Fechten wie im Mittelalter

Beim Workshop „Fechten mit dem historischen Langschwert“ im LWL-Museum für Archäologie: der Herner Ralf Nockemann (links) mit Kursleiter Christian Bott.
Beim Workshop „Fechten mit dem historischen Langschwert“ im LWL-Museum für Archäologie: der Herner Ralf Nockemann (links) mit Kursleiter Christian Bott.
Foto: WAZ FotoPool
Ein Workshop im LWL-Museum vermittelte am Wochenende den Umgang mit dem Langschwert. Die meisten Teilnehmer interessierten sich für das Mittelalter und seine Waffen.

Herne.  Klong, klong, klong prallen die schwarzen Kunststoffschwerter von Julian Hoth und Ralf Nockemann aufeinander. Sie üben im Wechsel, den Angriff des jeweils anderen abzuwehren – eine der etwas schwierigeren Übungen beim Workshop „Fechten mit dem historischen Langschwert“, der am Wochenende im Archäologie-Museum stattfand.

Sechs Männer und eine Frau nutzen den Samstag und Sonntag, um die Grundlagen des Schwertfechtens aus der Zeit des 14. bis 16. Jahrhunderts zu lernen. Fast alle Teilnehmer haben bereits Kampfsporterfahrung oder interessieren sich für das Mittelalter und die Waffen dieser Zeit. „Sie haben in irgendeiner Form Kontakt zum Schwert und wollen wissen, wie es funktioniert“, beschreibt Fechtlehrer Christian Bott, warum Menschen seine Kurse besuchen.

Familienerbstücke nutzen

Bei Ralf Nockemann haben diesen Wunsch die Familienerbstücke geweckt, zu denen einige Schwerter gehören. „Ich will mit ihnen stilgerecht umgehen können“, sagt der Wanne-Eickeler in einer Trainingspause und wischt sich den Schweiß von der Stirn. Sehr lehrreich sei der Kurs, aber anstrengender als erwartet. Der 42-Jährige ist nicht der Einzige dem es so geht. Kein Wunder: Fechtlehrer Christian Bott zieht ein straffes Programm durch.

Nachdem die Fechtposition bei allen sitzt, üben die Teilnehmer zunächst Schrittfolgen. Wie bei einem Tanz stehen sich zwei Übungspartner gegenüber, die Schwerter zwischen ihnen gekreuzt. Macht der eine einen Schritt nach vorne, geht der andere einen zurück. Dabei müssen sie stets die Fechtposition beibehalten. Gar nicht so einfach: Immer wieder korrigiert Bott Kleinigkeiten bei der Haltung.

Als die Schrittfolgen endlich funktionieren lernen Ralf Nockemann und die anderen, wie sie mit dem Schwert zuschlagen müssen. „Der rechte Oberhau geht rechts oben rein und kommt links unter raus“, erklärt Bott. Er führt den Schlag vor: von der rechten Schulter aus schräg hinunter. Louise Roggatz trainiert mit Hermann Kloos, der als Fechtlehrer in der Ausbildung Christian Bott unterstützt. Die 16-jährige Mettmannerin ist schon seit dem Kindergarten ein Fan des Mittelalters und hat den Workshop von ihren Eltern geschenkt bekommen. „Es ist toll“, sagt Louise und strahlt. Von der Anstrengung sind ihre Wangen leicht gerötet, aber sie ist begeistert: „Genau so habe ich mir das immer vorgestellt.“

Trotz ihrer eher zierlichen Figur steckt hinter ihren Schlägen ordentlich Kraft. Angriffs- und Abwehrübungen meistert sie wie die Herren. „Sie hat ein gutes Körpergefühl“, sagt Hermann Kloos. „Am Sonntag werden alle vor ihr erzittern.“ Fechtlehrer Christian Bott lacht. „Dann haben wir ja alles richtig gemacht.“