„Erhebliches Gefahrenpotenzial“ im Hertiehaus

Am 14. Mai musste die Feuerwehr zum Hertie-Haus am Robert-Brauner-Platz ausrücken: Aufgrund eines technischen Defektes war es in dem leer stehenden Gebäude ein Brand ausgebrochen.
Am 14. Mai musste die Feuerwehr zum Hertie-Haus am Robert-Brauner-Platz ausrücken: Aufgrund eines technischen Defektes war es in dem leer stehenden Gebäude ein Brand ausgebrochen.
Foto: WAZ Fotopool Klaus Hartmann
Die beauftragte Vermarktungsgesellschaft weckt neue Hoffnung auf einen Verkauf des leer stehenden Hertie-Hauses. Die Feuerwehr rückt einen ganz anderen Aspekt in den Fokus: Sie spricht nach dem jüngsten Brand in dem Gebäude von einem „erheblichen Gefahrenpotenzial“.

Herne.  Die vom Eigentümer beauftragte Vermarktungsgesellschaft ist guter Dinge, dass der Verkauf des Herner Hertie-Hauses bis Ende 2014 gelingen wird (siehe auch Bericht unten). Der fortschreitende Verfall des leer stehenden Gebäudes am Robert-Brauner-Platz lässt allerdings einige Zweifel an dieser Prognose aufkommen. Und nicht nur das: Die Feuerwehr sieht in dem Gebäude aus brandschutztechnischer Sicht „ein erhebliches Gefahrenpotenzial“.

Dieses verheerende Zeugnis stellte die Verwaltung beziehungsweise die Feuerwehr dem leer stehenden Kaufhaus im Planungsausschuss auf Anfrage von FDP-Ratsfraktions-Chef Thomas Bloch aus. Anlass für den Vorstoß der Liberalen war der Brand am 14. Mai.

Ein technischer Defekt im Keller hatte damals zu einer starken Rauchentwicklung geführt. Nur durch Aufbrechen einer Seitentür gelangte die von aufmerksamen Anwohnern alarmierte Feuerwehr ins Haus.

Alte Möbel und Matratzen

Dort bot sich den Beamten ein verheerendes Bild: „Im Gebäude sind große Mengen an Brandlasten vorhanden“, heißt es in dem von der stellvertretenden Feuerwehrleiter Katharina Timm verfassten Bericht. Hierzu zählten unter anderem alte Möbel, Dekorationen, zerbrochenes Glas und Matratzenlager.

Aufgrund dieser Brandlasten und der zerstörten Deckenteile sei ein Eindringen der Feuerwehr in einem künftigen Brandfall teilweise nicht möglich und teilweise aus Sicherheitsgründen nicht vertretbar. „Der Eigenschutz geht hier vor“, so Katharina Timm zur WAZ.

Auch das hat die Feuerwehr festgestellt: „Ein Wiedereinschalten der Stromversorgung im Gebäude ist nicht möglich.“ Das gelte ebenfalls für die inzwischen völlig zerstörte Brandmeldeanlage. Und: Der komplette Keller des Gebäudes stehe unter Wasser.

In den vergangenen drei Jahren musste die Herner Feuerwehr wegen technischer Defekte der Brandmeldeanlage sowie mehrerer Wasserschäden insgesamt fünf Mal ausrücken. Die 2012 nach Auszug des letzten Mieters – das Handelsunternehmen K + K – abgeschaltete Brandmeldeanlage ist mittlerweile „erheblich zerstört“ und könnte deswegen nicht mehr in Betrieb genommen werden.

Stadt will Ortstermin vereinbaren

Erschreckendes Fazit der Feuerwehr: „Aus brandschutztechnischer Sicht besteht ein erhebliches Gefahrenpotenzial, und damit im Brandfall auch eine Gefährdung der unmittelbaren Nachbarschaft.“

Die Verwaltung will auf die katastrophalen Zustände reagieren. „Wir werden mit dem Eigentümer einen Ortstermin vereinbaren“, kündigte Stadtsprecher Christoph Hüsken auf WAZ-Anfrage an.

Immobilien-Markt weckt Zuversicht

Optimistische Prognosen und Hinweise auf potenzielle Kaufinteressenten gab es seit der Schließung des Herner Hertie-Hauses im Jahr 2009 fast im Dutzend. Doch diesmal könnten die Wasserstandsmeldungen etwas mehr Substanz haben – hat die beauftragte Vermarktungsgesellschaft CR Investment Management doch nicht nur wohlfeile Worte zu bieten.

Neun von 32 Hertie-Häusern sind seit Mitte 2012 veräußert worden – zuletzt die ehemaligen Kaufhäuser in Görlitz und Gelsenkirchen-Buer. Trotz des schlechten Zustands der Immobilie auf der Bahnhofstraße ist CR zuversichtlich, auch dieses sowie die weiteren 22 Hertie-Häuser bis Ende 2014 an den Käufer zu bringen. Unter der Voraussetzung, so CR-Sprecher Sebastian Mogos-Lindemann zur WAZ, „dass der Immobilienmarkt stabil bleibt“.

Die Besitzverhältnisse des ehemaligen Warenhauses auf der Bahnhofstraße sind recht komplex. Mogos-Lindemann bringt es so auf den Punkt: Nach der Insolvenz des bisherigen niederländischen Eigentümers HIDD Herne seien die finanzierenden Banken wirtschaftliche Eigentümer. Die CR Investment Management habe ihr Mandat über die niederländischen Insolvenzverwalter von einem Dienstleister – ein Kreditmanager aus London – erhalten.

 
 

EURE FAVORITEN