Herner Imker sind so fleißig wie ihre Bienen

Der Vorsitzende des Herner Imkervereins Ferdinand Laufenberg an seinen Bienenstöcken.  Foto: Simaitis
Der Vorsitzende des Herner Imkervereins Ferdinand Laufenberg an seinen Bienenstöcken. Foto: Simaitis
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Das NRW-Umweltministerium schlägt Alarm: Von den 364 heimischen Wildbienenarten seien 129 akut vom Aussterben bedroht. 45 Arten seien bereits ausgestorben. Es mangele an Blühpflanzen, eine intensive Nutzung landwirtschaftlicher Flächen hätte zur Artenarmut geführt. Den Wildbienen fehlt Nahrung. Gleichzeitig wird der Bestand an Honigbienen seit Mitte der 70er Jahre verstärkt von der Varroa-Milbe sowie durch Pilz- und Vireninfektionen bedroht. Minister Johannes Remmel fürchtet, das Kultur- und Wildpflanzen nicht mehr ausreichend bestäubt werden könnten.

Sorge um die Artenvielfalt

Umso wichtiger ist die Aufgabe der Imker, die ihre Bienen hegen und pflegen. Insofern setzt Herne eine positive Marke in der Diskussion um die aktuellen Ministersorgen. Denn der Herner Imkerverein hat die Anzahl der aktiven Mitglieder im Laufe der vergangenen 20 Jahre verdoppelt.

„Als ich 1991 den Vorsitz übernahm, waren wir in Herne und Wanne-Eickel insgesamt 32 Imker in unserem Verein, heute sind es 64“, sagt Ferdinand Laufenberg. Der 61-Jährige selbst versorgt neun Bienenvölker. Deren Stöcke stehen idyllisch gelegen hinter der Scheune seines Freundes, des Landwirts Bernd Heiermann, im Stadtbezirk Sodingen unweit der Grenze zu Gerthe. Die Wildblumen der angrenzenden Wiese ersticken jeden Gedanken an Artenarmut im Keim und erinnern stattdessen an den märchenhaften Mikrokosmos von Biene Maja und ihrem Kumpel, dem faulen Willi.

Aber natürlich reicht die Wiese bei aller Herrlichkeit längst nicht aus, um Laufenbergs neun Völker mit je 40 000 Bienen dauerhaft zu sättigen. „Es ist ganz normal und notwendig, mit Zuckerwasser zuzufüttern“, sagt der 61-Jährige und fügt hinzu: „Wenn man nicht aufpasst, und ein Volk büxt aus, geht das Volk zu 99 Prozent verloren. Honigbienen sind bei der Ernährung auf ihren Imker angewiesen.“ Einen Schwarm wieder einzufangen – vorausgesetzt man kennt seinen Aufenthaltsort – sei indes kein Problem. Laufenberg: „Man hält einen Eimer unter die Bienen-Traube streift die Tiere mit einem Stück Holz oder etwas ähnlichem ab.“ Den Eimer würde er dann abdecken, ein kleine Lücke für Nachzügler lassen, ihn nach einer Weile abholen und heimtragen. Die Methode funktioniere allerdings nur, wenn auch die Königin des Bienenvolkes im Eimer sei.

Viel näher an der Natur

Natürlich treibt die gefürchtete Varroa-Milbe auch den Herner Imkern und ihrem Vereinsvorsitzenden Ferdinand Laufenberg die Sorgenfalten auf die Stirn. „Bei Befall und ohne Behandlung ist das Volk nicht zu retten“, konstatiert der Pensionär, der selbst bei der Bekämpfung der Milbe auf die schwere chemische Keule verzichtet und stattdessen zur Milbenabwehr auf Ameisensäure setzt. „Damit bin ich bisher immer bestens gefahren und hatte tatsächlich kaum Verluste, höchstens um die 10 Prozent, aber das ist normal“, sagt der Vorsitzende. Um 10 Prozent liegt inzwischen auch der Anteil der Imkerinnen im Herner Verein. Laufenberg: „Das hört sich vielleicht nicht viel an, ist aber schon ein großer Schritt in die richtige Richtung. Wir waren vorher eine reine Männergesellschaft.“

Um von den Bienen der Herner Imker gestochen zu werden, muss man sich schon besonders ungeschickt anstellen. Sie sind selbst in der Nähe ihrer Stöcke lammfromm. „Das liegt an der Rasse. Wir haben fast alle die Canica, die besonders sanftmütig ist“, erzählt Laufenberg. Andere Rassen lieferten mehr Honig, seien aber aggressiver, erläutert der Fachmann und ergänzt: „Ich ernte pro Volk und Jahr etwa 30 Kilo Honig. Das reicht.“ Überhaupt komme es ihm gar nicht in erster Linie auf den Honigertrag an. Laufenberg: „Ich bin Imker, weil mich das Leben der Bienen mit all’ ihren Besonderheiten fasziniert.“ Überhaupt sei er nun noch viel viel näher an der Natur dran – auch an der Botanik – als zuvor.

Die Mitglieder des Herner Imkervereins treffen sich einmal im Monat im Vereinslokal „Haus Galland“ und zwischen März und Oktober jeweils am 2. Sonntag im Monat in der Kleingartenanlage „Im Stichkanal“. Dort befindet sich ihr Lehrbienenstand. Jahresbeitrag im Imkerverein: 12,72 Euro. Kontakt: HER 4 36 76.

 
 

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