Extraschicht: Herne lud zu Musik und Tanz

Foto: Kai Kitschenberg
In der langen Nacht der Industriekultur boten die Flottmann-Hallen, das Archäologiemuseumund die Künstlerzeche Unser Fritz in Herne ein eigenes Programm. Die Besucher waren begeistert.

Herne..  Sie war vielleicht nicht die größte Gastgeberin, die Stadt Herne, doch sicherlich eine der charmantesten, mit einem Ass im Ärmel – oder wer darf schon von sich behaupten, über eine Zeche am Wasser mit mediterranem Flair zu verfügen? 50 Spielorte revierweit, 450 Veranstaltungen, das in einer Nacht, das bot einmal mehr die Extraschicht, die lange Nacht der Industriekultur. An drei Standorten konnten die Besucher in Herne erleben, dass diese Stadt mit der Künstlerzeche Unser Fritz 2/3, den Flottmann-Hallen und dem Archäologiemuseum mit den Großen locker mithalten kann.

Die Sonne stand am Samstag noch hoch am Himmel, als sich Christian Strüder, Spielortleiter der Flottmann-Hallen wunderte: „Mit so vielen Besuchern hätte ich nicht gerechnet. Schon gar nicht um 18 Uhr.“ Als Gastgeber waren die Hallen mit den denkmalgeschützten Fassaden erstmalig dabei. Um so erfreuter nahm Strüder zur Kenntnis, dass sich bereits vor dem eigentlichen Beginn der Extraschicht rund 400 Besucher auf dem Vorplatz des Foyers tummelten, mit nur einem Ziel im Visier: Rudelsingen.

Singen im Kollektiv

Gemeinsam mit Sänger David Rauterberg und Pianist Matthias Schneider sowie Philip Ritter trällerte die Menge im Kollektiv, ganz so, als gehörte sie zu den Fischer-Chören. „Viele trauen sich das doch nur unter der Dusche oder heimlich im Auto“, so Besucherin Petra von Lüpke, meinte dabei das Singen und blickte wieder auf eines der DIN-A4-Blätter mit den bereit gestellten Songtexten.

Ein anderes Thema hatte sich die Künstlerzeche Unser Fritz 2/3 gesetzt: „,Die Zeche tanzt’, so lautet unsere heutige Hauptüberschrift“, sagte Jens Blome, Vorsitzender des Fördervereins der Künstlerzeche, mit der so herrlichen wie rappelvollen Strandbar. „Hier ist es genauso schön wie in Südfrankreich“, betonte Architekt Blome.

So nutzten die Besucher den Schiffspendelverkehr, der weiter zum Umspannwerk nach Recklinghausen führte. „Wir hatten nicht geplant, hier auszusteigen“, berichtete Familie Ullrich aus Hattingen. Das mediterrane Ambiente des Veranstaltungsortes, das bei Nacht noch mit 200 Lampen in Rot, Grün und Blau wundervoll ausgeleuchtet wurde, sprach sie sofort an. Auf Sonnenliegen lauschten sie den afrikanischen Trommelklängen, während die Kinder im Sand spielten. Mit dem Bus dagegen kam Edith Ludwig aus Beckum zum Kulturzentrum, war sie doch eigens wegen des künstlerischen Angebotes angereist. Was ihr besonders gut gefallen hat? „Ich habe mich einfach auf die Brücke am Kanal gestellt und den Tag ausklingen lassen.“ Bei all den Eindrücken war es genau das, was eine lange Nacht der Industriekultur ausmachte: einfach genießen!

EURE FAVORITEN