Frauenhaus Herne muss mit neuen Herausforderungen umgehen

Frauenhaus-Mitarbeiterinnen im vergangenen Jahr bei der Aktion „One Billion Rising“ in der Herner City. Vorne in der Mitte: Michelle Keppers. Foto:Ralph Bodemer
Frauenhaus-Mitarbeiterinnen im vergangenen Jahr bei der Aktion „One Billion Rising“ in der Herner City. Vorne in der Mitte: Michelle Keppers. Foto:Ralph Bodemer
64 Frauen und 72 Kinder fanden dort im vergangenen Jahr Zuflucht. Zunehmend sind unter den Bewohnerinnen auch Flüchtlinge und EU-Bürgerinnen.

Herne..  64 Frauen und 72 Kinder haben 2015 im Frauenhaus gelebt. Das teilt der Verein zur Förderung des Frauenhauses Herne mit, der kürzlich seine diesjährige Mitgliederversammlung abgehalten hat. Die Frauen blieben zwischen einem Tag und einem Jahr. 62 Prozent hatten keine deutsche Staatsangehörigkeit. Zwei Frauen drohte eine Zwangsheirat.

Die Belegung lag bei 80 Prozent und damit über dem Landesdurchschnitt der Frauenhäuser, heißt es weiter. Die sechs Zimmer seien durchgängig gut belegt gewesen. „Auch 2015 war die Zahl der Anfragen sehr hoch, nicht immer konnten Frauen und Kinder aufgenommen werden“, teilt der Verein mit.

Die wachsende Anzahl von Flüchtlingen in Herne hat sich auch in der Arbeit des Frauenhauses bemerkbar gemacht. 2015 wurden fünf Flüchtlingsfrauen mit acht Kindern aus Herner Flüchtlingsunterkünften oder benachbarten Städten aufgenommen, die in einer Unterkunft massiv von dem Mann und der Familie geschlagen und bedroht worden seien. „Die starke Traumatisierung der Frauen und Kinder durch langjährige massive Gewalt, die Fluchtsituation und schwer zu überwindende Sprachbarrieren waren neue Herausforderungen in der Arbeit“, schreibt dazu das Frauenhaus. Zwei Frauen seien wieder zu ihrem „Clan“ zurückgegangen. „Sie konnten sich ein Leben alleine mit den Kindern nicht vorstellen.

Zunehmend problematisch sei die Aufnahme von bedrohten Frauen aus der EU gewesen. Hier gilt die Freizügigkeit, das heißt die Frauen und Kinder können sich in Europa frei bewegen. Da aber oftmals kein Hartz IV-Anspruch bestehe, bleibe der Verein auf den Kosten für die Unterkunft und die Lebenshaltung sitzen. „Hier wird sich die Situation noch verschärfen und der Verein muss perspektivisch sehen, was er leisten kann“, heißt es.

Ein besonderer Höhepunkt sei wieder die Ferienfreizeit für Frauen und Kinder gewesen, die komplett aus Spenden finanziert wurde. 30 Frauen und Kinder verlebten eine Woche an der Ostsee.

Der Verein zur Förderung des Frauenhauses befindet sich jetzt im 35. Jahr. In dieser Zeit haben etwa 5500 Frauen und Kinder Zuflucht und Unterstützung erhalten.

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