Ex-Drogenabhängige berichteten Schülern von ihren Erfahrungen

Zwei ehemalige Suchtkranke (nicht im Bild) berichteten auf Einladung der Kadesch Schülern der Melanchthon-Hauptschule von ihren Erfahrungen.  Foto: Joachim Haenisch / WAZ FotoPool
Zwei ehemalige Suchtkranke (nicht im Bild) berichteten auf Einladung der Kadesch Schülern der Melanchthon-Hauptschule von ihren Erfahrungen. Foto: Joachim Haenisch / WAZ FotoPool
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Zwei ehemalige Suchtkranke berichteten am Donnerstag Schülern der Melanchthon-Hauptschule im Stadtteilzentrum Pluto über ihre Erfahrungen. Für die Schüler war es kein Tag wie jeder andere.

Herne. „Es gibt Hightlights“, sagt Jan. „Die Sonne ist so eins. Sie setzt bei mir Endorphine frei, etwas, das ich 15 Jahre lang nicht in der Form empfinden konnte.“ Trotz, oder gerade wegen seines Konsums. Fast die Hälfte seines Lebens war der 32-Jährige süchtig - erst nach Cannabis, später kam der Alkohol hinzu. Jan ist am Donnerstag im Pluto, um Siebtklässlern der Melanchthon-Hauptschule zu berichten. Von der ersten Erfahrung mit der Droge bis zum Wunsch nach dem Tod.

Suizidgedanken kennt auch Yvonne. Die 24-Jährige, die ab Juni ihr Studium beenden wird, hat den Schritt zurück geschafft. Den Schritt in ein drogenfreies Leben, wie sie berichtet. „Ich habe die Schüler noch nie so ruhig erlebt“, sagt Schulsozialarbeiterin Jeniffer Burglin.

Es begann mit einem Tütchen Gras

Eingeladen zu den Berichten hat die Kadesch, die „Gesellschaft zur Förderung der Jugend- und Suchtkranken-Hilfe“. Erstmals richtet sie die Veranstaltung für Wanne-Eickeler Schüler im Pluto aus. Dieter Schaaf, Erzieher im Stadtteilzentrum, kennt bereits viele der Schüler, die diesmal so ungewohnt ruhig sind. „Für mich ist es genauso früh wie für euch. Deshalb fände ich es respektvoll, wenn ihr es schafft, nicht laut zu sein“, bittet Jan die Schüler, bevor er beginnt.

Jan lebt im Betreuten Wohnen der Kadesch. Mit 14 ist er das erste Mal mit Drogen in Berührung gekommen, an der Schulbushaltestelle: „Der Bus hatte Verspätung, ein Junge Gras dabei“, erinnert sich der examinierte Krankenpfleger vom Niederrhein. Am Ende habe er kreidebleich im Bus gesessen. Keine gute Erfahrung. „Aber das ist wie mit dem Alkohol - nur weil man einmal davon kotzen muss, hört man nicht auf“. Jan hörte nicht mehr auf: Er rauchte in den Schulpausen, morgens vor der Schule. „Ich habe schon bald gekifft wie ein Jamaikaner.“ Einige lachen, verstummen dann aber schnell bei all der Ernsthaftigkeit, die Jan vermittelt.

Jahrelang die Mitmenschen getäuscht

Yvonne, die aus dem Osten Deutschlands kommt, hat keine Erfahrungen mit Cannabis gemacht. Bis heute nicht. Als sie im vergangenen Juni zusammenbricht, wiegt sie nur noch 40 Kilo. Im Krankenhaus gesteht sie ihren Eltern, dass sie bereits seit drei Jahren drogenabhängig ist - von Kokain und Crystal. Die Eltern hatten es geahnt, Yvonne es immer bestritten. „Meine Eltern saßen am Krankenbett und wir haben geweint“, erinnert sich die 24-Jährige an den Moment der Offenbarung. Durch die Drogen hatte sie Hunger- und Müdigkeitsgefühl verloren: „Einmal war ich drei Tage lang ohne zu schlafen wach.“

Neues Umfeld ist wichtig

Jan und Yvonne sind lange Zeit nicht aufgefallen mit ihrer Sucht. Selbst in seiner Ausbildung, die Jan in der Psychiatrie machte, kiffte er weiter: „Ich habe lange Zeit versucht, ein Bild für die Gesellschaft aufrecht zu erhalten.“ Bis sein Zeitvertrag gekündigt wird: Zu der Cannabissucht kam der Alkohol, „eine günstige Ersatzdroge“. Im Krankenhaus landet Jan durch einen Kumpel, der ihn eines Sonntags nicht erreichen kann. Erst beim zehnten Anruf ging Jan dran, zitterte, Hitzewallungen wechselten sich mit Kälteschocks ab. Jan bekam schnell einen Therapieplatz, Yvonne musste ein halbes Jahr warten. Acht Wochen kalten Entzug hatte sie sich zuvor selbst auferlegt.

Seit Januar ist Yvonne in Herne in der Adaption-Maßnahme, eine weitere Betreuung nach der stationären Therapie. Wie Jan ist sie froh, erst einmal weit weg von zu Hause zu sein: „Hier verbinde ich nichts mit den Drogen, habe einen neuen Kreis“. Erst um Weihnachten rum hatte man ihr in ihrer Heimatstadt in der Stammdisko Drogen angeboten. Yvonne lehnte ab. So hatte alles begonnen. Und so soll es nicht mehr sein.

 
 

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