Gestatten: Gunnar Wanne-Eickel

Warum sich ein preisgekrönter TV-Regisseur aus Mainz nach der Mondstadt benannt hat,obwohl er nie dort gewesen ist: Stephan Wagner und seine Doppelidentität

Wanne-Eickel..  Tolle Kritiken erhielt er, der jüngst in der ARD ausgestrahlte Fernsehfilm „Mord in Eberswalde“ mit Ronald Zehrfeld, und jetzt auch noch den Deutschen Fernsehkrimipreis 2013. Zuschauern aus Wanne-Eickel dürfte aber noch etwas ganz Anderes in Erinnerung geblieben sein: Im Abspann tauchte die Information „Schnitt: Gunnar Wanne-Eickel“ auf.

Gunnar Wanne-Eickel? Den Nachnamen gibt es in Deutschland eigentlich nicht, wenn man Telefon- und Adressbüchern Glauben schenken darf. Ein Künstlername? Ja, so ergab die Recherche bei WDR und Westside-Filmproduktion. Hinter diesem Pseudonym verbirgt sich Stephan Wagner, der Regisseur von „Mord in Eberswalde“ sowie zahlreicher anderer Fernsehfilme von „Der Fall Jakob von Metzler“ über „Der Stich des Skorpion“ bis hin zu „Tatort - Borowski und die Frau am Fenster“.

Liebeskummer wegen Peter

Mainzer ist der 44-Jährige. Und seine biografischen Daten geben auch nicht den Hauch eines Hinweises auf eine mögliche Verbindung zum Ruhrgebiet, geschweige denn zu Wanne-Eickel oder Herne.

Und tatsächlich: „In Wanne-Eickel bin ich noch nie gewesen“, bekennt der 44-Jährige. Wie kam er dann zu dem Pseudonym? Das sei auf eine frühere New-York-Visite zurückzuführen, erzählt er. Er habe dort eine Bekannte besucht. „Als ich da war, hatte ihr Freund sie gerade verlassen – ein Peter aus Wanne-Eickel. Damit hat sie mir die ganze Zeit in den Ohren gelegen“, so Wagner. Das habe er nicht vergessen. Und da er zusätzlich noch ein Faible für Doppelnamen habe, habe er sich bei der Wahl des Pseudonyms für Wanne-Eickel entschieden.

Und der „Gunnar“? „Der stammt von Gunnar Schulz-Bunkel“, sagt der Regisseur und Drehbuchautor. Das sei ein Radio-Mann vom SWR 1 mit einer sehr prägnanten Stimme, den er sehr geschätzt habe. Macht: Gunnar Wanne-Eickel.

Und warum überhaupt ein Pseudonym? „Wir leben in einem Land, in dem man nur ein Talent haben darf“, sagt der 44-Jährige. Wenn jemand mehrere Talente habe, führe das bei vielen zu einem „Data-Overflow“. Um im Abspann seiner Filme nicht mehrfach vertreten zu sein, habe er sich als Cutter in Gunnar Wanne-Eickel verwandelt.

Übrigens: Völlig fremd ist dem Regisseur Wanne-Eickel nicht. „Von der Cranger Kirmes habe ich schon mal etwas gehört“, sagt er. Ob er seinem „Namensgeber“ mal einen Besuch abstatten wird, weiß er nicht.

Doch zumindest eins kann Stephan Wagner alias Gunnar Wanne-Eickel versprechen: „Ich werde mich bemühen, den Ruhm Wanne-Eickels zu mehren.“

Mehr als 26 Filme hat Stephan Wagner inzwischen gedreht. Der 44-Jährige führte darin nicht nur Regie, sondern zeichnete häufig auch für Bereiche Drehbuch und Schnitt sowie bisweilen auch für die Produktion verantwortlich.

Für „Dienstreise – Was für eine Nacht“ erhielt er 2004 den Adolf-Grimme-Preis, Kategorie „Fiktion und Unterhaltung“. Darüber hinaus erhielt er zahlreiche Grimme-Preis-Nominierungen, u.a. für „Lösegeld“ (2013).

Für „Polizeiruf 110 – Klick gemacht“ wurde er 2009 mit dem Goldenen Gong ausgezeichnet.

Für seinen Abschlussfilm an der Filmakademie Wien wurde er nach Cannes eingeladen.

 
 

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