Herner Leih-Oma lebt ihren Auslands-Traum

Jutta Zacher aus Herne war als Au-Pair-Granny bei einer Familie in der Schweiz.
Jutta Zacher aus Herne war als Au-Pair-Granny bei einer Familie in der Schweiz.
Foto: WAZ FotoPool / Olaf Ziegler
Erst im Rentenalter konnte Jutta Zacher ihren Traum vom Auslands-Aufenthalt erfüllen. Als Au-Pair-Granny lebte sie acht Wochen bei einer Schweizer Familie und möchte die Erfahrungen nicht missen, die sie dort machte.

Herne.  Einmal etwas anders leben: Die Lust auf Neues ist bei Leih-Omis größer als die Angst vor dem Wagnis. Erst recht bei Jutta Zacher. Die Wanne-Eickelerin hatte immer schon den Traum, einmal im Ausland zu wohnen. Als sogenannte Au-Pair-Granny verbrachte sie jetzt zwei Monate bei einer Familie in der Schweiz als eine Art Mädchen für fast alles – und das mit 61 Jahren.

Gut, das gefürchtete „Hundekot vom Rasen holen“ oder der lustige Handabwasch des zwölfteiligen Geschirrs waren nicht ihre Aufgaben. Aber das Unterstützen der Familie vor allem der achtjährigen Tochter Lena in alltäglichen Dingen gehörte schon dazu. Warum aber nimmt man am Leben fremder Familien teil? Nun, die Diplom-Mathematikerin, die jetzt in der passiven Phase der Altersteilzeit ist, drängte es, einmal raus aus den eigenen vier Wänden zu kommen. „Raus aus dem Alltag, leben in einem anderen Land, das interessiert mich.“ Als Alleinstehende hatte sie zudem einen anderen Wunsch: „Ich wollte mal das Familienleben kennenlernen, denn ich hab ja keine eigenen Kinder.“

Erfahrungsaustausch in der Gruppe

Ein Fernsehbeitrag brachte Zacher auf die Spur der Hamburger Agentur „Granny aupair“, die sich auf die Vermittlung von Zeitomas als Au-Pairs spezialisiert hat. Zielgruppe ist die Generation 50plus, die in den meisten Fällen nach dem Motto handelt: Nach der Pflicht folgt die Kür. Der Kontakt war schnell hergestellt, der obligatorische Workshop erwies sich als äußerst informativ.

„Der Erfahrungsaustausch in der Gruppe hat mich in meinem Vorhaben bestärkt.“ Dass ihr Bekanntenkreis zunächst mit Erstaunen reagierte, schreckte Zacher nicht ab. Ganz im Gegenteil: „Im Frühjahr 2014 machte ich Nägel mit Köpfen. Mir wurde eine Familie, Deutsche aus Kiel, die in die Nähe von Zürich gezogen waren, zugewiesen.“

Die folgenden Telefonate waren sehr positiv, das Du kam schnell. „Schweiz ist ja Ausland light, das musste passen.“ Tat es auch. Nur im blöden Stau auf der Hinfahrt in Höhe Basel kamen Zacher dann doch noch Bedenken. „Bin ich eigentlich verrückt? Da fahre ich einfach zu fremden Leuten?“ Die Zweifel vergingen nach dem Stau, spätestens bei der Ankunft im Wohnort auf Zeit, dem Dorf Watt. Hier wurde sie nicht nur herzlich begrüßt, sondern hatte ein tolles Zimmer mit eigenem Bad. Sie sagt noch heute: „Ich habe es sehr, sehr gut getroffen.“

An Familienfeierlichkeiten teilgenommen

Die in der Unternehmensberatung tätigen Eltern waren oft auf Geschäftsreise. Lena erwies sich als angenehmes Kind, für das Zacher den Begleitservice machte. „Im Grunde war ich so etwas wie ein Standby für die Mutter.“ Gut integriert in die Familie war die Wanne-Eickelerin, nahm an Familienfeierlichkeiten teil und unternahm gemeinsame Ausflüge mit ihren Gasteltern. Dass es keine Bezahlung, kein Taschengeld, nur Essensgeld gab, juckte Zacher nicht. Erfahrung und Erleben war ihr wichtiger.

„Es ist ein ständiges Geben und Nehmen. Ich habe etwas über mich gelernt und das Familienleben kennengelernt. Genauso war es geplant.“ Sie nennt ihren „Ausflug“ einen vollen Erfolg und möchte gerne wieder als Au-Pair-Granny tätig sein. „Das nächste Jahr ist bereits fest angedacht.“ Irland, Frankreich, USA oder Kanada kann sie sich vorstellen. „Nur der Ort sollte nicht zu klein sein. Ich bin eben doch ein Stadtmensch.“

 
 

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