Früher ein Mann, heute eine Frau

Im falschen Körper geboren: Brigitte-Gabriela Rabea Schramm. Die 56-Jährige leitet in Herne eine Selbsthilfegruppe für Transsexuelle.
Im falschen Körper geboren: Brigitte-Gabriela Rabea Schramm. Die 56-Jährige leitet in Herne eine Selbsthilfegruppe für Transsexuelle.
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Im falschen Körper geboren: Brigitte-Gabriele Rabea Schramm leitet in Herne eine Selbsthilfegruppe für Transsexuelle.

Herne..  Brigitte-Gabriele Rabea Schramm arbeitet seit 25 Jahren als Dozentin für Datenverarbeitung an der Herner Volkshochschule. Bis vor zwölf Jahren tat sie das noch als Mann. „Ich habe meinem Kurs damals gesagt, dass ich aufhöre.“ Als Gisbert Schramm erklärte, dass eine junge Dame seine Arbeit übernehmen werde, sagten die Teilnehmer: „Die ekeln wir raus.“ Das wurde dann aber doch nicht notwendig, denn: Die junge Dame, die den Kurs übernahm, war Brigitte-Gabriele Rabea Schramm. „Alle Kursteilnehmer sind geblieben, und ein Jahr später, zu meinem Geburtstag, haben sie mir sogar noch einen riesigen Strauß roter Rosen geschenkt.“

Heute leitet Schramm die Selbsthilfegruppe „Transsexuell im mittleren Ruhrgebiet“ und berät dabei auch Menschen, die zu diesem Thema Hilfe brauchen. Die Gruppe trifft sich regelmäßig im CVJM-Haus in Herne.Die 56-Jährige arbeitet als Arbeitsvermittlerin in Gelsenkirchen und betreut Langzeitarbeitslose. Ehrenamtlich ist sie Richterin am Amtsgericht in Gelsenkirchen.

Die Kleider der Mutter anprobiert

Dass sie im falschen Körper geboren ist, sei ihr schon sehr früh klar geworden, im Alter von zwei Jahren, erzählt sie. „1959 oder 1960 muss das gewesen sein. Ich habe viel mit Puppen gespielt, hatte aber auch meine Panzer. Aber im Prinzip fing das damals an.“ Wenn kleine Jungs in Mutters Pumps durch die Gegend laufen, sei das aber noch kein Indiz für eine etwaige Transsexualität, sagt Schramm. „Das machen doch fast alle Kinder, egal ob Junge oder Mädchen.“

Kosten trägt die Krankenkasse

Ein Teil ihrer Familie hätte auch lieber ein Mädchen gehabt, sagt Schramm. „Mein Vater und meine beiden Cousinen nämlich, meine Mutter wollte lieber einen Jungen.“ Ihr Vater sei sehr früh gestorben, im Jahr 1963. Auch die beiden Großväter sind gestorben, als Schramm noch ein Kind war. „Als ich ungefähr zehn Jahre alt war, hatte ich etwa die Größe meiner Mutter und konnte ihre Sachen anprobieren - wenn sie nicht da war.“ Als die Pubertät kam, hörte Schramm dann zum ersten Mal den Begriff Transsexualität in der Schule. „Das habe ich im Lexikon meiner Eltern nachgeschlagen und konnte mich endlich einordnen.“

Heutzutage müssen Menschen, die sich für transsexuell halten, zunächst zum Psychologen gehen. „Da kommt zuerst ein halbes Jahr Diagnostik.“ Wenn das abgeschlossen und der Bescheid positiv ist, setze die medizinische Behandlung ein. „Es wird mit einer Hormontherapie begonnen, außerdem ein Antrag auf Epilation der Barthaare gestellt.“ Bei ihr wurde im Jahr 2002 der Vorname geändert. Aus Gisbert wurde Brigitte-Gabriele Rabea Schramm. „Sämtliche Unterlagen wurden geändert, das fängt bei der Bankkarte an und hört bei der Geburtsurkunde auf.“ Die Kosten der Operation zur Geschlechtsanpassung wurde von der Krankenkasse komplett übernommen. Jetzt entspricht alles an ihr einer Frau, in allen Punkten.

 

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