Fahnen wehen durch die Dunkelheit

Myriam Thyes zeigt ihr Video-Projekt „Flag Metamorphoses“ in der Künstlerzeche Unser Fritz.
Myriam Thyes zeigt ihr Video-Projekt „Flag Metamorphoses“ in der Künstlerzeche Unser Fritz.
Foto: WAZ FotoPool
Myriam Thyes stellt in der Künstlerzeche ihr Projekt „Flag-Metamorphoses“ vor.

Wanne-Eickel..  Mit der Ausstellung „Flag Metamorphoses“ – Veränderung, Verschmelzung der Fahnen - lädt die Künstlerzeche Unser Fritz am Samstag zu einer ganz speziellen Präsentation ein. Die in Düsseldorfer lebende Künstlerin Myriam Thyes hatte 2005 die Idee zu diesem Projekt. Sie hat Künstler und Künstlerinnen aus der ganzen Welt eingeladen, jeweils zwei Flaggen von Staaten der ganzen Welt als optischen Ausgangspunkt für die Beziehungen der Staaten zu nutzen. Die Flaggen geraten in Bewegung, verändern sich, lösen sich auf. Sie werden zu bewegten gezeichneten Bildern, unterlegt mit Geräuschen und Musik.

„Jede Animation beginnt mit einer Flagge und endet mit einer Flagge“, erläutert Myriam Thyes. Was dazwischen passiert ist ganz dem einzelnen Künstler überlassen.

Inzwischen besteht das Projekt aus 39 Animationsfilmen von rund 30 Künstlerinnen und Künstlern aus der ganzen Welt. Die einzelnen Szenenfolgen dauern zwischen dreißig Sekunden und sechs Minuten. Wer alle Filme sehen will, kann dies in rund 55 Minuten tun. Seit 2006 ist das Projekt in der ganzen Welt zu sehen. Und immer wieder kommen neue Animationen dazu.

In der Künstlerzeche wird die Serie als Videoinstallation mit sechs Projektoren gezeigt.

Die einzelnen Animationen erzählen kleine Geschichten in bunten Bilderfolgen. Da wird die koloniale Vergangenheit von England, Frankreich oder Belgien und deren Einfluss auf afrikanische Staaten kritisiert. Andere trauern über die Auflösung von Jugoslawien. Ein Film thematisiert den wachsenden wirtschaftlichen und kulturellen Einfluss der USA in Polen. Wiederum ein anderer erinnert an die teilnehmenden Staaten der Fußballweltmeisterschaft des Jahres 2006. Oder der Karneval der karibischen Staaten ist Ausgangspunkt für einen anderen kleinen Film.

Besonders spannend wird, es wenn einzelne Staaten in immer anderen Beziehungsgeflechten auftauchen, denn dabei kann man einiges Überraschendes erleben. Die Animationen können mal kritisch, mal traurig, mal aber auch einfach nur lustig sein. Jeder Künstler schafft es auf seine ganz eigenen Art und Weise, über die Beziehungen zwischen den Staaten nachzudenken und dies in sehr aussagekräftige Bilder umzusetzen.

„Die inhaltlichen Aussagen der Animationen habe ich ganz den teilnehmenden Künstlern überlassen“, erklärt Myriam Thyes. Ausgeschlossen sind aber Videos, die Andere diffamieren oder zur Gewalt aufrufen. Die einzelnen Themen sind daher ebenso vielfältig wie die Macher der Animationen. Da gibt es Akademieklassen sowie Künstlerkollektive, aber auch Einzelpersonen. Auch Myriam Thyes selbst ist mit einigen Animationen vertreten.

In der Künstlerzeche empfängt den Besucher eine farbenfrohe Bilder- und Geräuschflut. Da scheint der Besucher auf den ersten flüchtigen Blick vielleicht etwas überfordert zu sein. Schaut man auf die eine Projektion bewegt sich zugleich etwas Anderes in den Augenwinkeln. Auch die einzelnen Bilderfolgen scheinen im Ausstellungsraum schon fast ineinander zu verschmelzen. Dabei lohnt es sich, sich auch mal ganz auf einen Film zu konzentrieren. Da muss man nicht unbedingt, viel von Geschichte, Politik oder Staatenbeziehungen wissen, sondern ganz einfach aufnahmebereit für die Bilder sein.

Die Ausstellung „Flag Metamorphoses“ wird am Samstag um 17 Uhr in der Künstlerzeche Unser Fritz 2/3 eröffnet. Es spricht der Künstler und Ausstellungsmacher Michael Staab aus Köln.

Zu sehen ist die Videoprojektion bis zum 30. September. Öffnungszeiten Mittwoch, Samstag 15-18, Sonntag 14-17 Uhr. Wer sich die Filme in Ruhe anschauen will, kann dies auf www.flag-metamorphoses.net tun.

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