Herner Traditionsmöbelhaus Höcker verabschiedet sich

Nach über 80 Jahren schließt das Möbelhaus Höcker.
Nach über 80 Jahren schließt das Möbelhaus Höcker.
Foto: WAZ FotoPool
Nach mehr als 80 Jahren schließt das Traditionsmöbelhaus Höcker seine Pforten. Ursache sind Probleme mit dem Brandschutz. Diese Lösung hätte hohe Investitionen erforderlich gemacht. „Das Haus hätte sich nicht mehr gerechnet“, so Gert Höcker.

Herne..  Die Herner Innenstadt verliert ein Traditionshaus: Höcker Wohnen. Zwar verweist ein Zettel an den seit Tagen verhüllten Schaufensterscheiben auf eine Inventur, doch am kommenden Donnerstag, 16. Januar, beginnt der Räumungsverkauf, wie Inhaber Gert Höcker gegenüber das WAZ mitteilte.

Nun liegt die Vermutung nahe, dass Höcker, das 2012 noch sein 80-jähriges Bestehen feierte, ein weiteres Opfer des harten Verdrängungswettbewerbs der Möbelhäuser geworden ist, doch dies sei nicht der Fall. „Die Großen haben uns weniger gestört, weil wir viel Stammkundschaft hatten“, erläutert Höcker. Entscheidend sei ein anderes Problem gewesen: Brandschutz.

Die Stadt Herne habe gefordert, dass Höcker Brandschutzmaßnahmen einleitet, eine Zwischendecke abreißt sowie drei Etagen stilllegt. Allein der Brandschutz hätte laut Höcker mit rund 300 000 Euro Kosten zu Buche geschlagen, dazu wären die Investitionen für einen Umbau gekommen. Und dann noch eine reduzierte Verkaufsfläche - „da rechnet sich das Haus nicht mehr“. Deshalb habe er sich „schweren Herzens“ dazu entschlossen, den Betrieb aufzugeben. Seit 55 Jahren sei er im Haus.

Zum Hintergrund: Das Möbelhaus wird seit 1976 auf insgesamt sechs Etagen betrieben, hinzu kam Ende der 90er-Jahre eine Erweiterung der Verkaufsfläche.

Erdgeschoss verpachten

Darüber habe es Einvernehmen mit der Stadt gegeben, der Zustand sei bei den regelmäßigen Begehungen durch Bauordnungsamt und Feuerwehr nicht beanstandet worden, so Höcker. 2004 habe ein Gutachter festgestellt, dass das Haus sicher sei.

Doch 2010 habe die Stadt auf Mängel beim Brandschutz hingewiesen - mit den oben beschriebenen Folgen. Die Stadt bestätigt auf Anfrage, dass bei einer Begehung brandschutztechnische Mängel aufgefallen seien, macht aber keine Angaben dazu, warum der Zustand zuvor geduldet worden war. Da der Geschäftsbetrieb eingestellt werde, erübrige sich die Verfolgung der Mängel. Stadtplanerisch sei aus Sicht des Fachbereichs Stadtplanung ein Leerstand an so exponierter Lage mehr als bedauerlich. Im letzten Gespräch Ende 2013 sei deutlich geworden, dass bei der Firma Höcker Überlegungen für eine Nachnutzung bestehen.

In der Tat plant Höcker, das Erdgeschoss zu verpachten. Angedacht sind zwei Einzelhändler. Höcker: „Interessenten gibt es genug.“

Elisabeth Röttsches, Vorsitzende der IG City, bedauert das Ende des Möbelhauses. Damit verschwinde ein weiteres Inhaber geführtes Traditionshaus.

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