Hausärzte gesucht

Foto: Joerg Koch/ ddp
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Mit einem Qualifizierungsangebot aus einem Guss soll die Emscherstadt für angehende Hausärzte attraktiver werden. Dazu schließen sich Mittwoch acht Hausärzte aus Herne und Wanne-Eickel, das St. Anna-Hospital Wanne, das Marienhospital Herne und das Evangelische Krankenhaus Herne zu eine Weiterbildungsverbund zusammen.

Bevor Hausärzte sich niederlassen können, müssen sie eine dreijährige Ausbildung in Krankenhäusern und eine zweijährige in einer Hausarztpraxis durchlaufen. „Es kann ziemlich mühsam sein, die einzelnen Stationen zusammenzusuchen“, sagt Dr. Iris Veit, Sprecherin des Herner Ärztenetzes, das den Weiterbildungsverbund unterstützt. „Sie bekommen vielleicht hier eine Stelle in der Chirurgie, dort eine in der Inneren, wieder woanders in Kinderheilkunde.“ Das bedeute oft nicht nur Einschränkungen des Privatlebens, sondern auch Zeitverzögerungen, denn die Stationen reihten sich selten direkt aneinander. Und genau dies will der Weiterbildungsverbund nun unter anderem ändern: Ein Fünf-Jahres-Konzept macht den nahtlosen Wechsel von einer Station zur nächsten möglich. Hinzu kommt ein inhaltlicher Aspekt: Die Kliniken achten darauf, dass die angehenden Hausärzte das lernen, was für sie später in der Praxis wichtig ist: „Ein Allgemeinmediziner“, nennt Dr. Veit ein Beispiel, „muss keinen Herzkatheter setzen können, das macht er später nie wieder. Es reicht, wenn er sich das eine Woche lang ansieht, damit er später Patienten erklären kann, was sie dabei erwartet.“

Der Weiterbildungsverbund garantiert außerdem, dass jedem jungen Arzt ein Mentor zur Seite steht, der ihn begleitet und berät. Auch untereinander können sich die angehenden Hausärzte regelmäßig austauschen. Außerdem werden ihnen in Herne und Wanne-Eickel noch Zusatzqualifikationen in der Palliativmedizin und Geriatrie angeboten, die vorgeschriebene Ausbildung in der „psychosomatischen Grundversorgung“ ebenfalls. Die Kosten für diese Zusatzqualifikationen tragen zunächst die drei beteiligten Krankenhäuser, Dr. Veit hofft aber auch auf weitere lokale Sponsoren.

„Ich bin ganz stolz, dass wir den Weiterbildungsverbund hingekriegt haben“, sagt sie. „Solche Zusammenschlüsse entwickeln sich landesweit erst seit zwei Jahren, und es ist durchaus ungewöhnlich, dass niedergelassene Ärzte und Krankenhäuser in dieser Form kooperieren.“ Neben dem Ziel, die Ausbildung der angehenden Hausärzte qualitativ zu verbessern, hofft der Verbund aber auch noch auf einen weiteren Effekt: Die jungen Ärzte als neue Kollegen für Herne und Wanne-Eickel gewinnen zu können. Denn das tut Not: Herne hat jetzt schon pro Hausarzt überdurchschnittlich viele Patienten zu versorgen, die zudem älter und kranker sind als in vielen anderen Städten. Und: viele der Hausärzte gehen auf die 60 zu oder sind schon darüber, mit der Folge, dass in den nächsten Jahren manche Praxis aufgegeben werden müsste, wenn sich kein Nachfolger findet. Sie rechne zwar nicht damit, dass es in Herne zu einer Unterversorgung komme, so Dr. Veit, „aber wenn immer weniger Hausärzte immer mehr Patienten versorgen müssen, kann sich jeder vorstellen, was das bedeutet - sowohl für die Patienten, für die immer weniger Zeit bleibt, als auch für die Ärzte, die unter immer stärkerem Druck arbeiten müssen – und dabei keine Fehler machen dürfen.“

 
 

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