Herner Kumpel helfen bei Bergbau-Unglück in Courrières

Zur Ehrung durch den Kaiser mussten die Hilfsmannschaften von Shamrock und Rheinelbe nach Krefeld reisen.
Zur Ehrung durch den Kaiser mussten die Hilfsmannschaften von Shamrock und Rheinelbe nach Krefeld reisen.
Foto: Privat-Archiv
Ein Bergbau-Unglück kostete vor 110 Jahren 1099 Kumpel in Courrières das Leben. Bergleute aus Herne halfen bei der Bergung.

„Courrières hat zwar keine Kriege zwischen Deutschland und Frankreich verhindert, es trug aber dazu bei, dass man sich anschließend wieder leichter die Hände reichen konnte: Zumindest in Herne und in Henin-Liétard“. Dies ist die Ansicht von Michael Farrenkopf, dem Autor eines Buches und Leiter des Bochumer Montan-Archivs, über das größte europäische Bergbau-Unglück, das sich am 10. März 1906 im nordfranzösischen Steinkohlenrevier ereignete. 1099 Kumpels fanden dort vor 110 Jahren den Tod.

Die Nachricht von dem Unglück machte damals auch im Ruhrrevier schnell die Runde. Auf Veranlassung des Dortmunder Bergmeisters Engel befasste sich auch die in Herne ansässige Hibernia-Bergbaugesellschaft mit der Thematik. Der Herner Bergwerksdirektor Georg-Albert Meyer wurde daher beauftragt, ein Expertenteam zusammenzustellen.

Von Shamrock und Rheinelbe

Im benachbarten Recklinghausen bat Bergwerksdirektor Drissen währenddessen seinen Sohn, einen Studenten des Bergfachs, sich an der Rettungsaktion zu beteiligen. Doch Albert Drissen zögerte. Der Direktor legte dies als fehlende „Courage“ aus. An die Bitte seines Vaters, mit nach Henin-Liétard zu reisen, erinnerte sich der spätere Leutnant bei einem Weltkriegseinsatz in Nordfrankreich, als sein Freund Manfred von Richthofen (1892 bis 1918) ihm ein von ihm signiertes Foto „Meinem westfälischen Freund Drissen. Zur Erinnerung an eine verpasste Gelegenheit“ überreichte. Das Luftbild des legendären „Roten Barons“ zeigte nämlich die Unglücksgrube von Courrières.

Bereits am 11. März 1906 traf die Hilfsmannschaft, die aus Mitgliedern der Grubenwehren Shamrock (Herne) und Rheinelbe (Gelsenkirchen) bestand, in Henin-Liétard ein. Doch viel ausrichten konnten die gut ausgerüsteten Revierkumpels in Nordfrankreich nicht mehr. Sie halfen jedoch bei der Bergung der toten Kumpels.

Dieser Einsatz hinterließ nicht nur bei der Bevölkerung einen großen Eindruck, in Büchern, Groschenromanen, Gemälden und Filmen wurde der Einsatz der Hibernia-Hilfsmannschaft ausgiebig gewürdigt.

Für Einsatz mehrfach geehrt

Nach ihrer Rückkehr wurde die Herner-Gelsenkirchener Rettungsmannschaft mehrfach geehrt. Zunächst wollte Kaiser Wilhelm II. sogar in Herne Station machen, um die 25 Kumpels auszuzeichnen. Doch seine Berater lehnten dies ab, so reisten die Grubenretter am 2. April 1906 schließlich nach Krefeld, weil dort der Kaiser beim 25. Husarenregiment zu Gast war. Auf einem Schimmel sitzend überreichte der Monarch den 25 Revierkumpels die Auszeichnungen. Der Hauer Eduard Funke aus Börnig erhielt später sogar die Ehrenmedaille des französischen Präsidenten.

Schon seit dem 31. Mai 1906 gibt es in Herne eine Courrières-Straße, die Partnerschaft zwischen Henin-Liétard und Herne wurde jedoch offiziell erst im Jahre 1954 besiegelt. Bergbau gibt es in beiden Gemeinden schon lange nicht mehr, doch die Erinnerung an das größte Grubenunglück in der Geschichte Europas wird in den Kommunen noch wachgehalten.

 
 

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