Herne beschließt Containerdörfer für Flüchtlinge

Die Stadt Herne will – wie hier 2012 am Zechenring – zunächst 100 weitere Container für Flüchtlinge aufstellen.
Die Stadt Herne will – wie hier 2012 am Zechenring – zunächst 100 weitere Container für Flüchtlinge aufstellen.
Foto: WAZ FotoPool
Wegen der steigenden Flüchtlingszahlen mietet Herne nun Container an. Außerdem denkt die Stadt über die Errichtung von winterfesten Zeltdörfern nach.

Herne..  In Herne entstehen ab Herbst mehrere Containerdörfer für Flüchtlinge. Standorte dafür gibt es allerdings noch nicht. Das hat der Rat am Dienstagabend beschlossen. Politische Diskussionen im Vorfeld waren kaum möglich: Weil die Flüchtlingszahlen dramatisch steigen und Container knapp werden, drängte die Stadt mit dem Ende der Sommerpause auf eine sofortige Entscheidung.

Und die ist nun da. Konkret will die Verwaltung in einem ersten Schritt 100 Container für eine Laufzeit von bis zu fünf Jahren anmieten. Sie sollen Platz bieten für bis zu 400 Menschen. Kostenpunkt: drei Millionen Euro Miete. Auf diese Container-Plätze, sagte Sozialdezernent Johannes Chudziak im Rat, sei die Stadt ob der immer weiter steigenden Flüchtlingszahlen „dringend angewiesen“.

Und doch, so betonte er, würden auch diese längst nicht ausreichen: Aktuell lebten 630 Flüchtlinge in den städtischen Unterkünften, das seien doppelt so viele wie zu Jahresbeginn. Allein: Bis Ende 2015, schätzt er, müsse Herne noch einmal zwischen 1200 und 2000 zusätzliche Plätze einrichten. Deshalb reichten auch die Container bei weitem nicht aus. Daher prüfe die Stadt auch den Aufbau von winterfesten Zelten.

Eine erste, kurzfristige Abhilfe sollen die besagten Containerdörfer schaffen. Mehr als 60 Flüchtlinge in Herne leben zurzeit in den so genannten Mobilbauten auf dem Gelände des Übergangsheims am Zechenring in Horsthausen. Wo die neuen aufgestellt werden, ist noch nicht klar. Die Stadt wollte die ersten Container zunächst auf den Schulhöfen der ehemaligen Dannekamp- und Janoschschule aufstellen (die WAZ berichtete), schwenkte ob der jüngsten Entwicklungen aber um: Die ehemalige Janoschschule in Baukau soll nun in eine Erstaufnahmeeinrichtung des Landes umfunktioniert werden – ohne Container. Ob auch das Außengelände der ehemaligen Dannekampschule in Unser Fritz Container erhält, will die Stadt in Kürze entscheiden. Sie prüft derzeit Dutzende städtische Grundstücke daraufhin, ob sie für Containerdörfer geeignet sind, also etwa auch Anschluss an die Kanalisation haben.

Opposition scheitert mit Vorstoß

Grüne, Linke, FDP und Piraten-AL scheiterten im Rat mit dem gemeinsamen Vorstoß, die Stadt möge Gespräche mit dem Land führen, um die Gästezimmer in der Akademie Mont-Cenis, aber auch leere Landesimmobilien vor Ort für Flüchtlinge nutzen zu können. Eine Unterbringung in Containern und Zelten, begründete Grünen-Fraktionschefin Dorothea Schulte, sei beschämend, wenn Landes-Gebäude in Herne zur Verfügung stünden.

Die rot-schwarze „Koalition“ erteilte dem Vorschlag eine Absage: Frage die Stadt beim Land nach Plätzen in dessen Immobilien, verliere sie die Hoheit über die Flüchtlingsverteilung, so SPD-Fraktionschef Frank Dudda. Dann könnte das Land auch die Aufstellung von Containern rund um die Akademie rechtfertigen. Im nicht-öffentlichen Teil beschloss der Rat zudem die Anmietung einer ehemaligen Pension in Herne für bis zu 40 Flüchtlinge.

Provisorisches Notlager in der ehemaligen Janoschschule

Drei Schulen und mehr als ein Dutzend Sportvereine sollen Ende Oktober in die Sporthalle Wanne-Süd zurückkehren. Das provisorische Notlager des Landes für Flüchtlinge soll in die ehemalige Janoschschule verlagert werden.

Hintergrund: Am 20. Juli hat Arnsberg mehr als 100 Flüchtlinge nach Herne geschickt, die Stadt musste noch am selben Tag im Sportpark Eickel eine Zeltstadt errichten; zwei Tage später zogen die Asylbewerber in die Halle. Dort, so teilte das Land mit, sollten sie rund drei Wochen bleiben, dann sogar bis in den Oktober hinein. Eine weitere, wochenlange Verlängerung sei mittlerweile realistisch, sagte Sozialdezernent Johannes Chudziak im Rat. Konsequenz: Viele Schulen und Vereine, die die Halle nutzen, hätten bis auf Weiteres keine Sportstätte.

Das will die Stadt verhindern. Bis zu den Herbstferien soll die Janoschschule zum Erstaufnahmelager umfunktioniert werden. Sind die Flüchtlinge umgezogen, soll die Dreifachturnhalle bis Ende Oktober wieder geöffnet werden. Bernd Westemeyer, stellvertretender Chef des Stadtsportbundes, begrüßt diese Lösung: Er schließt nicht aus, dass Herne weitere Erstaufnahmen schultern müsse. Die weitere Nutzung von Sporthallen sei dann keine Lösung.

 
 

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