Herne testet Radlaster auf der letzten Meile

Foto: Manuela Schwerte/press
Herne wird Praxiskommune, in der neue und innovative Lieferkonzepte für die sogenannte letzte Meile getestet werden. Elektrofahrräder sowie Lastenräder, also Fahrräder, die Waren transportieren, sollen innerstädtisch zum Einsatz kommen.

Herne..  Federführend hinter dem Projekt, das auch wissenschaftlich ausgewertet wird, steht die Zeppelin Universität, Bodensee. Uni-Professor und Projektleiter Wolfgang Schulz, ein gebürtiger Essener mit „großer Affinität zum Ruhrgebiet“, will in dem auf zwei Jahre angelegten Projekt genauer untersuchen, welche Beiträge zur Energiewende und zum Klimaschutz geleistet werden, wenn konventionelle Transporter auf der letzten Meile durch Lastenräder ersetzt werden.

„Wir schauen, ob es hierfür überhaupt einen Markt gibt.“ Kostenersparnis neben der Umweltfreundlichkeit bringt der Einsatz auf jeden Fall, der leidige Parksuchverkehr gehört der Vergangenheit an. Angesprochen sind allerdings nicht die klassischen Paketdienste, sondern lokale Geschäftsleute. „Apotheker, Buchhändler, Handwerker, Imbissbetriebe, Malermeister, das ist unsere Zielgruppe.“ Gesucht werden Erstnutzer, die sich „das Fahrrad als mögliches Betriebsmittel vorstellen können“.

Kostenloses Bike für die Teilnehmer

Der Clou: Wer mitmachen will, erhält ein kostenloses Bike – und kann es bei Gefallen hinterher sogar kaufen. Fünf bis zehn Räder sollen zum Einsatz kommen, dank des Partners ZEG (Verbund von Fahrradhändlern) ist dies problemlos möglich. Die Räder werden je nach Praxisanforderung unterschiedlich ausgestattet. Wie die Varianten aussehen, soll in einem Workshop mit den interessierten Händlern im Februar abgeklopft werden, sie können dort ihr Geschäftsmodell vorstellen. Schließlich gibt es Räder mit unterschiedlicher Nutzlast und Reichweite, mit Boxen vorne oder hinter dem Fahrer oder gar einem Anhänger. In die Fahrpraxis geht das Projekt von April bis November 2015.

Dann startet der Feldversuch, der zeigen soll, ob sich das Modell überhaupt umsetzen lässt. Parallel dazu findet die wissenschaftliche Auswertung statt. Im Frühjahr 2016 erfolgt die Auswertung des rund 180 000 Euro teuren Projekts, das die Mercator-Stiftung finanziert. Erstellt wird ein Handlungsfaden, der an andere Kommunen weitergereicht werden kann. Wirtschaftsförderer Joachim Grollmann will seine „Kontakte spielen lassen und auf kleine Betriebe zugehen“. Er findet, dass das Projekt der Stadt gut tut: „Es ist sinnvoll und verständlich.“

Klimafreundlicher Wirtschaftsverkehr

Die Projektidee „Klimafreundlicher Wirtschaftsverkehr in Kommunen als Beitrag zur Energiewende“ mit der Stadt Herne wurde als eines von vier Projekten für die Umsetzung ausgewählt.


Zum Ideenwettbewerb („Energiewende Ruhr“) riefen die Stiftung Mercator, das Wuppertal Institut und das Kulturwissenschaftliche Institut Essen auf.

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