Gegenwind für Uwe Knüpfer

Mit seiner Kandidatur hat Vorwärts-Chefredakteur Uwe Knüpfer in der Herner SPD, im Bild die Zentrale an der Bochumer Straße, große Turbulenzen ausgelöst.
Mit seiner Kandidatur hat Vorwärts-Chefredakteur Uwe Knüpfer in der Herner SPD, im Bild die Zentrale an der Bochumer Straße, große Turbulenzen ausgelöst.
Foto: WAZ FotoPool
Die Bundestags-Kandidatur des „Vorwärts“-Chefredakteurs Uwe Knüpfer stößt in der Herner SPD auf Unverständnis und Kritik.

Herne.. Nicht zuletzt mit dem Verweis auf „tiefe Gräben“ in der Herner SPD hat „Vorwärts“-Chefredakteur Uwe Knüpfer seine überraschende Kandidatur für den Bundestag in seiner Heimatstadt auf Nachfrage der WAZ begründet. Eine große Kluft tat sich am Dienstag in der Tat in der Sozialdemokratie auf: die zwischen Knüpfer und Funktionären der Herner SPD. An der Basis schlägt dem Vorstoß des Journalisten Zweifel, Kritik und Ablehnung entgegen. Noch etwas trat zutage: Knüpfer war offenbar nicht der einzige Genosse, der für eine späte Kandidatur gewonnen werden sollte.

Das berichtet Ulrich Klonki, Chef der SPD Sodingen, auf Anfrage. Es gebe seines Wissens „mindestens drei weitere Sozialdemokraten“, die angesprochen worden seien, sagt der Ratsherr. Auch er sei – in einem früheren Stadium des Verfahrens – zu einer solchen Kandidatur aufgefordert worden, habe aber abgelehnt. Kurz vor der Cranger Kirmes, also erst vor wenigen Wochen, habe ihn ein Genosse um Rat gefragt, dem ebenfalls ein solches „Angebot“ unterbreitet worden sei. „Ich habe ihm geraten: Lass das sein!“ Offenbar mit Erfolg. Wer im Hintergrund um Kandidaturen geworben hat, wollte Klonki nicht sagen. Klartext redet der Sodinger zur Begründung Knüpfers: „Es ist Unsinn zu behaupten, dass es tiefe Gräben in der Herner SPD gibt.“ Er wünsche sich höchstens manchmal, dass in der Partei offener diskutiert wird.

Tiefe Gräben? Dieses zentrale Argument Knüpfers weisen auch Juso-Chef Darius Ribbe sowie Kollegen von Klonki auf Anfrage entschieden zurück. „So etwas sehe ich nicht“, sagt Volker Bleck, Vorsitzender der SPD Wanne. „Davon weiß ich nichts“, erklären unisono Gaby Przybyl (SPD Herne-Stamm), Jürgen Scharmacher (SPD Herne-Mitte) und Thomas Spengler (SPD Pantringshof). „Wir haben eine lebhafte Diskussionskultur, aber keine tiefen Gräben“, so Roberto Gentilini (SPD Baukau).

Geschlossen ist auch der Tenor hinsichtlich des Vorgehens Knüpfers: „Es überrascht mich sehr, dass hier einer so spät aus dem Gebüsch kommt“, sagt beispielsweise Volker Bleck. Und: Anders als Jörg Högemeier, Ortsvereins-Chef in (Knüpfers Ortsverein) Börnig/Holthausen, räumt keiner der Befragten dem Vorwärts-Chefredakteur eine echte Chance ein. So sieht es auch SPD-Ratsfraktions-Chef Frank Dudda. „Verfahrenstechnisch ungewöhnlich, politisch nicht mehrheitsfähig“, bewertet er Knüpfers Initiative. Zwar sei dieser mit seinem Hintergrund „ein interessanter Kandidat“. Die Anforderung der Herner SPD erfülle er aber nicht. „Ihm fehlt die Bodenhaftung. Die Berliner Twitter-Welt ist nicht die Herner Lebenswelt“, so Dudda.

Überraschung auch in Bochum

Jungsozialist Ribbe hat sich noch in anderer Hinsicht gewundert: Anders als die Ortsvereins-Spitzen wurde er nicht von (dem einstigen Herner Juso-Chef) Knüpfer informiert. Und das, obwohl die Jusos mehrere Delegierte zum Herner Parteitag am 11. September stellen, auf dem der „politische“ Beschluss für die Bundestagskandidatur fallen wird. Die formale Entscheidung fällt am 18. September auf der SPD-Wahlkreiskonferenz Herne/Bochum II. Die Herner Sozialdemokraten besitzen hier bekanntlich eine recht deutliche Mehrheit; die Kräfteverhältnisse liegen etwa bei zwei Drittel zu einem Drittel.

Und schon kursieren Spekulationen, dass Knüpfer am 18. September auf die Bochumer Delegierten sowie einige „Unzufriedene“ aus Herne setzen könnte. Dafür müsste er aber mit einer Tradition brechen: Es gilt als ungeschriebenes Gesetz, dass der/die in Herne unterlegenen Kandidat/en nicht mehr auf der gemeinsamen Wahlkreiskonferenz antreten. Michelle Müntefering und Anke Hildenbrand wollen sich daran halten, Knüpfer hat sich bisher öffentlich nicht dazu geäußert.

Der Bochumer Partei-Chef Thomas Eiskirch reagierte auf WAZ-Anfrage übrigens ebenso überrascht und kritisch gegenüber der späten Kandidatur Knüpfers wie viele Herner Genossen.

 
 

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