Energieausweis unaufgefordert vorzeigen

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Hausverkäufer und Vermieter müssen bei Besichtigungen durch Interessenten einen Energieausweis vorlegen – unaufgefordert. Damit sollen die zukünftigen Mieter oder Eigentümer über die Höhe der zu erwartenden Energiekosten informiert werden. Doch das Thema ist bei den Verbrauchern noch nicht angekommen.

Herne..  Hausverkäufer und Vermieter müssen bei Besichtigungen durch Interessenten einen Energieausweis vorlegen – unaufgefordert. Damit sollen die zukünftigen Mieter oder Eigentümer über die Höhe der zu erwartenden Energiekosten informiert werden, machen diese doch gerade bei nicht sanierten Gebäuden einen immer größeren Teil der Wohnkosten aus. Pflicht ist die Vorlage seit dem 1. Mai. Wer dies unterlässt, kann mit Strafe rechnen. Unter Wohnungssuchenden scheint der Ausweis aber nicht das große Thema zu sein.

Wie bei den Haushaltsgeräten gibt es auch bei Gebäuden ein Ampelsystem zur Energieeffizienz. Es gibt Aufschluss über den voraussichtlichen Energieverbrauch in Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr und reicht von Klasse A+ bis Klasse H. All die Informationen werden im Energieausweis festgehalten. Pflicht sind die Angaben zum Energieverbrauch des Gebäudes zudem in Inseraten.

Gleichwohl scheint der Ausweis bei Wohnungssuchenden kaum bekannt zu sein, so Tanja Falke, Juristin beim Deutschen Mieterbund. „Er ist in unseren Beratungsgesprächen so gut wie kein Thema. Da werden keine Fragen zu gestellt.“ Dies findet Falke durchaus verwunderlich, denn Bewohner eines energieeffizienten Gebäudes könnten pro Jahr einen Euro-Betrag in dreistelliger Höhe sparen. Allerdings hätten Mieter, die eine Wohnung bereits bewohnen, keinen Anspruch, auf die Ausweise zu schauen. Große Wohnungsgesellschaften wiederum würden die Papiere im Flur aushängen. Die Expertin könnte sich allerdings vorstellen, dass die Energiesteckbriefe im nächsten Jahr zum Thema werden, „wenn die Heizkostenabrechnungen kommen“.

Noch nicht erlebt habe sie in ihrer Beratungstätigkeit, dass „Vermieter den Pass nicht vorzeigen“, was ein Bußgeld nach sich ziehen würde. Das aber „wäre in der Tat schwierig nachzuweisen“. Ihr Tipp: Mieter sollten unbedingt auf den Pass pochen, gerade wegen der starken Kosten im Energiebereich. „Da kann bares Geld gespart werden.“ Sie könne sich auch vorstellen, dass einige Interessenten ganz bewusst nicht nachfragen. Schließlich sind bestimmte Wohnungsgrößen besonders gefragt. „Das Angebot ist knapp. Viele möchten da nicht unbequem sein und scheuen sich davor nachzufragen.“

Wenig Nachfrage

Informationen zu den Ausweisen lässt auch der Haus-, Wohnungs- und Grundbesitzereigentümerverein seinen rund 1200 Mitgliedern regelmäßig zukommen. Dies erfolgt über Infoauslage oder die regelmäßige Vereinszeitschrift, so Gudrun Borchert vom HWG. Sie erhält zwar zwischendurch schon mal die ein oder andere Nachfrage, „doch ein großes Thema ist das bis jetzt nicht“. Von „einem Geschäft auf nicht besonders hohem Niveau“ und entsprechend niedriger Nachfrage spricht der BAFA-zertifizierte Energieberater Felix Gothe, Inhaber des Ingenieurbüros für Energie und Technik Ibentec. Viele hätten bereits einen Energieausweis, der erstmals 2007 ausgegeben wurde und bis 2017 gültig ist. Zudem betreffe es nur die Eigentümer, die sagen: Jetzt verkaufe ich. „Und die Zahl ist gering, das verteilt sich.“ Einen Boom erwartet er deshalb nicht.

 
 

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