Herner Politiker diskutierten über Städte-Ehe mit Besiktas

Michael Muscheid
Auf dem Podium (v.l.): Moderator Martin von Berswordt-Wallrabe,  Sven Rickert (CDU), Thomas Reinke (Grüne), Manuela Lukas (SPD), OB Frank Dudda, Nurten Özcelik (Integrationsrat) und Andreas Prennig (Piraten).
Auf dem Podium (v.l.): Moderator Martin von Berswordt-Wallrabe, Sven Rickert (CDU), Thomas Reinke (Grüne), Manuela Lukas (SPD), OB Frank Dudda, Nurten Özcelik (Integrationsrat) und Andreas Prennig (Piraten).
Foto: FUNKE Foto Services
Die Stadt Herne hat zu einer Bürgerversammlung zum Thema Städtepartnerschaft mit Besiktas geladen. Die Ratsvertreter waren sich einig wie selten.

Herne. Soll Herne eine Städtepartnerschaft mit Besiktas eingehen? Darüber entscheidet am Dienstag der Rat. Geht es nach den Vertretern der Ratsfraktionen, die am Montagabend auf einer Bürgerversammlung über ihre Reise nach Istanbul berichteten, dann ist die Antwort auf die Frage nach der Städte-Ehe klar: ja – Herne soll sich „trauen“.

Die Alte Druckerei war bestens gefüllt, trotz des parallelen EM-Spiels Spanien gegen Italien, und nicht alle Besucher fanden einen Sitzplatz. Sehr viele „normale“ Bürger waren aber nicht darunter, zum großen Teil zeigten sich bekannte Gesichter aus Politik und Verwaltung an der Bebelstraße. Auch bei ihnen ist die Städtepartnerschaft, die der Bürgermeister von Besiktas der Stadt Herne im Januar angeboten hat, nicht unumstritten.

Oberbürgermeister Frank Dudda warb eingangs noch einmal für die Städtepartnerschaft mit dem Istanbuler Bezirk und nannte sie „eine sinnvolle Sache“. Dem wollte niemand widersprechen. Seine Parteifreundin, die stellvertretende SPD-Fraktionschefin Manuela Lukas, sprach von einer Hand, die man der türkischen Community in Herne im Falle einer Städtepartnerschaft reichen würde. Dadurch könnten Vorurteile abgebaut werden. Sven Rickert vom Rats-Koalitionspartner CDU lobte den „tollen Eindruck“, den der Stadtbezirk und die Menschen auf ihn gemacht hätten und sprach sich ebenfalls für die Städte-Ehe aus. Allein: Gebe es auch genug Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Städten?, fragte er in die Runde.

Ja, die gebe es, entgegneten die anderen auf dem Podium. Drei der sechs Stellvertreter des Bürgermeisters hätten Wurzeln im Ruhrgebiet, berichtete der OB. Bei den Gesprächen vor Ort hätten sie über ihre Eindrücke vom Centro, von der Cranger Kirmes, ja vom Lago gesprochen: „Sie wissen, was sie wollen: Sie wollen eine Partnerschaft im Ruhrgebiet.“ Nurten Özcelik (Integrationsrat) sagte, dass die demokratische Grundhaltung in dem Stadtbezirk sowie die Bildung und die Gleichberechtigung der Religionen weitere Gemeinsamkeiten seien. Andreas Prennig berichtete, dass auch Besiktas ein großer Logistik-Standort sei.

Pulsierende Großstadt

Passt Besiktas zu Herne? Der Stadtbezirk am Bosporus, da waren sich alle einig, sei schließlich „eine pulsierende Großstadt“ (Manuela Lukas), ja „eine Welt-Metropole“ (Sven Rickert). Das passe, sagte Grünen-Fraktionschef Thomas Reinke: „Das sind zwei Städte, die sich befruchten können.“ So könne Herne Besiktas etwa Know-how bei der Abfallentsorgung geben.

Nach einer Stunde platzte dem Besucher Oktay Yilmaz der Kragen. Herne, so seine Botschaft, brauche dringend eine türkische Partnerstadt, sei es Besiktas oder eine andere. Noch immer sei in Herne die Herkunft eines Bürgers entscheidend für seinen Werdegang. Er stellte die Frage: Würde auch wochenlang über eine mögliche Partnerstadt diskutiert, wenn das Angebot aus Barcelona oder Rom komme? „Ihr müsst eure Herzen öffnen für die Menschen, die hier seit 55 Jahren leben“, forderte er.

Besucherin Lisa Gbur fragte in Richtung Podium, ob es nicht mit zweierlei Maß messe. Die Stadt lasse alle offiziellen Kontakte zur französischen Partnerstadt Hénin-Beaumot ruhen, weil dort im Rathaus ein Bürgermeister des Front National sitze, auf der anderen Seite spreche sie sich für eine Partnerschaft mit einer Stadt in der Türkei aus, wo Präsident Erdogan für viel Kritik sorge. Da gebe es „einen ganz erheblichen Unterschied“, entgegnete der OB. Der Bürgermeister von Hénin-Beaumont sei „rassistisch geprägt“, der von Besiktas demokratisch. Ersteren wolle er deshalb nicht treffen. Überhaupt: Die Kontakte zu Hénin-Beaumont liefen auf der bürgerschaftlichen Ebene bestens, sagte Dudda. Und: „Wir wissen den Wert der Partnerschaft mit Frankreich sehr zu schätzen.“

Sven Rickert (CDU) warf die Frage auf, was aus der Partnerschaft mit Besiktas werde, sollte dort die AKP von Erdogan den Bürgermeister stellen. Beantwortet wurde sie nicht. Er forderte, dass eine Städte-Ehe von allen Bürgern mit Leben gefüllt werden müsse. Es dürfe keine rein türkisch-türkische Partnerschaft werden. Er wolle keine Parallel-Gesellschaften.