„Herne hat großes Potenzial bei Denkmälern“

Thorsten Brokmann war überrascht von der Zahl der Denkmäler in Herne.
Thorsten Brokmann war überrascht von der Zahl der Denkmäler in Herne.
Foto: FUNKE Foto Services
Thorsten Brokmann ist neuer Teamkoordinator der Unteren Denkmalbehörde. Sein Ziel ist ein Denkmalschutz der Verständnis bei den Menschen weckt.

Herne..  Die Untere Denkmalbehörde der Stadt Herne hat seit wenigen Monaten einen neuen Teamkoordinator. Thorsten Brokmann erläutert im Gespräch mit WAZ-Redakteur Tobias Bolsmann den Stellenwert des Denkmalschutzes und seine Bedeutung für Herne.

Herr Brokmann, vor Ihrem Wechsel nach Herne haben Sie in Berlin gearbeitet. Von der Hauptstadt in eine der Ruhrgebietsstädte, das ist ein ziemlicher Kontrast. Was war Ihre Motivation?

Brokmann: Ich hatte in Berlin Denkmalpflege studiert und bereits in einem Architekturbüro mit denkmalpflegerischem Schwerpunkt gearbeitet. Einerseits war es mein Ziel, ins Ruhrgebiet zurückzukehren, um quasi die Heimat nach vorne zu bringen, andererseits bietet sich für mich in Herne die Chance, an verantwortlicher Position in die kommunale Denkmalpflege einzusteigen.

Kannten Sie Herne denn bereits?

Da ich auch in Dortmund gearbeitet habe, kannte ich auch Herne. Allerdings hatte ich die Denkmäler bislang nicht im Blick.

Sind die denn überhaupt der Rede wert?

Auf jeden Fall. Im Bestand der Stadt befinden sich über 700 Denkmäler. Von dieser Zahl war ich dann doch überrascht.

Haben Sie Favoriten?

Nein, ich mache da keine Unterschiede. Eins kann ich aber sagen: Herne muss sich auf keinen Fall verstecken. Wenn man sich mit der Stadt beschäftigt, erkennt man das große Potenzial. Da Wanne-Eickel und Herne im Zweiten Weltkrieg nicht völlig zerstört wurden, haben sie unter anderem einen qualitätsvollen Gebäudebestand aus der Gründerzeit. Das ergibt eine reizvolle Kombination mit den Siedlungsbereichen der Zechen. Außerdem gibt es einige verborgene Schätze, etwa wunderschöne Treppenhäuser hinter unscheinbaren Fassaden.

Das klingt viel nach Bewahren des Alten. Wie kann Denkmalschutz denn auch zur aktuellen Stadtentwicklung beitragen?

Wir als Untere Denkmalbehörde sind in viele Fragen der Stadtplanung einbezogen, ganz aktuell bei der beabsichtigten Neugestaltung des Europaplatzes. Andere Beispiele sind die Überarbeitung des Bebauungsplans und der Satzungen für die Siedlung Teutoburgia. Auch bei der Erstellung der Gestaltungsfibel für die Hauptstraße in Wanne stand die Untere Denkmalbehörde beratend zur Seite. Denkmalschutz kann ein gutes Stück zur Stadtreparatur beitragen. Wird ein Gebäude qualitätsvoll und denkmalgerecht saniert, ist es ein Vorbild und strahlt positiv auf die Umgebung aus. Dafür gibt es einige Beispiele, etwa den Wohnblock an der Amtmann-Winter-Straße am Buschmannshof.

Es gibt aber auch Klagen, dass Denkmalschutz ein hindernder Faktor ist...

Denkmalschutz muss immer die Grenzen des Vertretbaren ausloten. Er darf aber von den Bürgern nicht unzumutbare Dinge verlangen, sondern er muss im Dialog mit allen Beteiligten wie Besitzern, Architekten und Handwerkern auch nach Kompromissen suchen. Und Denkmalschutz sollte nicht bevormunden und nicht „von oben herab“ geschehen. Er muss bei den Bürgern Verständnis wecken.

Dann ist das beim Hertie-Gebäude missglückt?

Bei einem Gebäude wie Hertie sollten die Besonderheiten vermittelt werden. Dort haben wir es mit einer völlig neuen Denkmalschicht zu tun, die anders betrachtet werden muss. Das Gebäude wurde vor dem Hintergrund des damals herrschenden Fortschrittsglaubens mit zum Teil neuen Bautechniken gebaut.

Fortschritt ist an dieser Stelle jedenfalls nicht mehr zu sehen. Das Gebäude behindert die Stadtentwicklung.

Richtig ist auf jeden Fall, dass ein nicht angemessen genutztes Denkmal keine gute Zukunft hat und dem Verfall preisgegeben ist. Ich bin auch gespannt, wie die Sache mit Hertie ausgeht.

Abgesehen vom Ausgang dieses Verfahrens: Wie kann man besser Verständnis für die Belange des Denkmalschutzes wecken?

Man muss stärker an die Öffentlichkeit treten, zum Beispiel die Kontakte zu Hochschulen ausbauen. Herne bietet beispielsweise viele Themenbereiche für denkmalbezogene Studienarbeiten. Wichtig ist auch, den Bürgern Erfolge und positive Effekte des Denkmalschutzes und der Denkmalpflege zu vermitteln.

Wohnen Sie eigentlich selbst in einem Denkmal?

Aktuell nicht. Ich bin aber zurzeit auf der Suche nach einer Wohnung. Ich schaue natürlich, ob ich etwas Denkmalgeschütztes finde.

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