beaumont gelegt: Bergleute der Zeche Shamrock leisteten Hilfe nach großem Grubenunglück.

Es gibt dieses Bild: Der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl und der französische Präsident François Mitterrand, beide in schwarz, halten sich an den Händen. Ihr Blick geht nach vorne, dort, wo Blumenkränze und ein Sarg aufgebaut sind. Das Bild ging um die Welt, es zeigt einen deutschen und einen französischen Staatschef bei der gemeinsamen Trauer um die Gefallenen der beiden Weltkriege in Verdun. Vive l’amité franco-allemande – Es lebe die deutsch-französische Freundschaft! Um diese Freundschaft war es allerdings nicht immer so gut bestellt.

Die „Katastrophe
von Courrières“

Das Jahr 1906: Deutschland und Frankreich sind in herzlicher Abneigung verbunden, der deutsch-französische Krieg von 1870/71 hat das Verhältnis der beiden Länder als so genannte Erbfeinde zementiert. Der Erste Weltkrieg steht noch bevor. Man könnte sagen: Die Aussichten sind alles andere als rosig. Am 10. März 1906 ereignet sich dann im französischen Norden, im Département Nord-pas-de-Calais die „Katastrophe von Courrières“ – das bis dahin größte Grubenunglück der Welt. Über 1000 französische Bergleute sterben. Und es wären noch mehr gewesen, hätte sich nicht ein Rettungsteam der Herner Zeche Shamrock und der Gelsenkirchener Zeche Rheinelbe direkt am nächsten Tag auf den Weg ins Nachbarland gemacht. Die Hilfe kam nicht zu spät: Noch drei Wochen nach dem Unglück konnten 13 Bergleute gerettet werden.

Die Hilfsaktion war ein Zeichen der Völkerverständigung, 20 Jahre, bevor der französische Außenminister Aristide Briand und der deutsche Außenminister Gustav Stresemann für die Verträge von Locarno den Friedensnobelpreis erhielten. Durch diese Verträge wurde der Völkerbund geschaffen, eine Art Vorläufer der Vereinten Nationen. Freute sich Briand bei der Aufnahme Deutschlands in den Bund noch über ein Ende „der schmerzhaften und blutigen Zusammentreffen“ zwischen Deutschland und Frankreich und forderte: „Macht Platz für den Ausgleich, die Schiedsverfahren und den Frieden“, beendete der Zweite Weltkrieg diese Annäherung zwischen Deutschen und Franzosen fürs Erste.

Nach Ende des Kriegs (und noch vor dem Deutsch-französischen Freundschaftsvertrag von 1963) bemühte sich Herne bereits um eine Partnerschaft zu den in Nord-pas-de-Calais gelegenen Städten Lens, Billy-Montigny und Hénin. Hénin machte letztendlich das Rennen, die Partnerschaft zwischen der Ruhrgebiets- und der nordfranzösischen Stadt wurde 1954 unterzeichnet. 1971 kam aufgrund der französischen Gebietsreform Beaumont hinzu. Als Anerkennung für dieses Zeichen der deutsch-französischen Freundschaft gab es 1967 die Aristide-Briand-Medaille.

105 Jahre nach der Bergwerks-Katastrophe, die den Grundstein für die heutige Städtepartnerschaft zwischen Hénin-Beaumont und Herne legte, bestehen mehr als 2200 solcher Partnerschaften zwischen Deutschland und Frankreich. Die wenigsten von ihnen blicken aber auf eine so lange Geschichte zurück – und waren so unerschrocken, in schwierigen Zeiten auf Frieden und Freundschaft zu setzen.

 
 

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