Entsorgung PCB-haltigen Bauschutts aus Atomkraftwerk - Firma beruhigt Bürger

Fred Kock, Geschäftsführer von Sita Remediation, bezog im Interview Stellung zur Behandlung von Bauschutt aus dem Akw Würgassen in Herne.
Fred Kock, Geschäftsführer von Sita Remediation, bezog im Interview Stellung zur Behandlung von Bauschutt aus dem Akw Würgassen in Herne.
Foto: WAZ FotoPool
Die anstehende Behandlung von PCB-haltigem Bauschutt aus dem Atomkraftwerk Würgassen in der Anlage von Sita Remediation an der Südstraße in Herne hat hohe Wellen geschlagen. Die Bedenken seien jedoch unbegründet, sagt nun Sita-Geschäftsführer Fred Kock.

Herne. Jahrelang absolvierte die Behandlungsanlage für mineralische Abfälle der „Sita Remediation“ an der Südstraße in Herne ihren Betrieb weitgehend unbeachtet von der Öffentlichkeit. Einem guten Teil der Herner Bevölkerung dürfte die Existenz der Anlage überhaupt nicht bewusst gewesen sein. Das änderte sich, als die Bezirksregierung in Arnsberg Mitte März mitteilte, dass in der Anlage PCB-haltiger Bauschutt behandelt werden soll, der beim Abbruch des Kernkraftwerks Würgassen angefallen ist. Redakteur Tobias Bolsmann sprach mit Geschäftsführer Fred Kock über die Geschichte und Arbeitsweise der Anlage sowie die aktuelle Diskussion.

Der Begriff Akw-Müll löst bei den Menschen sofort Ängste aus. Inzwischen gibt es Unterschriftenlisten gegen eine Verbrennung von Sondermüll aus Würgassen in Herne. Erstaunt Sie diese Reaktion?

Kock: Ich kann die Bedenken der Bürger verstehen, die jedoch in diesem Zusammenhang unbegründet sind. Dieser Bauschutt steht in keinerlei Zusammenhang mit Atommüll. Wir dürfen und wir wollen auch keinen Atommüll in unserer Anlage zur thermischen Behandlung annehmen, das ist nicht das Geschäft der Sita Remediation. Dafür ist ein Behandlungsverfahren wie in Herne angewandt gänzlich ungeeignet. Deshalb geht die aktuelle Diskussion ein wenig am Thema vorbei.

Um was für eine Art Bauschutt handelt es sich dann?

Der Schutt stammt aus dem Abriss eines Nebengebäudes des Kernkraftwerks. Die Belastung, um die es sich handelt, ist PCB. Das wurde in Dichtungsmaterialien und im Putz gefunden. Es wurde bei Messungen eine PCB-Kontamination von 800 Milligramm pro Kilogramm festgestellt.

Und diesen Bauschutt verbrennen Sie?

Ja, allerdings im Gegensatz zu einer Verbrennungsanlage indirekt, im sogenannten Pyrolyseverfahren. Der Schutt wird in rotierenden Trommeln auf 500 Grad erhitzt, dadurch geht das PCB in Gasform über, und dieses Gas wird verbrannt. Danach durchläuft das Abgas eine fünfstufige Rauchgasreinigungsanlage, der so gereinigte Bauschutt kommt anschließend auf eine Deponie. Entgegen der öffentlich ausgedrückten Befürchtungen wird die Umwelt durch die Entsorgung des Bauschutts durch die Sita Remediation vielmehr entlastet, anstatt das anfallende Abfallmaterial der Umwelt in unbehandelter Form zu überlassen. Im Grunde ist das, was wir hier in Herne machen, aktiver Umweltschutz. Unsere Aufgabe ist es, die Fehler der früheren Generationen zu korrigieren. Wir sind stolz auf das, was wir tagtäglich für die Umwelt leisten.

Wie sicher arbeitet Ihre Anlage – und wie wird sie überwacht?

Dies ist ein extrem sicherer Betrieb. Wir unterliegen einer Vielzahl von Auflagen und Kontrollen. Die Anlage ist nach der Störfallverordnung und nach dem Bundesimmissionsschutzgesetz genehmigt. Die Emissionen am Kamin werden 24 Stunden lang online von der Bezirksregierung überwacht. Das heißt, in Arnsberg können jederzeit alle Werte eingesehen werden. Einmal im Jahr prüft der TÜV alle Geräte, unser Gesellschafter, die Environment, schickt Auditoren. Und es gab seit Bestehen der Anlage keinen Störfall. Ökologische Schäden oder gesundheitliche Risiken für die Bevölkerung werden daher von vornherein vermieden.

Aber passt denn die Anlage ins Gewerbegebiet? In dieser Hinsicht gibt es ja Zweifel. . .

Wir sind davon überzeugt, dass wir hier hin passen, wir bieten industrielle Arbeitsplätze wie auch die Betriebe in der Nachbarschaft. Die Sicherheit ist allein schon auf Grund der strengen Überwachung gewährleistet. Darüber hinaus ist der Dauerbetrieb nach einer Umweltverträglichkeitsprüfung und mit Beteiligung der Öffentlichkeit genehmigt worden.

Aber Sie haben seitdem eine ganze Reihe von Änderungsanträgen gestellt. . .

Das hängt einfach damit zusammen, dass für jede technische Änderung ein Antrag notwendig ist. Ein Beispiel: Vor einigen Jahren wurden die Grenzwerte für Emissionen heruntergesetzt. Deshalb mussten wir die erforderliche Messtechnik neu installieren. Dafür ist ein Änderungsantrag notwendig. Bei der Umsetzung sind alle zuständigen Behörden beteiligt. Unser Kerngeschäft ist über die Jahre immer gleich geblieben: Das Ziel ist eine saubere Umwelt für uns alle. Die Sita Remediation legt größten Wert auf Nachhaltigkeit und Sicherheit. Sie unterstützt die durch die Medien eingeleitete Aufklärung der Bürgerinnen und Bürger zu Fragen von Umwelt und Gesundheitsschutz.
Für weitere Fragen aus der Bevölkerung stehen wir gerne auch direkt zur Verfügung.

 
 

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