Fünf Meter hohe Plattform krönt Plutohalde in Wanne-Eickel

Gabriele Heimeier
Bis weit in den Kreis Recklinghausen und bis zum Essener Rathaus reicht der Blick von der Aussichtsplattform auf der Plutohalde.
Bis weit in den Kreis Recklinghausen und bis zum Essener Rathaus reicht der Blick von der Aussichtsplattform auf der Plutohalde.
Foto: WAZ FotoPool
Jetzt hat auch Wanne-Eickel eine Landmarke: „Hausherr“ Ulrich Carow vom Regionalverband Ruhr und Hernes Oberbürgermeister Horst Schiereck eröffneten gestern die fünf Meter hohe Aussichtsplattform auf der Plutohalde. Von dort aus haben Besucher einen weiten Blick über das Ruhrgebiet.

Wanne-Eickel.  Der Tetraeder in Bottrop, das Horizont-Observatorium auf der Halde Hoheward und nun auch ein Pylon mit Aussichtsplattform auf der Plutohalde in Bickern: Seit gestern hat Wanne-Eickel seine eigene „Landmarke“, allerdings weniger imposant als die vorgenannten.

„Und das ist auch gut so“, sagt Hiltrud Buddemeier, Vorsitzende des BUND Herne und des Landschaftsbeirates, die Sturm gelaufen war gegen die ursprünglichen, weitaus umfassenderen Pläne des Regionalverbandes Ruhr (RVR). Das „sehr zähe Ringen“ mit Herne sprach auch RVR-Bereichsleiter Ulrich Carow an. Als „Hausherr“ eröffnete er gestern bei Postkartenwetter mit Oberbürgermeister Horst Schiereck die fünf Meter hohe Aussichtsplattform auf der Plutohalde, von der aus sich ein weiter Rundumblick übers Revier bietet.

Im Ruhrgebiet, so Carow, stehe man oft vor der schwierigen Situation, Natur für Menschen und Natur für Natur in Einklang zu bringen. Es sei bezeichnend, „dass hier kein schlechter Kompromiss dabei herausgekommen ist“, so Carow. Mit Augenmaß sei von allen Beteiligten eine gute Lösung entwickelt worden. Ziel des RVR sei es, der Bevölkerung erlebbare Landschaften zurückzugeben, die sie durch die Industrialisierung verloren hatte.

„Pantoffelgrün“ für die Wanner

Die Wanner, sagt Horst Schiereck schmunzelnd, hätten die Halde immer schon als Pantoffelgrün genutzt, „auch als das eigentlich noch verboten war“. Durch die 15 Meter lange Rahmentreppe sei das Gelände nun an das Wegenetz angeschlossen und könne mit einem kleinen Abstecher von der nahen Erzbahntrasse angesteuert werden. Auf der anderen Seite komme aber auch die Natur zu ihrem Recht.

Deren Wert hob Hiltrud Buddemeier noch einmal hervor: „Es hat sich hier eine mediterrane Landschaft entwickelt, die man so kaum einmal findet“, sagte sie. Am Tag der Artenvielfalt im Jahr 2000 hätten Wissenschaftler der Ruhr-Universität Bochum bereits 1400 Tier- und Pflanzenarten festgestellt. Mittlerweile brüteten in dem bewaldeten Teil die sehr seltenen Waldschnepfen, auf der benachbarten Thyssenhalde hätten sich Kiebitze angesiedelt. Froh ist Hiltrud Buddemeier vor allem darüber, dass die anfangs geplante 4000 Quadratmeter große Spiel- und Sportlandschaft nicht verwirklicht wurde und nun der Natur zur Verfügung steht.

Ein dickes Lob erhielt der RVR von dem Wanner Ehepaar Knutzen, das ganz zufällig auf der Halde war. Früher seien sie viel im Münsterland Rad gefahren, mittlerweile führten ihre Ausflüge fast immer in die nähere Umgebung. „Es ist großartig, was sich hier getan hat“, sagt Karin Knutzen. „Man kann hier 30, 50 Kilometer fast autofrei fahren - und sieht unterwegs noch viel.“

Der RVR hat die 80 Meter hohe Plutohalde Ende 2010 gekauft. Bereits 2005 hatte Herne das Gelände unter Naturschutz gestellt. Die Plattform befindet sich am westlichen Rand des Hochplateaus an der Thiesstraße.

Die Baumaßnahme begann im September 2012. Die Plattform kostete 120 000 Euro, in den Wegebau flossen 330 000 Euro. Die EU trägt 50 Prozent der Kosten, das Land NRW 30; die weiteren 20 Prozent übernahm der RVR.