Geraubte Küsse, gestohlene Herzen

Mit Fällen wirklichen oder vermeintlichen geistigen Diebstahls setzt sich in Herne die Compagnia di Punto gemeinsam mit der Sopranistin Raffaella Milanesi auseinander.
Mit Fällen wirklichen oder vermeintlichen geistigen Diebstahls setzt sich in Herne die Compagnia di Punto gemeinsam mit der Sopranistin Raffaella Milanesi auseinander.
Foto: WDR
Die Sopranistin Raffaella Milanesi und die Compagnia di Punta entführten das Publikum bei den Tagen Alter Musik in die Welt der Kammermusiksoireen.

Herne..  Mit Opernarien und Instrumentalmusik des 18. und frühen 19. Jahrhunderts unter dem Motto „Geraubte Küsse, gestohlene Herzen“ eröffneten Sopranistin Raffaella Milanesi und die Compagnia di Punto unter Leitung von Christian Binde am Donnerstag im KuZ. Die Gäste aus Italien entführen ihr Publikum mit halbszenischen Elementen wie einer roten Chaiselongue in die Welt der Kammermusiksoireen - z.B. am schwäbischen Hof von Kraft Ernst von Oettingen-Wallerstein, an dem alle Komponisten des Programms tätig waren.

Schäferstündchen mit der Braut

Und für diese Meister stellte sich die Frage nach musikalischer Inspiration, Plagiat oder Diebstahl noch nicht, da bis zur Aufklärung vorrangig die Kunstfertigkeit der Ausführung einer Melodie wertgeschätzt wurde.

Die strengen, herben Töne, die Raffaella Milanesi zum Auftakt in Joseph Haydns Kanon „Du sollst nicht stehlen“ anschlägt, wurden damals in musikalischer Hinsicht erst allmählich ernst genommen. In spielerischer Nonchalance geht es auch weiter mit Franz Danzis Variationen über Don Giovannis Verführungsarie „Reich mir die Hand, mein Leben“ aus Mozarts Oper; in abrupten düsteren Moll­eintrübungen nimmt die ungemein klare, präzise Gestaltung der Compagnia di Punto den aufklärerischen Protest gegen das bis dato als selbstverständlich betrachtete Recht der Gutsherren auf ein Schäferstündchen mit der Braut auf. Aufbegehrende Frauen porträtiert Raffaella Milanesi mit verhalten-gebändigter und daher umso packenderer Expressivität in der Cavatina der Sandrina aus Mozarts Oper „La finta giardiniera“ und in Serpettas Arie „Appena mi vendon“ aus dem gleichen Werk. In fiebriger Erregung, ohne lyrische Biedermeierschwärmerei, singt sie auch Blondchens Arie „Welche Wonne, welche Lust“ aus Mozarts Singspiel „Die Entführung aus dem Serail“. Unaufdringliche, aber bezwingende Bühnenpräsenz charakterisiert ihre hochdramatische und farbige Interpretation von Mozarts Konzertarie „Misera, dove son“ ebenso wie das spröde-distanzierte „Heidenröslein“ von Heinrich Werner.

Formvollendete Grazie

Das Spiel der Compagnia di Punto zeichnet sich im tänzerischen Menuett-Trio aus Haydns Divertimento D-Dur durch formvollendete Grazie, ein volles und doch nicht überbordendes Klangbild und hohe Klangtransparenz aus. Subtiler Spannungsaufbau und klare Konturen prägen die Gestaltung der Compagnia di Punto in Antonio Rosettis Marche aus dem Notturno Es-Dur; mit trotz kammermusikalischer Feinheit vollem Klang begeistert das Ensemble in der Romanze aus dem gleichen Werk.

 

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