Herner Familien haben endlich wieder Wasser

Sergio Pagano, Schüler Gabriel (10) und die anderen Bewohner haben wieder Wasser – manche allerdings nur kaltes.
Sergio Pagano, Schüler Gabriel (10) und die anderen Bewohner haben wieder Wasser – manche allerdings nur kaltes.
Foto: Ralph Bodemer
Zwei Wochen lebten Dutzende Familien in Wanne-Eickel ohne Wasser. Neue Details zeigen: Den Vermietern scheint das Schicksal der Bewohner egal zu sein.

Am Ende ging alles ganz schnell. Seit gestern Mittag haben die unverschuldet in Not geratenen Familien vom Eickeler Bruch und von der Röhlinghauser Straße endlich wieder Wasser. Nachdem die WAZ über den Fall berichtet hatte, vermittelte die „Wohnungsaufsicht“ der Stadtverwaltung zwischen Betroffenen und Stadtwerken. Ein Überblick über die letzten Entwicklungen.

Die Mieter

Miltjadjs Papadopoulos ist erleichtert. „Endlich“, sagt der 58-Jährige am Donnerstagnachmittag. Zwei Wochen saßen er und seine Nachbarn auf dem Trockenen, nun kommt endlich wieder Wasser aus den Hähnen. Worauf er sich am meisten freue? „Wieder duschen zu können“ – 14 Tage lang war mehr als eine Katzenwäsche nicht möglich. Papadopoulos lebt seit mehr als zwei Jahrzehnten an der Röhlinghauser Straße, er hat Verantwortung für seine Nachbarn übernommen: Jeden Monat will er knapp 60 Euro pro Mieter einsammeln und das Geld an die Stadtwerke überweisen. Der Versorger hatte diese sogenannte Mietergemeinschaft angeregt. Alles bestens also? Nein, sagt Sergio Pagano (47): „Es kommt nur kaltes Wasser. Wir haben Schimmel im Wohnzimmer und Ratten im Keller. Der Vermieter hat sich einfach verpisst, habe ich gehört.“

Die Eigentümer

Die beiden Vermieter der Häuser haben offenbar massive finanzielle Probleme. 700 000 Euro soll das abgetauchte Duo vor einem Jahr für die vier Gebäude bezahlt haben – angesichts des Zustandes der Häuser wohl schwer refinanzierbar. „Eine Kostendeckung der Häuser mit Mieteinnahmen für alle anfallenden Kosten war nie gegeben!“, schreibt Patrick Stepczak in einer E-Mail. Stepczak ist Geschäftsleiter des PST Immobilienmanagement – des Gelsenkirchener Unternehmens, das die Eigentümer mit der Verwaltung der Wanne-Eickeler Häuser betraut haben. Was er berichtet, bestätigt die Befürchtungen der Mieter: Einige Wohnungen seien in einem „nicht vermietbaren Zustand“. Trotz der Wassersperrung seien die beiden den gebeutelten Bewohnern nicht entgegengekommen: Die Hausverwaltung solle sich „um die Mieten kümmern“ und sie notfalls „außergerichtlich oder gerichtlich eintreiben“.

Indes erscheint auch PST Immobilienmanagement in einem diffusen Licht. „Ich habe da 1000 Mal angerufen. Wenn ich überhaupt jemanden erreicht habe, haben die gesagt: Wir haben das Geld an die Stadtwerke überwiesen. Aber passiert ist nie etwas – die haben mich verarscht“, sagt Mieter Sergio Pagano. Stepczak schreibt, solche Vorwürfe seien „ein Witz“.

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