Herne muss 97 neue Flüchtlinge in einer Turnhalle unterbringen

Feldbetten standen am Donnerstag für die knapp 100 Flüchtlinge aus Kriegs- und Krisengebieten in der Gesamtschule Wanne bereit.
Feldbetten standen am Donnerstag für die knapp 100 Flüchtlinge aus Kriegs- und Krisengebieten in der Gesamtschule Wanne bereit.
Foto: Rainer Raffalski / WAZ FotoPool
In Herne sind am Donnerstagnachmittag 97 Flüchtlinge aus Kriegs- und Krisengebieten eingetroffen. Sie werden zunächst in der Sporthalle der Gesamtschule Wanne-Eickel untergebracht. Sozialdezernent Chudziak spricht von einer "dramatischen Lage" für die Asylbewerber wie für die Stadt.

Herne.. Die kurzfristige Aufnahme der knapp 100 Flüchtlinge aus Kriegs- und Krisengebieten, die am Donnerstag in Herne eintrafen, ist für Herne „eine große humane und logistische Herausforderung“. Das sagte OB Horst Schiereck, als er sich am Mittag die Notunterkunft, die Dreifach-Turnhalle der Sporthalle an der Gesamtschule Wanne-Eickel, vor der Anreise der Asylbewerber anschaute. Sozialdezernent Johannes Chudzuiak, der Leiter des Krisenstabes, ging noch einen Schritt weiter: Er spricht von einer „dramatischen Lage – für die Flüchtlinge und für Herne“.

Kurz nach 15 Uhr kamen die Asylbewerber in zwei Bussen in Herne an. Drei Wochen lang sollen sie in der Stadt bleiben, weil die zentralen Sammelunterkünfte des Landes für die Erstaufnahme überfüllt sind. Zunächst wurden sie in einer eigens errichteten Zeltstadt auf dem Cranger Kirmesgelände namentlich aufgenommen, untersucht und vom THW verpflegt. Anschließend wurden sie zur Turnhalle der Gesamtschule Wanne gefahren, wo sie maximal bis Dienstag bleiben sollen. Um dann in der Sporthalle Wanne-Süd unterzukommen.

Wer kommt? Woher? In welchem Zustand? Alles unbekannt

Bis zum Nachmittag war die Lage noch völlig unklar. Die Stadt wusste nur eines: das Land schickt rund 100 Flüchtlinge. Wie viele genau, woher sie kommen, in welcher Situation sie sich befinden, ob sie gesund sind oder mit Angehörigen reisen – all das war dem Krisenstab aus Stadt, Polizei und Feuerwehr zunächst nicht bekannt. Die Devise hieß: abwarten, wer kommt, und dann helfen, so gut es geht.

Immerhin: Die Notunterkunft war gegen Mittag, als sich OB und Sozialdezernent in Wanne informierten, bezugsfertig. Feldbetten waren aus dem Lager geholt, Handwerker reparierten auf die Schnelle noch lose Decken- und Wandteile, Polizei und Security patroullierten vor der Tür. „Wir sind so gut vorbereitet, wie man das in zwölf Stunden nur sein kann“, kommentierte Sozialdezernent Chudziak in Anspielung auf den Umstand, dass die Stadt erst Mittwoch zur Aufnahme verpflichtet wurde.

Es fehlen Duschen, es fehlt Zeit

Alternative Standorte für die Flüchtlinge in Herne, betont die Stadt, gebe es nicht. „Aus der Hüfte geschossene Vorschläge“, so der OB, gebe es mittlerweile zwar reichlich. Allein: Keiner sei in der Kürze der Zeit zu realisieren.

In leergezogenen Schulen etwa fehlten Duschen, für den Aufbau etwa von Dusch-Containern fehle die Zeit, sagt Chudziak. In den Sporthallen, vor allem im Sportpark Eickel, sei die Logistik für die kurzfristige Unterbringung dagegen geeignet.

Bis in den Abend hinein werden die Flüchtlinge in Crange aufgenommen. 110 Asylbewerber wurden vom Land angekündigt, 97 kamen nach Herne. Die Stadt prüft nun, wer genau eingetroffen ist. Fakt sei: Die meisten kämen aus den Krisengebieten, sagt Stadtsprecher Christian Matzko, etwa aus Syrien, aber auch aus Palästina.

DRK hilft Tag und Nacht

Vor Ort in der Turnhalle der Gesamtschule Wanne-Eickel sind ehrenamtliche Helfer des DRK, die bis auf Weiteres die Flüchtlinge Tag und Nacht betreuen, aber auch verpflegen. In der Aula der Schule wurde eine Mensa eingerichet, während des laufenden Schulbetriebs nehmen die Flüchtlinge dort ihre Mahlzeiten ein. Gekocht wird in einer DRK-Einrichtung.

 
 

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