Herne-Süd war früher Bauernland

Aus Bauernland wurde ein urbaner Stadtteil: Mit der Industrialisierung begann der Wohnungsbau in Herne-Süd. Der Heimatforscher Andreas Janik gibt Einblick in die Geschichte des Ortsteils. Un berichtet: Vier Höfe waren einst prägend.

Herne.. Wenn er in die Geschichte von Herne-Süd eintaucht, dann zitiert Heimatforscher Andreas Janik Caesar, genauer: de bello Gallico, den Gallischen Krieg. Herne-Süd sei wie Gallien „omnis divisa in partes tres“, also in drei Teile geteilt. Aus dieser Dreiteilung, so der 50-Jährige, sei aus dem alten Weideland der heutige Stadtteil entstanden.

Janik muss das wissen, er ist Experte in zweifacher Hinsicht. Er wohnt in Herne-Süd, er kennt den Stadtteil und die Menschen wie seine Westentasche: Auf der Altenhöfener Straße (ein Name mit historischem Bezug, das vorweg) betreibt er den Salon „Frisör Janik Haare & Mehr“, übernommen von seinen Eltern, die ihn 1958 eröffneten. In unzähligen Gesprächen mit seinen Kunden erfährt er viel über den Stadtteil.

Und nicht zuletzt: Unterm Geschäft, im Keller, hat er einen Raum eingerichtet, in dem er seiner zweiten Leidenschaft frönt: der Erforschung der Stadtgeschichte. Bücher und Akten-Ordner reihen sich um seinen Computer, mehr braucht er nicht, um Licht ans Dunkel zu bringen. Seine Freizeit verbringt er dort, wälzt Bücher, sichtet Dokumente, recherchiert im Internet. Die Geschichte von Schloß Strünkede hat er so bereits beleuchtet, aber auch über seine Heimat, Herne-Süd, weiß er Bescheid. Mehr als das Stadtarchiv, gibt Jürgen Hagen, Chef des Stadtarchivs, zu. Und das soll was heißen.

Erste Erwähnung im Heberegister

Zurück zu den Wurzeln. Die drei Teile, aus denen Herne-Süd besteht, sind laut Janik Altenhöfen (Dungilahon/Düngelen), Feldkamp (Regenkamp) und Vöde/Mark, sagt der Heimatforscher. So sei um 880/884 im Heberegister der Abtei Werden mit „Gerolf in villa Dungilahon“ erstmals der Name Düngelen aktenkundig geworden, 1435 sei auch die Herner Mark beziehungsweise Vöde erstmals erwähnt, 1486 im ältesten Steuerregister, dem Märkischen Schatzbuch, schließlich auch die Höfe Düngelmann und Regenkamp, auch Kampmann.

Überhaupt Höfe. „Herne-Süd“, sagt Janik, „war früher Bauernland“. Geprägt durch die vier großen Höfe Klüsener (im Bereich Flottmann- und Jahnstraße, Im Wietel), Masthoff (Berg-/Ecke Jean-Vogel-Straße, 1979 abgebrochen), Hesse (südliche Flottmannstraße, 1886 abgerissen) und Althoff (Altenhöfener Straße, abgerissen 1901). Die Industrialisierung sei es gewesen, die den Stadtteil verändert habe. Mit dem Abteufen der Schächte IV und V 1883 beziehungsweise 1895 der Zeche Vereinigte Constantin der Große auf dem Höhenrücken der Herner Mark sei so auch der Wohnungsbau gestartet: „Die Häuser an der Vöde- und Bergstraße sind alte Landarbeiterwohnungen der Bauern und der ersten Bergleute.“

Mautpflichtige Bochumer Straße

Ebenso seien zwischen 1907 und 1940 die Bereiche zwischen Shamrock- und Bochumer Straße als Arbeiterhäuser der Zeche Shamrock bebaut worden. Und nicht zu vergessen: Flottmann. Die Flottmann-Hallen, erinnert Janik, seien 1908 als Produktionsstätte errichtet worden, bis zu 1000 Menschen hätten in Tag- und Nachschichten in der Bohrhammer-Produktion gearbeitet. Auch die brauchten ein Dach über dem Kopf: So sei ab 1937 etwa mit der Errichtung von 23 Eigenheimen an der Anna-Luise-Straße begonnen worden, später seien weitere Wohnungsbaugenossenschaften hinzugekommen.

Ebenfalls ein Meilenstein für Herne-Süd: der Bau der Bochumer Straße 1839/40 als neue Hauptverbindung zwischen Bochum und Herne, sagt Janik. Besonderheit: Sie sei zunächst mautpflichtig gewesen.

 
 

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