Grausamer Tod einer Mutter aus Herne erneut vor Gericht

In dieser Schrottimmobilie an der Riemker Straße  wurde die Leiche der Mutter 2012 gefunden.Foto:Franz Luthe, archiv
In dieser Schrottimmobilie an der Riemker Straße wurde die Leiche der Mutter 2012 gefunden.Foto:Franz Luthe, archiv
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Der grausame Tod einer Wanne-Eickelerin wird erneut vor Gericht verhandelt: Der 38-jährige Angeklagte kann dabei aus juristischen Gründen auf eine mildere Bestrafung hoffen, muss aber möglicherweise in Sicherungsverwahrung. Er hatte seine Stieftöchter massiv sexuell missbraucht

Herne/Bochum. Der gewaltsame Tod einer neunfachen Mutter aus Wanne-Eickel beschäftigt seit Donnerstag erneut das Bochumer Landgericht. Dabei kann der 38-jährige Angeklagte auf eine mildere Bestrafung hoffen.

Der grausame Fall hatte wochenlang Schlagzeilen gemacht. Der Angeklagte hatte seine Frau im September 2012 nach einem Streit durch einen Messerstich ins Herz getötet. Jugendliche hatten die Leiche später durch Zufall in einem Herner Abrisshaus an der Riemker Straße gefunden. Sie war in Säcke verschnürt und sah aus wie weggeworfen.

Richter wollte Mädchen schützen

Das Bochumer Schwurgericht hatte den Herner Familienvater in einem ersten Prozess zu 13 Jahren Haft verurteilt. Das war im Mai 2013. Der Bundesgerichtshof (BGH) hatte später – auf Revision der Verteidigung – die Höhe der Strafe gerügt und den Fall zur Neuverhandlung nach Bochum zurückverwiesen. Nun ist die 3. Strafkammer des Landgerichts am Zug.

Im neuen Verfahren geht es nur um die Strafhöhe. Das Problem: Beim ersten Urteil war auch ein weiteres Familiendrama berücksichtigt worden. Im Prozess war nämlich herausgekommen, dass der Angeklagte nicht nur seine Ehefrau mit einem Stich ins Herz erstochen hat, sondern dass er auch seine beiden Stieftöchter massiv sexuell missbraucht hat. Die beiden Mädchen waren zu Beginn der Übergriffe gerade einmal zehn Jahre alt. Der Angeklagte hatte weit über 200 Fälle eingeräumt – samt Entjungferung.

Diese unfassbare Tatserie war damals jedoch gar nicht angeklagt gewesen. Um den Mädchen einen weiteren Prozess zu ersparen, hatten die Richter die Strafe deshalb wohl extra etwas höher ausfallen lassen - in der Hoffnung, dass die Bochumer Staatsanwaltschaft auf ein weiteres Strafverfahren wegen Kindesmissbrauchs verzichtet. Doch das ist nicht passiert.

Und nicht nur das: Wie zu erfahren war, strebt die Staatsanwaltschaft tatsächlich einen weiteren Prozess und eine dann noch höhere Bestrafung an – samt anschließender Sicherungsverwahrung.

Staatsanwalt macht Urlaub

Das Problem ist jedoch: Die nun zuständigen Richter warten bis heute vergebens auf die weitere Anklage, die sie eigentlich gemeinsam mit dem Revisionsverfahren verhandeln wollten. Doch abgesehen davon, dass der zuständige Staatsanwalt wegen Urlaubs gar nicht erschien, gibt es auch noch weitere, rechtliche Stolpersteine, die gegen eine gemeinsame Verhandlung sprechen könnten.

Der Prozess wird in der kommenden Woche am Bochumer Landgericht fortgesetzt.

 
 

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