Fahrräder flimmerten bei Flottmann

Das Internationale Fahrrad Film Festival in Flottmannhallen in Herne.
Das Internationale Fahrrad Film Festival in Flottmannhallen in Herne.
Foto: Socrates Tassos/FUNKE Foto Servi
Besucherrekord beim Internationalen Cycling Film Festival: Der junge niederländischeFilmemacher Lukas Camps bekam die „Goldene Kurbel“.

Herne..  Beim dem zehnten „Internationalen Cycling Film Festival“ - kurz ICFF - haben in den Flottmannhallen 16 Kurzfilme um den begehrten Preis „die goldene Kurbel“ konkurriert. Unter den Beiträgen aus Deutschland, den Niederlanden, Frankreich, Spanien, Polen und Estland gab es viele Autorenfilme mit persönlichen Statements zum Lebensgefühl mit und um das Rad - als urbanes Vehikel oder Ausdruck von Freiheit in der Natur.

„Dieses Jahr haben wir einen Besucherrekord,“ konstatierte Organisator Gernot Mühge. Im sehr gut besuchten Foyer mussten viele Zuschauer auf die erste Etage ausweichen, um von dort die Kurzfilme auf der Leinwand zu sehen.

Ein soziales Statement war der Beitrag „Friedensfahrer Lothar“ von 2004 über einen selbstlosen „Fuhrunternehmer“ mit Rad und Karre aus dem Harz. Mit seinem Fahrradschild „ohne Werbung ohne Telefon“ schien der alte Mann völlig aus der Zeit gefallen. Filmemacherin Romy Steyer erhielt den dritten Platz.

Ästhetisch herausragend war „Bendito Machine IV – Fuel the Machines” vom Spanier Jossie Malis von 2012. Mit sozialkritischer Haltung zur modernen Fortbewegung erhielt der Animationsstummfilm mit Scherenschnittästhetik den zweiten Platz.

Der junge niederländische Filmemacher Lukas Camps bekam den begehrten Publikumspreis (aus 180 eingegangenen Stimmen) und gewann damit die goldene Kurbel. Sein Kurzfilm „Groen“ thematisierte das Warten auf ein Ampelsignal, ausgeweitet zu einer philosophischen wie komischen Betrachtung.

Aber was ist eigentlich ein „Fahrradfilm“? Die Auswahl des Festivals reichte von politischen oder persönlichen Videostatements und Animationsfilmen bis hin Abenteuerkurzfilmen. Um der breitgefächerten Kategorie gerecht zu werden, wurden kurzerhand weitere Preiskategorien eingeführt.

„Best Folding Bike Film“ wurde so der skurrile Beitrag „Fortschritt durch Forschung“ von Rakete Frankfurt. „Ihr habt die Kategorie auf ein neues Level gehoben,“ lobte Organisator Pierre Cournoyer, der zuvor das mitgebrachte knallorangene Klapprad lobte, das im Film höchstwissenschaftlich untersucht wird. „Wir sind auf dem Weg zu Klappradweltherrschaft,“ lautete das Statement des Künstlers „Captain“ von Rakete Frankfurt, der für seine Mission zum Mars nach eigenen Angaben nur noch auf der Suche nach ein paar Bestechungsgeldern ist.

Bester Abenteuerfilm wurde „Bajkal Ice trip“ von Jakub Brybicki aus Polen - eine Reportage über einen Trip mit zwei Mountainbikes über den zugefrorenen See.

Ein reiches Rahmenprogramm rundete das Festival ab. So gab es Kurioses rund um das Fahrrad zu bestaunen: etwa ein selbstgebautes Lastenrad aus Bambus des Tüftlers Helmut Schröder. Mit leckerem Curry stellte sich die „Velo Kitchen“ aus Dortmund vor - eine Fahrradselbsthilfe-Organisation, die auch freiwillige Schrauber willkommen heißt (spende@velokitchen-dortmund.de). DJ Mono sorgte für gute Musik.

Abenteuerfilme

Mit dem Prolog „Rough Conditions“ zeigte das Festival bereits am Freitag Abenteuerfilme, ausgesucht von Erwin Zantinga von der „Groningen Adventure Society“ (er war natürlich mit dem Fahrrad angereist), ebenso schlossen sich die Besucher tagsüber zu einem Fahrrad-Ausflug durch das Ruhrgebiet zusammen.

Der Austausch der Fahrrad-Szene stand neben dem Wettbewerb im Vordergrund. So konstatierte Organisator Pierre Cournoyer passend: „Durch das Medium Fahrrad findet man immer neue Freunde.“

 
 

EURE FAVORITEN