Herner Pfarrer Harald Rohr stirbt mit 75 Jahren

1994 erhielten Pfarrer Harald Rohr und das Eine Welt Zentrum  Besuch vom indischen Kinderrechtsaktivisten Satyrarthi Kailash, der damals den Aachener Friedenspreis erhielt. Im Jahr 2014 wurde der Inder sogar mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.
1994 erhielten Pfarrer Harald Rohr und das Eine Welt Zentrum Besuch vom indischen Kinderrechtsaktivisten Satyrarthi Kailash, der damals den Aachener Friedenspreis erhielt. Im Jahr 2014 wurde der Inder sogar mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.
Foto: ungklärt
Der Evangelische Kirchenkreis Herne sowie Brot für die Welt trauern um den ehemaligen Herner Pfarrer Harald Rohr. Er starb mit 75 Jahren.

Herne..  Harald Rohr ist tot. Der Gründer und langjährige Leiter des Eine Welt Zentrums im Evangelischen Kirchenkreis Herne ist am 12. Januar im Alter von 75 Jahren in seinem Wohnort Niederndodeleben bei Magdeburg verstorben.

„Wir sind traurig und zugleich dankbar für die Zeit, die wir mit ihm verbringen durften, beruflich und privat. Sein Einsatz für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung hat uns geprägt und herausgefordert“, erklärt der Evangelische Kirchenkreis in einer ersten Mitteilung.

Rohr war von 1968 bis 1975 als Pfarrer in der evangelischen Gemeinde Baukau tätig. 1976 wurde er Leiter des neuen Informationszentrums Dritte Welt (heute: Eine Welt Zentrum). Bis zur Pensionierung 2002 hatte er die Funktion inne, bevor er mit seiner Frau Karin eine ehrenamtliche Tätigkeit für die Organisation „Brot für die Welt“ annahm und von Herne nach Niederndodeleben (Sachsen-Anhalt) zog.

In seiner 25-jährigen Tätigkeit für das Eine Welt Zentrum habe er tiefe Spuren hinterlassen und „den kleinen Kirchenkreis Herne aus der Provinzialität geführt“, sagte der damalige Herner Superintendent Klaus-Peter Röber vor 13 Jahren anlässlich der Verabschiedung Rohrs. Sowohl Harald Rohr als auch seine Ehefrau Karin - sie war bis 2002 ehrenamtliche Umweltbeauftragte des Evangelischen Kirchenkreises - seien zielstrebige Persönlichkeiten, die „häufig unbequeme Wahrheiten“ ausgesprochen hätten, so Röber. Dabei habe Rohr aber nicht immer das Echo und die Unterstützung gefunden, die wünschenswert gewesen wären.

Nicht zuletzt dem Einsatz für Asylbewerber und gegen die Asylpolitik galt sein Engagement. So unterstützten Harald Rohr und das Eine Welt Zentrum unter anderen die im Herner Abschiebegefängnis einsitzenden Flüchtlinge.

Auch „Brot für die Welt“ würdigte die Verdienste des Verstorbenen. Harald Roh sei mehr als 50 Jahre ein „engagierter Mitstreiter und Impulsgeber“ gewesen, heißt es in einem Nachruf der deutschen Hilfsorganisation. Seit dem Ruhestand habe er die Öffentlichkeitsarbeit von „Brot für die Welt“ in den Kirchenkreisen in Ostdeutschland geprägt und begleitet. Als Streiter für den Fairen Handel sei Rohr ebenfalls aktiv gewesen und habe die Aktion „Gerecht genießen - 2000 Gemeinden trinken fair“ mit ins Leben gerufen.

Der Kirchenkreis richtet am kommenden Donnerstag, 21. Januar, einen Dank- und Abschiedsgottesdienst für Harald Rohr in der Kreuzkirche Herne, Bahnhofstraße 8, aus. Beginn ist um 17 Uhr. Die Beerdigung findet am Freitag, 22. Januar, um 9 Uhr auf dem Ostfriedhof in Dortmund-Körn, Robert-Koch-Straße, statt. In seinem letzten Brief an Freunde schrieb Harald Rohr: „Ich selber hoffe und sehne mich weiter nach einem neuen Himmel und einer neuen Erde, auf der Gerechtigkeit wohnt.“

Aktiv gegen den Abschiebeknast

Die Situation von Flüchtlingen und konkret die Missstände im Herner Abschiebegefängnis haben Harald Rohr und das Eine Welt Zentrum stark beschäftigt. In einem Gastbeitrag für die WAZ blickte Rohr 2008 unter der Überschrift „Es bleibt ein Grab“ auf die damalige Zeit zurück.

Rohr kritisierte die „gesetzlich herbeigeführte Illegalität“ von Asylbewerbern und erinnerte an die „seelischen Leiden“ der Flüchtlinge im Abschiebeknast. Zwar hätten die Kirchenleute damals die eine oder andere Verbesserung bei der Vollzugsverwaltung durchsetzen können, doch der „verbalen Weichspül­aktion“, mit der die Verantwortlichen den Gefangenschaftscharakter der Einrichtung hätten wegdiskutieren wollen, hätten sie immer widersprochen, so Rohr. Wie berichtet, erhängte sich der Sudanese Thomas Emanuel Tout am Weihnachtstag 1993 im Herner Hafthaus aus Entsetzen vor der angekündigten Abschiebung.

Anstelle von Kränzen und Blumen bitten Karin Rohr und ihre Familie um eine Spende für „Brot für die Welt“: IBAN DE 1010061006 0500500500

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