Europäisches Frühstück

Frühstücken mit der Europaparlamentarierin Dr. Renate Sommer (li.) im Freizeithaus des Revierparks Gysenberg. Foto: Thomas Schild / WAZ FotoPool
Frühstücken mit der Europaparlamentarierin Dr. Renate Sommer (li.) im Freizeithaus des Revierparks Gysenberg. Foto: Thomas Schild / WAZ FotoPool
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Herne.. Nach Sinn und Unsinn von Lebensmittelkennzeichnungen fragte CDU-Europapolitikerin Renate Sommer. Ihre Gäste ließen sich von dem komplexen Thema nicht den Appetit verderben.

Brötchen, Rührei mit Speck, Tomaten mit Mozzarella, Rollmops, Wurst, Käse, Schinken, Cornflakes – die Besucher des „Europäischen Frühstücks“ stellen sich am Büfett ihren Frühstücksteller zusammen. Nach Kalorien, Zuckergehalt oder Nährstofftabellen fragt niemand. Dabei stand die öffentliche CDU-Kreisveranstaltung am Samstag im Freizeithaus des Gysenbergparks unter dem Thema „Lebensmittelkennzeichnung – Information, Irreführung oder Bevormundung?“

Gemeinsam mit vier Referenten und den Frühstücksgästen diskutierte Dr. Renate Sommer (CDU), Mitglied des Europäischen Parlamentes, die Vor- und Nachteile verschiedener Regelungen. Die Thematik ist komplex, der Gesetzgebungsprozess auf EU-Ebene im vollen Gange. Bisher sind Lebensmittelhersteller nicht verpflichtet, Nährstofftabellen auf die Verpackungen zu drucken. Viele liefern sie jedoch freiwillig.

„Aber wie sollen die Informationen nun angegeben werden? Was ist wichtig? Wo sollen sie stehen? Soll die Schrift mindestens drei Millimeter groß sein? Und was ist mit der Kennzeichnung von unverpackten Lebensmitteln?“, fragt Sommer in die Runde. Ziel der EU sei es vor allem, einheitliche Angaben zu erzielen und damit einen Zusatznutzen für den Verbraucher zu schaffen. Gleichzeitig sollen die neuen Regeln aber auch eine größere Transparenz, eine bessere Handhabbarkeit sowie Bürokratieabbau nach sich ziehen.

Britta Gallus vom Handelsverband Deutschland (HDE) spricht sich gegen eine Kennzeichnung nach dem Ampel-Modell aus. Genau wie Sommer vertritt der HDE die Meinung, das Modell sei eine zu vereinfachte Darstellung. „Rot heißt immer stopp“, so Britta Gallus. Das Ampelmodell liefere demnach keine objektiven, sondern irreführende Informationen. „So ist eine Cola light grün gekennzeichnet, weil sie keinen Zucker enthält, naturtrüber Apfelsaft wegen des hohen Zuckergehalts rot“, gibt sie ein Beispiel für ein mögliches Paradoxon.

Im EU-Gesetzgebungsprozess ist das Ampelmodell längst vom Tisch. Ein anderes Modell, das bereits häufig genutzt wird, ist das GDA-Modell. Es beinhaltet Richtwerte für die Tageszufuhr. Peter Loosen vom Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde (BLL) hält es für das wichtigste Nährwertkennzeichen. Dennoch wirft er ein: „Keine Kennzeichnung wird am Ernährungsverhalten etwas ändern. Wichtiger sind Aufklärung und Bildung.“

Auch gegen das GDA-Modell hat Renate Sommer Einwände: „Es beinhaltet keinen Tipp für Männer oder Kinder, weil sich die Angaben lediglich auf eine 40-jährige Frau beziehen.“

Klaus Müller, Vorstand der Verbraucherzentrale NRW, ist eigentlich ein Verfechter des Ampel-Modells. Er zeigt den Interessengegensatz zwischen Wirtschaft und Verbrauchern auf. „Ich will selbstbestimmt entscheiden, was ich esse – und da muss ich mich darauf verlassen, dass man mir die Entscheidung leicht macht.“

Ein weiteres Thema spricht Ludger Fischer vom UEAPME, dem Europäischen Spitzenverband des Handwerks und der Klein- und Mittelbetriebe, an. Er legt den Fokus auf die Herkunftslands-Kennzeichnung. Aufgrund des hohen Niveaus der Lebensmittelindustrie in ganz Europa hält er diese für nationalen Chauvinismus. Müller stellt dem umwelt- und klimapolitische Argumente entgegen: „Den Unterschied, woher ich meine Lebensmittel beziehe, lässt sich auf den Cent genau und auf den CO2-Ausstoß ausrechnen.“

 

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