Herner Firma bietet Geschäft mit Kautionsbürgschaften an

Schlaues Geschäft? Gegen eine jährliche Gebühr übernehmen Versicherer die Kaution für eine Wohnung.
Schlaues Geschäft? Gegen eine jährliche Gebühr übernehmen Versicherer die Kaution für eine Wohnung.
Foto: WAZ
Statt Kaution für eine Wohnung zu zahlen, können Mieter diese Last auf Versicherungen übertragen. Dabei fallen jedoch jährliche Gebühren an, die nicht zurückgezahlt werden. Verbraucherzentrale und Grundeigentümerverein raten aber zur Vorsicht.

Herne..  Fast überall in Herne ist es üblich: Wer eine Wohnung mieten möchte, muss Kaution zahlen. Nicht selten sind es bis zu drei volle Monatsmieten, die der Vermieter von seinem zukünftigen Mieter fordert, um zum Beispiel Reparaturleistungen abzudecken. Wer das Geld nicht hat, um die Kaution im Voraus zu zahlen, oder dieses Geld für andere Zwecke benötigt, kann oftmals den Weg zu einer Bank nicht vermeiden.

Ein anderer Weg sind die sogenannten Kautionsbürgschaften, bei denen sich spezielle Versicherer für die Kaution eines Mieters verbürgen. Die Firma Eurokaution, mit Sitz in Hamburg, bietet etwa diese Bürgschaften in Zusammenarbeit mit einer Versicherung an. In Herne kooperiert die Schraeder Baufinanz GmbH mit Eurokaution.

Resonanz in Herne bescheiden

„Gut ein Viertel aller Mieter unserer Immobilien greifen auf diese Möglichkeit der Mietbürgschaft zurück“, sagt Marcus Schraeder, Geschäftsführer des Immobilienverwalters. Seit drei Jahren kooperiert Schraeder mit Eurokaution, die Vermieter seien laut Schraeder mit diesem Konzept zufrieden. „Die Abwicklung klappt gut“, sagt Schraeder, der die Resonanz in Herne jedoch für bescheiden hält.

Das bestätigt auch der Mieterverein Herne 2. Hier liegen noch keine Erfahrungswerte mit dem Modell vor. Und wie sehen andere das Modell Kautionsbürgschaft? Die Verbraucherzentrale (VZ) Herne legt eine gewisse Skepsis an den Tag.

Große Unterschiede bei Anbietern

„Man muss sich im Klaren sein, welche Gebühren man am Ende zahlt“, sagt Ingrid Deutmeyer von der VZ-Herne. So müssen Mieter jährlich Gebühren an die Versicherer zahlen, diese richtet sich nach der Höhe der Kaution. Die Firma Eurokaution etwa verlangt für eine Kaution von 1 000 Euro, einen Jahresbeitrag von 69 Euro. Eine Kautionsbürgschaft über viele Jahre lohne sich daher nicht, da die Gebühr mit der Zeit die Höhe der Kaution übersteige. Und: Das Geld bekommt der Mieter nach Vertragsende nicht zurück.

Auch der Haus-, Wohnungs- und Grundeigentümerverein e.V. „Haus und Grund“ steht dem Modell, wie auch die Verbraucherzentrale, eher skeptisch gegenüber. „Es ist für Eigentümer und Vermieter immer schwieriger, auf das Geld eines Versicherers zurückzugreifen, als direkt von einem Mietkautionskonto“, sagt Simone Arendt-Birtner, Geschäftsführerin von „Haus und Grund“ in Herne. Auch im Hinblick auf Mieter rät Arendt-Birtner vom Modell ab, würden diese doch oftmals zu hohe Gebühren zahlen.

Von Anbieter zu Anbieter können die Gebühren große Unterschiede aufweisen. Es gilt jedoch: Umso höher die Kaution, desto höher die Gebühr, die die Bürgenden verlangen.

 
 

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